Streik angekündigt
Lufthansa-Tarifverhandlungen ergebnislos abgebrochen

Nachdem die Tarifverhandlungen über höhere Gehälter für die Lufhansapiloten am Mittwoch erneut abgebrochen worden sind rechnet die Lufhansa am Donnerstag fest mit einem ganztägigen Streik. Lufthansa-Sprecherin Kathrin Haase sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, dass möglicherweise alle Inlandsflüge von den Streiks betroffen sein könnten. Erstmalig habe die Fluggesellschaft ein Dreipunkte-Angebot unterbreitet. Die Pilotengewerkschaft habe dieses jedoch abgelehnt.

bue/jan/rtr DÜSSELDORF. Nach Einschätzung der Lufthansa wird es auf innerdeutschen Flügen zu erheblichen Behinderungen kommen, so Haase weiter. Die Fluggesellschaft sei mit Notflügen auf den morgigen Tag vorbereitet. Die internationalen Flüge würden in Frankfurt abgefertigt, ein kleineres Kontingent möglicherweise in München. Nähere Einzelheiten konnten zunächst nicht genannt werden. Am vorigen Donnerstag waren beim ersten ganztägigen Pilotenstreik mehr als 900 Flüge ausgefallen.

Das nun unterbreitete Dreipunkte-Angebot an die Piloten umfasse nach Angaben der Lufhansa-Sprecherin eine verbindliche Lohnsteigerung um 13,6 %, zwei variable Monatsgehälter und eine jährliche Lohnsteigerung angepasst an den Branchendurchschnitt. Die Pilotengewerkschaft habe dem Angebot von zwei variablen Monatsgehältern zugestimmt, die anderen Punkte jedoch abgelehnt. An ihrer Forderung von 24 % Lohnsteigerung habe Cockpit festgehalten. Die Pilotenvereinigung Cockpit fordert weiterhin für die 4 200 Piloten und Copiloten Einkommensverbesserungen von durchschnittlich mehr als 30 Prozent.

Die Lufthansa hat die Vereinigung Cockpit nach dem ergebnislosen Abbruch der Tarifgespräche aufgerufen, den für Donnerstag angedrohten erneuten Streik noch abzusagen. Es sei jetzt an der Vereinigung Cockpit, ein Signal zu setzen und den Streik abzublasen, sagte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther am Mittwoch dem Fernsehsender n-tv. Dies sei eine Chance, wirklich ernsthaften Verhandlungswillen zu zeigen. Walther sagte, er bedauere, dass erneut tausende Lufthansa-Kunden in den Tarifkonflikt hineingezogen würden.

Condor legte Flüge vor

Der Ferienflieger Condor, der ebenfalls vom Streik betroffen ist, zog den Start von 13 der 70 für Donnerstagmorgen geplanten Kurz- und Mittelstreckenflüge auf Mittwochabend vor. Die Langstreckenflüge sollten wie geplant starten. Condor erklärte, die Gesellschaft versuche,"auch durch Umbuchungen und die Zusammenarbeit mit anderen Fluggesellschaften alle Passagiere zuverlässig an ihre Urlaubsorte zu bringen". Die Frachttochter Lufthansa Cargo will nach Firmenangaben unter anderem durch Verlegung der Starts alle ihre Langstreckenflüge sicherstellen.

Die Vereinigung Cockpit warf der Lufthansa vor, das Scheitern der Gespräche gezielt herbeigeführt zu haben. Verhandlungsführer Michael Tarp sagte, Cockpit sei der Unternehmensführung deutlich entgegengekommen und habe zuletzt noch lineare Gehaltszuwächse von 24 Prozent plus Gewinnbeteiligung verlangt. Nun werde wie geplant gestreikt. "Und abhängig von den weiteren Reaktionen sehen wir uns auch in der Lage, spontan und kurzfristig durch unangekündigte Maßnahmen, durch Verlängerungen, durch zusätzliche Maßnahmen den Druck auf die Deutsche Lufthansa noch zu erhöhen, wenn es erforderlich ist." Beide Seiten seien aber gesprächsbereit. Er gehe von einem Signal der Lufthansa zu weiteren Verhandlungen in den nächsten Tagen aus.

In Lufthansa-Kreisen hieß es, der Konzern sei mit seinem neuen Kompromissangebot nahe seiner Grenzen, der weitere Spielraum sei "extrem begrenzt". Die Lufthansa wolle aber den Konflikt nicht unnötig verschärfen und weiter milde Töne nach außen anschlagen. Der Betriebsfrieden sei stark in Gefahr, und das Management werde kein Öl ins Feuer gießen. Der Konzernsprecherausschuss der leitenden Lufthansa-Angestellten warf der VC vor, mit ihrem Verhalten in hohem Maße die Zukunftsfähigkeit des Konzerns zu gefährden und einen unberechenbaren internen Verteilungskampf zu provozieren. "Das Cockpitpersonal muss andere Mittel als den Streik finden, wenn sie als Führungskräfte wahrgenommen werden wollen", erklärte der Ausschuss, der nach eigenen Angaben 600 leitende Angestellte der Luftahnsa vertritt.

Ein ganztägiger Streik kostet 50 Millionen Mark

Nach dem Abbruch der Gespräche rutschte der Kurs der Lufthansa-Aktie zeitweise um drei Prozent auf 21,16 Euro ab, erholte sich später aber wieder etwas. Analysten sagten, der Abbruch der Verhandlungen sei "auf jeden Fall negativ" für das Unternehmen. Andere Finanzexperten werteten die Haltung der Lufthansa auch als Signal, angesichts der niedrigeren Abschlüsse etwa für das Bodenpersonal einen Präzedenzfall zu schaffen.

Die Tarifauseinandersetzung zwischen der Lufthansa und ihren Piloten dauert seit drei Monaten an. Die Vereinigung Cockpit war mit einer Forderung nach Gehaltserhöhungen um durchschnittlich 35 Prozent zuzüglich einer Ergebnisbeteiligung bei mehrjähriger Laufzeit in die Verhandlungen gegangen. Nach internen Berechnungen der Lufthansa kostet ein ganztägiger Streik der Flugzeugführer das Unternehmen rund 50 Millionen Mark.

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