Streik von Dienstag an
Ost-Streik legt Autoindustrie lahm

Der Streik in Ostdeutschland um die Einführung der 35-Stunden-Woche dürfte in dieser Woche erstmals nicht nur ostdeutsche, sondern auch westdeutsche und ausländische Fabriken der Autohersteller empfindlich treffen. "Es kann nur noch wenige Tage dauern, bis die Bänder auch dort still stehen", hieß es am Wochenende in Kreisen der Autoindustrie.

STUTTGART. Auch wenn Gewerkschafter betonen, "eine Fernwirkung sei vorerst nicht beabsichtigt", lässt die Streiktaktik anderes vermuten. Die IG Metall in Sachsen konzentriert sich bei ihren Streiks massiv auf einen Schlüsselbetrieb der Autoindustrie: GKN in Mosel. Der Autozulieferer fertigt Gelenkwellen für fast alle deutschen Autohersteller. Nur Daimler-Chrysler und teilweise auch VW haben dafür eigene Fertigungskapazitäten. "GKN ist in den vergangenen zwei Wochen massiv bestreikt worden", sagt Michael Appel, Personalchef bei GKN in Offenbach. Da GKN in Mosel vor dem Streik nicht im großen Stil habe vorproduzieren können, dürften bei BMW, VW oder Audi schon bald die Teile ausgehen.

Von Dienstag an wird der Streik zudem auf Brandenburg ausgeweitet. Massiv betroffen dürften vor allem Daimler-Chrysler in Ludwigsfelde und der Getriebehersteller ZF sein. ZF Brandenburg fertigt mit seinen 930 Mitarbeitern 1 000 Getriebe pro Tag für den 5er BMW und den 3er. Bei ZF wagt niemand abzuschätzen, in welchem Maß sich BMW mit Getrieben eingedeckt hat. BMW verweigert Aussagen zum Streik. "Im Vorfeld spekulieren wir nicht darüber", sagte eine Sprecherin.

Bei VW sieht die Situation bereits dramatisch aus. Durch den Streik im Werk Mosel/Zwickau mit einer Tagesproduktion von 11 000 Golf und Passat konnten bereits fast 100 000 Autos nicht produziert werden. Annahmen, dass die Fertigungspause VW in Anbetracht der Marktschwäche gerade recht komme, widerspricht VW. "Gefertigt werden Autos nach Kundenbestellungen. Verspätete Auslieferungen können nicht in unserem Sinne sein", sagte ein VW-Sprecher. Auch das Motorenwerk in Chemnitz ist von den Streiks betroffen, während die Phaeton-Produktion in Dresden bislang reibungslos laufe. Kommentieren möchte VW den Streik nicht, doch es deute zumindest nichts auf eine Entspannung: "Niemand außer der IG Metall kann etwas darüber sagen, wie lange der Streik gehen wird", sagte der Sprecher und machte damit deutlich, wer sich nach Meinung von VW in dem Tarifkonflikt bewegen muss.

Zurückhaltend äußert sich auch Daimler-Chrysler über die Auswirkungen des Streiks. Der Compakt-Van Vaneo, der in Ludwigsfelde produziert wird, verkauft sich schlecht. Die Arbeitszeiten sind dort ohnehin zurückgefahren. "Der Streik hat aus heutiger Sicht keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Konzern", sagte denn auch Günther Fleig, Personalvorstand von Daimler-Chrysler, gegenüber dem Handelsblatt. "Auch wenn jeder Streik Alarmstufe 1 für ein Unternehmen ist." Er hat große Zweifel, dass die 35-Stunden-Woche dem Osten mehr Gerechtigkeit bringt.

Porsche geht davon aus, die Produktion des Geländewagens Cayenne im Leipziger Werk aufrechterhalten zu können. Porsche ist in Leipzig nicht im Arbeitgeberverband und wird deshalb nicht bestreikt. Doch einer der Autozulieferer von Porsche, der Achsenlieferant Thyssen Krupp Automotive, hat als Unterlieferanten GKN.

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