Archiv
Streik gegen teure Euro-Preise

Der "Anti-Teuro-Gipfel" von Renate Künast verpuffte praktisch wirkungslos. Nun sorgt ein per E-Mail verbreiteter Aufruf zu einem eintägigen Käuferstreik für neuen Zündstoff.

Auch im sechsten Monat nach der Einführung des Euro-Bargelds beschäftigt die neue Währung die 300 Millionen Menschen zwischen Lappland und Kreta. Die neuen Preise erregen vielerorts die Gemüter - allerdings nirgends so heftig wie in Deutschland, wo seit Wochen erregt über den "Teuro" gestritten wird. Der "Anti-Teuro-Gipfel" von Grünen-Verbraucher-Ministerin Renate Künast traf zwar den Nerv der Verbraucher. Aber Abhilfe der hohen Preise schuf er nicht. Wucher und Raffgier lassen sich eben kaum per politischer "Bitte um Einsicht" unterbinden. Und ob das geplante Internet-Beschwerde-Forum unter www.preis-wert-forum.de Erfolg haben wird, in dem Verbraucher ihrem Ärger Luft machen können, muss sich erst noch zeigen.

Immerhin: Der Gipfel sorgte für enorme Aufmerksamkeit. Diverse Tageszeitungen und Verbände nahmen sich der Problematik an. Abzocker werden seitdem an den Pranger gestellt, Wirtschaftsforscher bestätigten nach umfangreichen Studien den Eindruck der Verbraucher, dass die "gefühlte Inflation" deutlich über den offiziellen Teuerungswerten liegt. Und vor allem: Das Preis-Bewusstsein der Konsumenten wird geschärft.

In die gleiche Kerbe schlägt auch eine seit wenigen Tagen in Deutschland im Umlauf befindliche E-Mail. Per elektronischer Post wird darin zu einem eintägigen Konsumstreik aufgerufen. Am Montag, 1. Juli, sollen Deutschlands Bürger keinen einzigen Cent ausgeben. Wer öffentlich gegen die hohen Preise protestieren möchte, solle zum Beispiel keine Lebensmittel kaufen, nicht tanken und auch nicht ins Restaurant oder ins Kino gehen. Wer sich auf den Tag vorbereite, könne leicht 24 Stunden auf Bargeld oder auf das Bezahlen per Plastik-Karte verzichten.



Was halten Sie von einem Konsumstreik? Sagen Sie Ihre Meinung im DMEuro.com-Forum"



Der Urheber der Aktion ist nicht bekannt, doch die Massen-Mail könnte ein weiteres, weithin spürbares Zeichen gegen überhöhte Preise setzen. Denn gerade in Deutschland sind die Preise seit Jahresbeginn stärker gestiegen als in anderen Ländern Europas. Ein Vergleich der harmonisierten Verbraucherpreise in der Statistik von Eurostat hat ergeben, dass sich insbesondere Dinge des täglichen Bedarfs überdurchschnittlich verteuert haben.

So müssen deutsche Verbraucher für Obst und Gemüse durchschnittlich elf Prozent mehr bezahlen als im Dezember 2001. In Großbritannien sind die Preise im gleichen Zeitraum um vier Prozent gesunken, die Finnen zahlen ein Prozent weniger. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Vergleich anderer Güter und Dienstleistungen. Deutsche Urlauber mussten etwa für ihre Pauschalreise im März 2002 fünf Prozent mehr bezahlen, während italienische und niederländische Touristen keine Teuerung zu verkraften hatten. In Spanien sind die Preise für Pauschalreisen sogar um sieben Prozent gesunken.

Die Preiserhöhungen in Deutschland gehen weiter. Jüngst kündigte die Deutsche Post an, zum 1. Juli die Paket-Preise um bis zu 9,3 Prozent zu erhöhen. Nach Angaben der Post fallen die Preiserhöhungen umso größer aus, je schwerer das Paket ist. Das hat zwar nicht direkt mit der Umstellung von Mark auf Euro zu tun. Trotzdem: Wer große Sachen zu versenden hat, sollte das spätestens am 29. Juni tun. Am darauf folgenden Montag hätte er aufgrund des Konsumentenstreiks zwar keine Warteschlangen zu befürchten. Aber seine Geldbörse wäre anschließend deutlich leichter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%