Streichung der Tonnagesteuer in der Diskussion - Vertriebe werben mit hohen Charterraten
Steuerverschärfung beschert Schiffsfonds Sonderkonjunktur

Schiffsfonds sind zurzeit die Renner auf dem Beteiligungsmarkt. Denn viele Fonds bieten auf Grund einer Übergangsregelung noch Steuervorteile, die jetzt neu aufgelegte Fonds zumindest in dieser Form nicht mehr ermöglichen können.

DÜSSELDORF. Die geschlossene Fonds betreffende Übergangsregelung des Bundesfinanzministeriums (BMF) besagt, dass die Nebenkosten beim Erwerb eines Fondsanteils - im wesentlichen sind dies Provisionen für den Vertrieb der Fondsanteile - noch als sofort abzugsfähige Kosten die Steuerlast des Anlegers schmälern.

Voraussetzung: Mit dem Vertrieb des Fonds wurde vor dem 1.9.02 begonnen, und die Anleger treten dem Fonds bis zum Jahresende 2003 bei. Der Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert hat hochgerechnet, dass durch diese Sonderkonjunktur Anleger allein 640 Mill. Euro Eigenkapital in solche Altfonds pumpen und damit 90 Schiffe finanzieren werden. Ein vom BMF noch nicht veröffentlichter neuer Fondserlass hängt die Hürden für die Anerkennung der Nebenkosten als sofort abzugsfähige Betriebsausgaben so hoch, dass solche Modelle nicht mehr angeboten werden.

Allerdings gibt es einen weiteren Grund für den Boom der Schiffsfonds: Die Vertriebe können mit steigenden Charterraten für Containerschiffe aller Größenklassen werben (s. Grafik). Weil die Kapazität der Schiffe voraussichtlich nicht schneller steigen wird als das Ladungsaufkommen, sieht es auf dem Chartermarkt "zumindest bis einschließlich 2005 positiv aus", sagt Gunnar Peters vom Schiffsmaklerhaus Mentz, Decker & Co. in Hamburg.

Der Anstieg der Charterraten hat Reeder und Initiatoren optimistisch gestimmt. Dobert zählt auf, dass bereits drei Initiatoren mehr als 20 Containerschiffe der ganz großen Kapazitätsklasse von 4 000 bis 8 000 Standardcontainer bestellt haben. Auch für diese Schiffe mit Charterverträgen von acht bis zwölf Jahren werden in den nächsten Jahren Anleger gesucht. Doch ob für sie dann die verbliebenen Steuervorteile noch gelten, ist offen. Zu diesen Vorteilen gehört die so genannte Tonnagesteuer. Die Tonnagesteuer ist eine pauschale Gewinnermittlungsart, die zur Besteuerung der Transportkapazität in Bagatellhöhe führt. Typischerweise fahren Fondsschiffe bis zum Wechsel in die Tonnagebesteuerung nach spätestens drei Jahren Anlaufverluste ein. Die werden dem Anleger anteilig zugerechnet und senken seine Steuerlast aus anderen positiven Einkünften - etwa aus Gehaltszahlungen. Dieses Kombinationsmodell - erst steuerliche Verluste in voller Höhe geltend zu machen, dann auf eine günstige Gewinnbesteuerung umzusteigen - ist ein wichtiges Verkaufsargument.

Hans-Jürgen Weiland, Steuerreferent des Landes Hamburg machte beim "Hamburger Hafenmeeting" des Fondsanbieters Castor Kapital klar: "Das BMF sucht nach Subventionen, die gestrichen werden können. Der Paragraph 5a Einkommensteuergesetz (Tonnagesteuer) steht immer noch ganz oben an." Weiland gilt unter Schiffsfinanzierern als Gegner des Kombinationsmodells.

Den Vorwurf, Besserverdienende durch das Kombinationsmodell übermäßig zu begünstigen, kontern Emissionshäuser mit dem Hinweis, diese müssten schließlich den so genannten "Unterschiedsbetrag" beim Verkauf eines Schiffes versteuern. Der Unterschiedsbetrag ist die Differenz zwischen Marktwert, im Steuerrecht Teilwert genannt, und dem Buchwert, der sich aus dem Kaufpreis minus Abschreibungen ergibt. Zu ermitteln ist er zum Zeitpunkt des Wechsels zur Tonnagesteuer. Initiatoren und Anleger sind deshalb an einem möglichst geringen Teilwert interessiert, denn mit ihm sinkt der Unterschiedsbetrag. Weiland kritisiert häufig nicht nachvollziehbare Bewertungsgutachten zur Ermittlung des Teilwertes.

Modellrechnungen des Hamburger Steuerberaters Wolfgang Kemsat zeigen kräftig Ausschläge der Nachsteuerrendite bei verschieden hohen Unterschiedsbeträgen. Der Ausgangspunkt: ein Unterschiedsbetrag von 40 Prozent des Eigenkapitals bei üblichen Renditeberechnungen. Würde der Unterschiedsbetrag nun halbiert, könnte der Anleger eine Rendite von 11,4 Prozent einstreichen - würde der Betrag verdoppelt, nur noch 5,5 Prozent. Kein Wunder also, dass Auseinandersetzungen mit den Finanzämtern über die Höhe des Unterschiedsbetrages zunehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%