Straw: "Geduld mit Irak hat Grenzen"
Solidarität mit USA schließt auch Blutzoll ein

Blair hat den USA mit Blick auf die Irak- Krise die rückhaltlose Solidarität seines Landes bis hin zur Beteiligung an einem Angriff zugesichert.

Reuters LONDON/BERLIN. Am Samstag trifft sich Blair mit US-Präsident George W. Bush zu Gesprächen, bei denen das Vorgehen gegen Irak im Mittelpunkt stehen dürften. Blairs Außenminister Jack Straw sagte, die Geduld mit Irak habe Grenzen und ein militärisches Vorgehen sei eine Option. Dagegen bekräftigte Bundeskanzler Gerhard Schröder sein Nein zu einer Beteiligung an einem Angriff auf Irak. Wegen neuerlicher Spekulationen um ein militärisches Vorgehen der USA gegen Irak stieg der Ölpreis in London auf den höchsten Stand seit zwölf Monaten.

Blair: Amerika soll auf uns zählen können

Es komme darauf an, dass die Amerikaner in einer Krise auf die Briten zählen könnten. Dies müsse aber über bloße Sympathiebekundungen oder Unterstützung hinausgehen, sagte Blair dem britischen Fernsehsender BBC zufolge. BBC will das Interview mit Blair am Sonntag ausstrahlen. Der britische Premier besucht Bush am Samstag auf dessen Landsitz Camp David im US-Bundesstaat Maryland. Bereits am Freitag besprach Bush die Irak-Krise telefonisch mit den Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Russlands und Chinas, wie aus dem Amt des Präsidenten verlautete. Die drei Staaten sind neben den USA und Großbritannien ständige Mitglieder im Uno-Sicherheitsrat. Bush hatte angekündigt, seine Gespräche zielten darauf, einen Konsens herzustellen.

Der britische Außenminister Straw sagte in Birmingham, die Geduld mit Irak müsse Grenzen haben: "Kein anderer Staat stellt diese einzigartige Bedrohung für den Bestand des internationalen Rechts dar. Kein anderes Land außer Irak hat dasselbe Verlangen nach der Entwicklung und dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen", sagte Straw.

Schröder fordert Respekt vor unterschiedlichen Meinungen

Schröder sagte unterdessen in einer Wahlkampfrede in Coburg über den transatatlantischen Streit zur Irak-Politik, Meinungsverschiedenheiten müssten auch mit engen Freunden wie den USA möglich sein. Zudem sollten die USA ihre Verbündeten rechtzeitig konsultieren: "Ein klares Wort zur richtigen Zeit ist Freundespflicht", sagte Schröder am Donnerstagabend in Coburg.

Die Bundesregierung sieht die Beziehungen zu den USA trotz anhaltend scharfer Wortwechsel über die Irak-Politik nicht belastet. "Es gibt keine Irritationen im deutsch-amerikanischen Verhältnis", sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye in Berlin. Die Beziehungen seien nach wie vor gut. Das Auswärtige Amt bestätigte, dass am Mittwoch der US-Botschafter Dan Coats auf Einladung des Ministeriums ein Gespräch mit Außen-Staatssekretär Gunter Pleuger über die unterschiedlichen Auffassungen geführt hatte. Coats hatte zuvor die deutsche Haltung mehrfach in für Diplomaten ungewöhnlicher Offenheit kritisiert.

An der Londoner Warenterminbörse stieg unterdessen der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober um 69 Cent auf 28,35 $, dem höchsten Stand seit September vergangenen Jahres. Händler begründeten den Anstieg vor allem mit Spekulationen, Bush könnte in der kommenden Woche Irak ein Ultimatum stellen. Rund zwei Drittel der weltweiten Ölreserven lagern im Nahen Osten.

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