Streik in mehreren europäischen Ländern
Fluglotsen legen Luftverkehr lahm

Überall in Europa machten Fluglotsen gegen einen einheitlichen europäischen Flugraum Front. In Frankreich fielen rund 90 Prozent aller Flüge aus. In Deutschland blieb das Chaos aus.

Reuters FRANKFURT/PARIS. Dennoch fielen rund 200 Flüge, vor allem nach Frankreich, aus. Betroffen waren nahezu alle großen Flughäfen. Allerdings blieb das befürchtete Chaos auf den Flughäfen aus. Urlauber waren kaum betroffen. Weitaus gravierendere Auswirkungen hat der für Donnerstag in Spanien geplante Generalstreik. Flüge von mehr als 20 000 Touristen wurden inzwischen vorverlegt oder verschoben.

Der Verband der europäischen Fluglotsen-Gewerkschaften ATC protestierte mit der Aktion gegen Pläne der Europäischen Union (EU) für eine so genannte Single-Sky-Initiative. Neben der Zusammenführung der bislang nationalen Flugzonen in einen einheitlichen europäischen Luftraum ist auch die Ausschreibung der Flugsicherung geplant. Die Lotsen-Gewerkschaften sehen darin einen Einstieg in die Privatisierung der Flugsicherheit und befürchten einen Qualitätsverlust.

In Frankreich waren nach offiziellen Angaben der Luftfahrtbehörde rund 90 Prozent aller Flüge gestrichen. Dort streikten fast sämtliche Lotsen. In anderen Ländern, wie Portugal, Griechenland, Italien und Ungarn, war die Beteiligung geringer. So fielen auch in Deutschland lediglich Flüge von und nach Paris und anderen französischen Flughäfen aus. Nach ersten Schätzungen wurden rund 200 Verbindungen gestrichen. Dagegen fielen alleine auf den beiden großen Pariser Flughäfen Orly und Charles-de-Gaulle mehr als 1 800 der insgesamt gut 2 100 geplanten Flüge aus.

Alleine die Lufthansa als größte Fluggesellschaft in Deutschland strich nach eigenen Angaben bundesweit 130 Flüge von und nach Frankreich. Lediglich zehn Flüge fanden nahezu planmäßig statt. Zusätzlich strich die Gesellschaft Verbindungen ins spanische Baskenland wegen eines dortigen Generalstreiks. Für andere Länder, die vom Streik betroffen waren, gab es veränderte Abflugzeiten.

Lufthansa-Chef Jürgen Weber kritisierte auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln den Streik der Fluglotsen. "Es ist nachgerade absurd, dass in dieser Situation ein europäischer Fluglotsenverband für heute zu Streiks aufruft, um gegen einen gemeinsamen europäischen Himmel Front zu machen und sich für die Beibehaltung der zersplitterten Strukturen einzusetzen".

Das Chaos blieb aus

Die meisten Passagiere waren bereits am Vortag über den Streit informiert worden und kamen am Mittwoch gar nicht erst zum Flughafen. "Hier war alles ganz ruhig", sagte eine Sprecherin der Frankfurter Flughafen-Gesellschaft Fraport. Das von einigen erwartete Chaos habe es nicht gegeben. Am größten deutschen Flughafen wurden lediglich 76 der täglich rund 1 250 Flüge gestrichen. Ähnlich sah es auf anderen deutschen Flughäfen aus. In Berlin-Tegel fielen sämtliche Flüge nach Paris aus. "Hier und da gab es kleinere Verspätungen", hieß es.

An den Börsen reagierten die Kurse von Fluggesellschaften unterschiedlich. Während British Airways und Air France mit Abschlägen um zwei bis drei Prozent davon kamen, büßte der Billigflieger EasyJet fast acht Prozent ein. Die Lufthansa dagegen beflügelte ihren Kurs mit einem positivem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr auf der Hauptversammlung. Dagegen verlor der weltweit größte Touristikkonzern Preussag an der Börse rund drei Prozent an Wert, obgleich Urlauber von dem Lotsenstreik kaum betroffen waren.

Kaum Probleme bei den Reiseveranstaltern

So zeigten sich die Reiseveranstalter in Deutschland am Mittwoch erleichtert. "Keine Probleme", hieß es bei Thomas Cook in Oberursel ebenso wie bei der Preussag-Tochter TUI in Hannover. Frankreich sei für Pauschalurlauber kein Flugreiseziel. "Die anderen Maschinen starten bislang reibungslos", sagte eine Cook-Sprecherin am Vormittag. Lediglich eine Maschine mit TUI-Reisenden sei verspätet abgeflogen, hieß es in Hannover. "Aber wegen eines kleinen technischen Defekts". Größere Sorgen hat den Reiseveranstaltern der für Donnerstag geplante Generalstreik in Spanien bereitet. Allerdings seien die Hin- oder Rückflüge für gut 20 000 Urlauber auf Mittwoch vorgezogen oder auf die Nacht auf Freitag verschoben worden. Kosten für Urlaubsverkürzungen oder-verlängerungen übernehmen die Veranstalter.

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