Strategische Ausrichtung auf mobile Internet-Anwendungen
Fujitsu Siemens geht in die Offensive

Der deutsch-japanische Computerhersteller Fujitsu Siemens sieht sich durch eine neue strategische Ausrichtung gestärkt. Die Firma will von dem, laut Dataquest, wachsenden PC-Markt stärker profitieren.

FRANKFURT/M. Die Phase des Mergers sei nun endgültig abgeschlossen, so Paul A. Stodden, seit April Präsident und CEO des Joint Ventures Fujitsu Siemens Computers (FSC). "Jetzt geht es in die Offensive." Der Zusammenschluss der Computeraktivitäten der beiden großen japanischen und deutschen Elektrokonzerne hatte zunächst mehr Probleme bereitet als gedacht und Verluste von rund 200 Mill. Euro eingebracht - was auch zu einem Wechsel an der Unternehmensspitze führte. Stodden stellte gestern in Frankfurt die neue strategische Ausrichtung des Unternehmens vor, das seinen Aussagen zufolge inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Den in den ersten Monaten erlittenen "erheblichen Verlust", der auch in den Bilanzen der Mütter Siemens und Fujitsu vermerkt ist, begründet Stodden mit "den Altlasten der Übernahmephase".

In erster Linie will FSC nun Produkte und Lösungen für die mobile E-Business-Welt entwickeln und Unternehmen als Kunden gewinnen. "Die geschäftlichen Anbieter im Internet sind sich bewusst, dass eine robuste und skalierbare Infrastruktur eine wesentliche Voraussetzung für E-Business ist", erklärte Stodden.

Die von Stodden vorgestellte Ausrichtung bis zum Jahr 2003 sieht den Einsatz von rund 3 000 Mitarbeitern im Außendienst vor, 1300 Ingenieure sollen sich in Forschung und Entwicklung mit den neuen Kernthemen der Strategie beschäftigen. Kumuliert werden rund 750 Mill. Euro investiert. "Das ist unsere mittelfristige Vorgabe, aber bereits im zweiten Quartal nächsten Jahres will ich erste Meilensteine gesetzt haben", erklärte Stodden. Bis dahin will er einige Hauptanwendungen vorführen und Partnerschaften mit Software- und Systemhäusern vorweisen können.

Zusammenarbeit von der Entwicklung bis zur Vermarktung

Als großen Vorteil sieht der FSC-Chef die intensive Zusammenarbeit mit den Müttern Fujitsu Ltd. und der Siemens AG an. Konkret beschlossen wurde bereits eine Kooperation mit der Siemens Information und Communications Mobile, die eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung, Fertigung und Vermarktung mobiler Internet-Anwendungen beinhaltet.

Den deutlichen Verlust von Marktanteilen im PC-Geschäft sieht Stodden als gestoppt an. Laut Angaben der Marktforscher von Dataquest hat FSC im dritten Quartal 2000 besonders bei Firmenkunden verloren. Zwar blieb FSC mit einem Marktanteil von 27,7 % in Deutschland noch die Nummer eins, doch im Vorjahr betrug der Anteil noch 31,2 %. Noch gravierender fiel der Rückgang in Europa aus. "Wir haben hier sicherlich in einigen Märkten wie Großbritannien, Frankreich oder Italien einen hohen Nachholbedarf", räumte Stodden ein. Um in dem hart umkämpften europäischen PC-Markt, für den Marktforscher Dataquest ein Wachstum von 14,6 % in 2001 voraussagt, nicht noch weitere Marktanteile zu verlieren, soll das PC-Werkes in Augsburg modernisiert werden. Ziel ist die Senkung der Herstellungskosten um bis zu 40 % und der Distributionskosten um 25 %. Dafür werden allein 30 Mill. Euro ausgegeben.

Die Vertriebswege in Europa führen künftig nicht mehr direkt zum Kunden, weil der Transport von manchmal nur wenigen Produkten an einen bestimmten Ort nicht der kostengünstigste Weg sei. Die Alternative ist die Einrichtung von drei zentralen Standorten in Frankreich, Holland und Schweden als Logistikzentren. Auch das PC-Werk in Sömmerda soll in das neue Distributionsnetz eingebunden werden.

Die Marketingaktivitäten von FSC im PC-Bereich beinhalten auch Maßnahmen um den Verkaufsaktionen der Lebensmittelketten, wie in dieser Woche von Aldi, entgegenzusteuern. In der Branche wird geschätzt, dass allein Aldi rund 250 000 Personalcomputer verkauft. "Wir haben natürlich schon im Vorfeld durch Aktionen mit besonderen Komplettangeboten versucht, die Kunden abzufangen", erklärte Achim Berg, Geschäftsführer für den Vertrieb bei FSC in Deutschland, die Gegenmaßnahmen.



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