Streit mit Frankfurt spitzt sich zu
Nasdaq Deutschland startet mit neuen Banken an Bord

Mit verhaltenen Umsätzen lief am Freitag der Handel an der Nasdaq Deutschland an. Die neue Börse setzt vor allem auf die Internalisierung, die den Banken den Handel mit ihren Kunden erlaubt.

BERLIN. Trotz des dramatischen Kursverfalls an den Aktienmärkten hat am Freitag eine neue Börse ihren Start gewagt, die Nasdaq Deutschland. Die Börse, die vor allem auf Privatanleger abzielt, bringt nach Ansicht ihres Chairman Jim Weber "mehr Wettbewerb in den deutschen Markt", der bisher zu über 90 % von der Deutschen Börse in Frankfurt dominiert wird.

Die Verantwortlichen der neuen Börse berichteten von einem technisch reibungslosen Start. Die Umsätze waren freilich noch gering. In 110 Transaktionen wurden 31 357Aktien umgesetzt. Der verhaltene Start kam indes nicht überraschend, da zunächst nur die 128 wichtigsten US-Aktien gehandelt werden. Erst in zwei Wochen werden die 110 größten deutschen Werte aus Dax, MDax und TecDax hinzukommen. In spätestens anderthalb Jahren sollen 3 000 Titel handelbar sein. In drei Jahren will die Nasdaq Deutschland einen Anteil von 15 % - gemessen an der Zahl der Orders - am deutschen Aktienhandel erreichen. An ihr sind neben der Nasdaq die fusionierten Börsen Berlin und Bremen, Dresdner Bank sowie Commerzbank und Comdirect beteiligt.

Das besondere Merkmal der Börse ist das Handelssystem Supermontage, das auch die so genannte Internalisierung ermöglicht. Das heißt, die Banken können direkt mit ihren Kunden handeln, ohne die Order in das Orderbuch zu leiten. Diese Funktion heißt Best Ex und verpflichtet die Bank, ihren Kunden einen mindestens ebenso guten Preis zu geben, wie er am liquidesten Markt vorherrscht, an dem die Aktie gehandelt wird. Banken, die nicht internalisieren wollen, können die Order auch an ein vorher ausgewähltes Wertpapierhandelshaus (Best-Ex-Market-Maker) leiten, das sie dann ausführt.

Die Kreditinstitute versprechen sich von der Internalisierung vor allem zwei Vorteile: Erstens können sie an der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis (spread) Geld verdienen. Zweitens können die Kosten für die Abwicklung der Aufträge bei der internen Ausführung spürbar sinken. Weber unterstrich bei der Eröffnung, dass die Internalisierung im Fokus steht: "Es geht in diesem Jahr vor allem um Best Ex". Er geht davon aus, dass 50 bis 60 % aller Geschäfte an der neuen Börse internalisiert werden. Die übrigen Geschäfte werden nach traditioneller Art im Orderbuch der Börse zusammengeführt. Dort müssen die Best-Ex-Market-Maker durch das Stellen von An- und Verkaufskursen für Liquidität sorgen. Derzeit gibt es drei Market Maker: Commerzbank, Dresdner und Berliner Effektengesellschaft. Zweite strategische Zielrichtung der Nasdaq Deutschland sind Börseneinführungen. Sobald das Geschäft für Neuemissionen wieder in Gang kommt, will die Nasdaq hier der Deutschen Börse Konkurrenz machen.

Nach Webers Angaben sind derzeit 40 Banken angeschlossen. Er geht davon aus, dass die meisten von ihnen die Best-Ex-Funktion nutzen. Dies tun neben Commerzbank, Dresdner und Comdirect jetzt auch Consors, die Citibank sowie zwei kleinere Institute (Oldenburgische Landesbank und Bankhaus Neelmeyer), ab dem 7. April plant dies auch die Bankgesellschaft Berlin.

In Finanzkreisen werden die Erfolgschancen der neuen Börsen als durchwachsen eingestuft. Zwar sei das Marktmodell grundsätzlich interessant, heißt es. Aber der Start erfolge zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt, weil die Anleger wegen der Börsenbaisse kaum noch handelten. Die Deutsche Börse gibt sich gelassen. Rainer Riess, bei den Frankfurtern für den Aktienhandel zuständig, verweist darauf, dass Xetra der mit Abstand liquideste Markt in Deutschland sei. Doch war aus Kreisen der Nasdaq Deutschland zu hören, dass die Frankfurter in letzter Minute versucht haben sollen, den Informationsanbieter Reuters daran zu hindern, die Nasdaq Deutschland mit Xetra-Kursdaten zu versorgen, ohne die keine Berechnung von Best-Ex-Preisen möglich wäre. Eine Sprecherin der Deutschen Börse erklärte allerdings, man habe Reuters nur gebeten zu prüfen, ob die Daten durch die Nasdaq Deutschland rechtmäßig genutzt würden. Hintergrund ist, dass die Nasdaq die Daten auch ihren Market Makern zur Verfügung stellt, was nach Auffassung der Frankfurter nicht legitim ist.

Streit gibt es auch darüber, ob die Internalisierung das Gütesiegel Börsenpreis verdient. Die Börsenaufsichten in Berlin und Bremen haben Best Ex dieses Prädikat verliehen. Dagegen hatte die hessische Börsenaufsicht der Internalisierungsplattform der Deutschen Börse namens "Xetra Best" dieses Siegel verweigert. Riess erkennt darin einen "klaren Fall von Regulierungs-Arbitrage" und verlangt eine einheitliche Börsenaufsicht in Deutschland, die bisher den einzelnen Bundesländern obliegt. "Offenbar brauchen wir eine einheitliche Börsenaufsicht, damit die Voraussetzungen für alle gleich sind".

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