Streit in der Führungsmannschaft lähmt Sportfive – ARD/ZDF-Agentur Sport A droht das Aus
Sportrechtevermarkter schlittern in die Krise

Bei den Sportrechtevermarktern bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Nach der Neuordnung der Infront Sport & Media AG (früher Kirch Sport) droht der Sportfive - Europas größter Fußball- und Sportrechteagentur - eine Zerreißprobe.

DÜSSELDORF. Nach dem überraschenden Abschied von Bernd Hoffmann, dem Geschäftsführer der Sportfive GmbH in Deutschland und COO der französischen Holding Sportfive S.A., droht der Branchenriese im deutschen Fußballgeschäft wichtige Kunden zu verlieren. Das bestätigten Brancheninsider gestern. "Hoffmann ist im deutschen Fußball sehr gut vernetzt. Das wird Sportfive künftig fehlen", sagt ein Rechtemanager. "In einer Branche, in der persönliche Beziehungen entscheidend sind, ist Hoffmanns Ausstieg ein dramatischer Verlust", resümierte ein anderer Manager. Der Kurs stürzte auf einen Jahrestiefstand von rund 150 Euro an der Pariser Börse ab.

Die Rechtehändler haben angesichts der knappen Kassen der Sender schon seit Monaten mit einem Verfall der Preise zu kämpfen. Hinzu kommen nun auch die hausgemachten Probleme. Der 39-jährige Hoffmann, der als neuer Vorstandschef des Hamburger Sportvereins (HSV) gehandelt wird, lag von Anfang an im Clinch mit dem Vorstandschef und Sportfive-Gesellschafter Jean-Claude Darmon. Die beiden in der Branche als Egomanen geltenden Sportrechtemanager konnten nicht nur ihre persönlichen Differenzen nicht ausräumen, sondern auch die unterschiedlichen Unternehmenskulturen nicht angleichen.

Vor genau einem Jahr hatten Bertelsmann und Vivendi Universal ihre Töchter Ufa Sports und Sport+ zusammen mit der Groupe Jean-Claude Darmon zur Sportfive S.A. verschmolzen. So sollten die Anbieter ihre größere Marktmacht ausnutzen können.

Die Idee der ehemaligen Vorstandschefs Thomas Middelhoff und Jean-Marie Messier hatte in der Theorie viel Charme, in der Realität funktionierte sich aber nicht. Die Mitarbeiter laufen davon: im September ging bereits der deutsche Sportfive-Geschäftsführer Geert Bittner, in den nächsten Wochen wird auch Jerome Valcke, COO der Sportfive S.A., seinen Job aufgeben.

Nach Hoffmanns Abgang demonstriert das Unternehmen nach außen Ruhe. "Für das operative Geschäft hat der Wechsel keine Auswirkungen", sagte eine Sprecherin. Schließlich würden die beiden langjährigen Rechtemanager Philip Cordes (35) und Robert Müller von Vultejus (33) die Aufgabenbereiche Hoffmanns übernehmen. Auch der Gesellschafter RTL Group in Luxemburg beschwichtigt. "Es ist eine harte Zeit für Sportrechtevermarkter in Europa. Wir haben aber keine Zweifel an der Sinnhaftigkeit der vor einem Jahr vollzogenen Fusion", sagte ein Konzernsprecher.

Die Gruppe mit über 20 Tochtergesellschaften in dreizehn Ländern erwirtschaftete im ersten Halbjahr einen Umsatz von 299 Mill. Euro bei einem Ebita von rund 15 Mill. Euro. Schwerpunkt des Geschäfts ist die Vermarktung von 320 Fußballclubs (Borussia Dortmund, 1. FC Nürnberg, Hamburger SV, Paris SG, Galatasaray Istanbul, Celta de Vigo).

Nicht nur die Sportfive steht vor einem Umbau, sondern auch die Sportrechteagentur von ARD und ZDF, die Sport A GmbH, in München. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die möglicherweise das Ende des Unternehmens mit rund 200 Mill. Euro besiegelt. "Alle Dinge stehen auf dem Prüfstand. Es gibt aber noch keine Auflösungsbeschlüsse", sagte Geschäftsführer Michael Amsinck gestern. Hintergrund der Existenzkrise ist der gescheiterte Umbau des Rechtevermarkters, um der privaten Konkurrenz wie Sportfive und Kirch Sport Paroli bieten zu können. Im harten Rechte-Poker fehlen der Sport A Kapital und Erfahrung. Ein Einstieg des im Sportrechtehandel erfahrenen Medienunternehmers Herbert Kloiber oder des französischen Fernsehkonzerns TF 1 waren gescheitert. Vor allem der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen will beim Rechteeinkauf seine eigenen Wege gehen - ohne den bisherigen Partner ZDF.

Quelle: Handelsblatt Quelle: Handelsblatt

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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