Streik der IG Metall geht weiter
Metall-Abschluss stößt auf breite Kritik

Die Funktionäre von IG Metall und Arbeitgebern sind zufrieden: Unmut über die Höhe ihrer Einigung in Baden-Württemberg und Erleichterung über das absehbare Ende des Arbeitskampfes halten sich die Waage. Der Abschluss wird voraussichtlich auch von den anderen Regionen übernommen. Für mehr Beschäftigung wird er jedoch kaum sorgen.

ajo/dc/huh HB DÜSSELDORF. Flucht aus dem Flächentarif? "Nein", sagt Manfred Siebert, Personalleiter bei der Hella KG Hueck & Co. in Lippstadt. "Das werden wir wohl hinnehmen müssen, wir gehören ja dem Arbeitgeberverband an." Nüchtern fasst er zusammen, was die Tariferhöhung von 4 % für Unternehmen wie den Autozulieferer bedeutet: "Es lassen sich trotzdem keine höheren Preise erzielen - schon gar nicht in der Automobilindustrie."

Vergeblich warten viele Metall- und Elektro-Unternehmen darauf, dass ihnen der Tarifvertrag wenigstens Möglichkeiten einer ertragsabhängigen Bezahlung eröffnet. Hella hat allerdings Wege gefunden, die Fesseln auch ohne Verbandsflucht etwas zu lockern: Das Unternehmen hat eine eigene Personaldienstleistungsfirma gegründet, die mittels Leiharbeit eine flexiblere Steuerung der Personalkapazitäten erlaubt. Und für deren bereits 200 Mitarbeiter gilt der Metalltarif nicht. "Dieser Tarifabschluss ist eine klare Bestätigung für unsere Entscheidung", sagt Siebert.

Arbeitsmarkt wird weiter belastet

Die am Mittwochabend erzielte Einigung für die Metallindustrie im Pilotbezirk Baden-Württemberg stößt in weiten Teilen der Wirtschaft auf erhebliche Kritik. Die hohen Lohnsteigerungen, so die verbreitete Ansicht, werden den Arbeitsmarkt weiter belasten. "Der Abschluss wird zu einem Personalabbau von zwei bis 3 % führen", sagt Diether Klingelnberg, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau voraus. BDI-Chef Michael Rogowski bestätigte: "Wenn dieser Abschluss zum Maßstab wird, erhöhen wir unser Lohnniveau in zwölf Monaten um über 7 %, da die nächste Erhöhung ja bereits im Juni nächsten Jahres stattfindet".

Auch die Metallarbeitgeber fürchten negative Folgen. Für die Masse der Betriebe in der Metallindustrie sei der Tarifabschluss um 0,5 bis 1 % zu hoch, räumte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser gestern ein. Dennoch will Gesamtmetall das Ergebnis von Baden-Württemberg den anderen Tarifbezirken zur Übernahme empfehlen.

Ob auch die IG Metall dies tun wird, will sie am Freitag bekannt geben. In Berlin und Brandenburg setzte sie ihren Streik am Donnerstag fort. Bezirksleiter Hasso Düvel kündigte an, so lange zu streiken, bis auch dort ein Tarifabschluss erreicht sei. Düvel will zusätzlich zu den Regelungen aus Baden-Württemberg einen Einstieg in die Verkürzung der Wochenarbeitszeit erreichen. Diese ist im Osten mit 38 Stunden noch drei Stunden länger als im Westen. Heute und Dienstag soll verhandelt werden.

Kein Jubel über den Tarifabschluss bei der IG Metall

Auch in der IG Metall wird über den Tarifabschluss kaum gejubelt. Erich Klemm, Konzernbetriebsratschef der Daimler-Chrylser und Verhandlungsteilnehmer: "Es ist wichtig, dass wir die Vier erreicht haben, auch wenn nicht alle Hoffnungen der Belegschaft von Daimler-Chrysler erfüllt wurden."

Als Ergebnis dieser Tarifrunde müsse deshalb eine Diskussion über den Flächentarif beginnen, glaub Klemm. Auch wenn er eher enttäuschte Erwartungen der Beschäftigten in ertragsstarken Unternehmen im Blick hat, ergibt sich eine auffällige Übereinstimmung mit Unternehmerwünschen: "Es muss ein Weg gefunden werden, der je nach Ertragsstärke des Unternehmens unterschiedliche Tarifelemente zulässt", so Klemm. Wer den Flächentarif halten wolle, der müsse zulassen, dass sich etwas ändert. "Auf Dauer werden wir sonst diesen Spagat nicht schaffen."

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte, der durch Streik erpresste Abschluss der Metaller könne kein Maßstab für andere Branchen sein. Damit sprach er die Sorge der Arbeitgeber in Baugewerbe und Handel zusammen, deren Tarifkonflikte noch laufen. Peter Klemm, Vize-Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber der Druckindustrie, wertet die Einigung dagegen positiv: "Zieht man die Sonderelemente ab, bleibt ein Lohnplus von knapp 3 %." Und das sei nicht weit von dem mit der Gewerkschaft Verdi so hart umstrittenen Lohnangebot für die eigene Branche entfernt.

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