Streit der Gesellschafter
KPNQwest ist pleite

Das niederländisch-amerikanische Kabelunternehmen KPNQwest hat am Freitag Konkurs angemeldet. Der Fortbestand des operativen Geschäfts steht auf wackligen Füßen.

dpa/vwd DEN HAAG. Dies sei die einzige Möglichkeit gewesen, nachdem Verhandlungen über den Verkauf nicht- strategischer Unternehmensteile kein Ergebnis gebracht hatten, teilte das Unternehmen in Den Haag mit. Zugleich mit dem Konkursantrag für die niederländische KPNQwest - Gesellschaft bei einem Gericht in Haarlem sei Zahlungsaufschub für einige Niederlassungen in Europa beantragt worden. Ausgeschlossen davon seien die Aktivitäten in Osteuropa, KPNQwest Portugal und KPNQwest Italien.

Es liefen aber noch immer Verhandlungen mit potenziellen Käufern für wesentliche Teile des Unternehmens für Glasfaserkabelnetze, sagte ein seit 23. Mai aktiver Zwangsverwalter. Ein Übernahme-Angebot des US-Unternehmens AT&T sei für die Banken nicht akzeptabel gewesen. Dennoch bestehe Hoffnung, den Betrieb mit 100 000 Kunden aufrechterhalten zu können.

Erst vor acht Tagen hatte das Gericht in Haarlem dem Antrag auf ein Moratorium für das Gemeinschaftsunternehmen der Telekom-Konzerne KPN (Niederlande) und Qwest (USA) stattgegeben.

Die Kabelgesellschaft hat in den letzten Jahren Schulden von 2,2 Milliarden Euro aufgebaut, sagte Zwangsverwalter van Apeldooren am Freitag. Nach einem Verlust von 283 Millionen Euro im ersten Quartal 2002 konnte das Unternehmen die Schuldzinsen nicht mehr bezahlen. Die Hauptaktionäre hatten auch kein neues Geld mehr bereitstellen wollen.

KPN schiebt Qwest die Schuld zu

Dem ist offenbar ein heftiger Streit der beiden Gesellschafter über die Zukunft des Unternehmens vorausgegangen. Die KPN war nach den Worten ihres Vorstandsvoritzenden Ad Scheepbouwer bis zuletzt bereit, die KPNQwest finanziell zu unterstützen. Wie Scheepbouwer in einem Interview mit "Planet Internet" sagte, habe die Qwest Communications International Inc diese Pläne abgelehnt. Qwest Communications und KPN halten zusammen rund 90 Prozent an KPNQwest.

Beide Unternehmen hätten versuchen sollen, KPNQwest zu helfen. Zudem hätte man KPNQwest mehr Zeit für eine Restrukturierung einräumen müssen, sagte Scheepbouwer. Man hätte mehr Geld, beispielsweise durch den Kauf einiger Aktiva, zur Verfügung stellen können.

Muttergesellschaft verspricht Hilfe

Die Muttergesellschaft KPN NV will ihrer in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Tochter zwar vorerst unter die Arme greifen, jedoch gab der Konzern seinen Kunden gegenüber keine Garantie auf ein Funktionieren des Netzwerkes. Ein Analyst von SNS Securities ging davon aus, dass KPN aus Furcht vor Regressansprüchen nur eine kurzfristige Überbrückungshilfe leisten wird.

KPNQwest war im April 1999 gegründet worden. Der Gang an die Börse im November dieses Jahres brachte 900 Millionen Euro ein, bei einem Einführungskurs von 20 Euro je Aktie. Insgesamt wurden 44 Millionen Aktien platziert, etwa zehn Prozent des gesamten Aktienkapitals. Im Februar 2000 erreichte der Aktienkurs den Höchststand von 93 Euro, am Freitag lag er nur noch bei 0,31 Euro.

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