Streikbeginn in Baden-Württemberg
Keine Annährung beim Metaller-Streik

Der erste Streik in der Metall- und Elektroindustrie seit sieben Jahren hat am Montag die großen Autokonzerne in Baden-Württemberg lahm gelegt.

dpa STUTTGART. Bei Mercedes-Benz, Porsche und Audi standen die Bänder still. Größere Zwischenfälle wurden nicht bekannt, der Start des Streiks verlief nach Gewerkschaftsangaben erfolgreich. Signale einer Annäherung zwischen IG Metall und Arbeitgebern blieben zunächst aus.

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sagte auf einer Kundgebung vor dem Haupttor des Sportwagenherstellers Porsche in Stuttgart, die Gewerkschaft werde den Kampf entschlossen führen, bis ein akzeptables Ergebnis erreicht sei. Der baden-württembergische Bezirksleiter Berthold Huber bekräftigte die Verhandlungsbereitschaft der IG Metall, wenn die Arbeitgeber ein neues Angebot machten. Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer sagte: "Es gibt kein neues Angebot. Wir werden unsere Linie nicht verlassen können." Es seien aber wieder Gespräche möglich, wenn sich der "Pulverdampf" der Streiks verziehe. Er rechne mit einer neuen Runde vor Pfingsten.

Zwiebelhofer brachte den FDP-Politiker und früheren Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff als Schlichter ins Gespräch. "Lambsdorff wäre dazu von der Sache her ein interessanter Mann". Die IG Metall lehnte den Vorschlag ab. "Wer einen langen Streik will, muss Lambsdorff als Schlichter vorschlagen", entgegnete Zwickel. Er kündigte an, dass der Streik mit Sicherheit auf die Bundesländer Berlin und Brandenburg ausgeweitet werde. IG Metall-Vize Jürgen Peters wies in Sindelfingen Vorwürfe zurück, die Gewerkschaft habe von Anfang an auf einen Arbeitskampf zugesteuert. "Wir wollten nicht streiken, wir waren dazu gezwungen", sagte Peters.

Den Auftakt zu dem Arbeitskampf hatten am Sonntagabend knapp 2000 Beschäftigte der Nachtschicht im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen gemacht. Am Montag kamen unter anderem das Daimler-Chrysler-Werk in Rastatt und Teile des Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim, Audi in Neckarsulm, Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen, Iveco Magirus in Ulm und der Mannheimer Landmaschinen-Hersteller John Deere hinzu. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beteiligten sich Metaller an Solidaritäts-Warnstreiks.

Bei Daimler-Chrysler wurden bis zum Dienstagmorgen insgesamt 2 500 Autos nicht produziert, bei Audi in Neckarsulm etwa 1 000, bei Porsche waren es 145. In einer Stellungnahme appellierte der Sportwagenhersteller an die Tarifparteien, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren und den Flächentarifvertrag zu reformieren. Künftig sollte darin die unterschiedliche Leistungsfähigkeit von Großunternehmen und kleineren Betrieben berücksichtigt werden, hieß es.

Mit der Taktik, die einzelnen Firmen nur tage- oder schichtweise lahm zu legen, sollen nach Angaben der Gewerkschaft Fernwirkungen auf Lieferanten und Kunden möglichst gering gehalten werden. Im Laufe der Woche kommen etwa 50 weitere Betriebe an die Reihe. Ziel des Streiks ist eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 6,5 %. In den Verhandlungen hatte die IG Metall allerdings Entgegenkommen für einen Abschluss um die vier Prozent signalisiert. Die Arbeitgeber boten zuletzt 3,3 % für 13 Monate.

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