Straub: Weniger Grün am Rande
DFL-Messlatte an ARD-Sportschau ist hoch

Bessere Einschaltquoten und neue Impulse - das erwartet die Deutsche Fußball-Liga (DFL) von der ARD-Sportschau am Samstag. Der Dachverband hängte vier Tage vor dem Saisonstart die Messlatte an die neue Bundesliga-Sendung des nach 15 Jahren in die erste Reihe zurückgekehrten TV-Partners hoch.

dpa KÖLN. "Die ARD kann das Produkt Fußball schneller machen. Ich hoffe auf kompetente Berichte mit weniger Grün am Rand", sagte DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub bei der Sportschau-Präsentation im Kölner Sport- und Olympia-Museum.

Mit ihrer Präsenz unterstützte die Fußball-Prominenz wie Straub, Gladbach-Trainer Ewald Lienen, BVB-Präsident Gerd Niebaum oder Reiner Calmund die Aufbruchstimmung der ARD-Verantwortlichen. Leverkusens Manager erinnerte aber auch an die Bringeschuld der Kicker. "Die Bundesliga muss gute und rassige Spiele zeigen. Dann boomt Fußball als Volkssport Nummer eins und das wird sich widerspiegeln", sagte Calmund. "Nicht die Ehrentribüne, sondern Ball und Taktik sind für uns interessant", versprach WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf mehr Sport und weniger Werbung und Schnickschnack.

"Fußball macht 60 % unserer Sendung aus", erläuterte Steffen Simon, neuer Leiter der Sportschau-Redaktion, das in fünf Wochen erarbeitete Konzept der 90-Minuten-Sendung von 18.10 bis 19.40 Uhr. Im Unterschied zum ZDF-Sportstudio und zu Vorgänger Sat.1, der von Straub für seine elfjährige Arbeit gelobt wurde, ("Die ARD wird das Rad nicht neu erfinden") verzichtet die Sportschau bei ihren Berichten über die sieben Samstags-Partien auf klatschendes Publikum im Studio.

"Simon ist ein Purist und würde am liebsten nur Fußball zeigen", sagte "Mr. Sportschau" Heribert Faßbender. Der WDR-Sportchef, der nicht mehr als Frontmann auf dem Bildschirm zu sehen ist, stellte Sportschau-Mitbegründer Ernst Huberty und die neue Mannschaft mit dem Moderatoren-Duo Gerhard Delling und Reinhold Beckmann sowie einer Sender-paritätisch besetzten Reporter-Riege vor. Nur Günter Netzer fehlte. Seine Analysen zur Bundesliga werden eher selten sein. "Wir sollten die Exklusivität seiner Länderspiel-Auftritte wahren", meinte Delling.

Trotz der Möglichkeiten einer "Mischkalkulation" (Straub) aus Werbung und Gebühren kann die ARD bei der Refinanzierung der 65 Mill. ? teuren Sportschau nicht auf Werbung verzichten. Vier Blocks über jeweils fünf Minuten - einer vor, zwei während und einer nach der Sendung - sind geplant. Dazu kommen Splitscreen-Werbung (geteilter Bildschirm), Spots der Präsentatoren T-Mobile und CMA und eine 90-Sekunden-Tagesschau.

"Die Bayern werden redaktionell nicht in unzulässiger Weise bevorzugt", sagte ARD-Programmdirektor Günther Struve zu ungewöhnlichen Synergieeffekten. Die Telekom-Tochter T-Mobile ist Hauptsponsor des Rekordmeisters FC Bayern München und präsentiert zudem die Bundesliga im Pay TV-Sender Premiere. Das Mutter- Unternehmen sponsert die Sonntag-Spiele der Bundesliga im DSF.

Bleibt abzuwarten, wie die ARD-Zuschauer das Konzept "Zurück in die Zukunft" mit etwas Nostalgie und moderner Technik aus dem WDR - Studio A mit einem so genannten Dispatcher-Raum und 16 Monitoren honorieren. Sieben bis neun Kameras verfolgen die Spiele in den Stadien. Entscheidend ist für die TV-Macher die Quote. Mehr als 20 % Marktanteil und 4,6 Mill. Zuschauer - so viel hatte "ran" im Durchschnitt im Vorjahr - sollten es laut Struve schon sein. Intern wird zum Bundesliga-Auftakt am Samstag trotz Urlaubszeit mit mehr als fünf Mill. spekuliert.

Eine hohe Quote wäre auch ein gutes Argument gegen hausinterne Kritiker. Noch am Montagabend mussten Deppendorf und Faßbender Bedenken der WDR-Redakteure wegen der hohen Sportschau-Kosten aus dem Weg räumen. "Der Dispatcher-Raum, das Herzstück unserer Sendung, kann auch von der Politik-Redaktion genutzt werden", argumentierte Faßbender. Sollte die Refinanzierung trotz sehr gut ausgebuchter Werbezeiten wackeln, will man Rechte an UEFA-Cup-Spielen an andere Sender verkaufen.

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