Streit mit Möllemann
Kommentar: Westerwelle lässt sich vorführen

Der FDP-Chef hat seinen Stellvertreter Möllemann offenbar nicht im Griff.

Peinlicheres kann einem Parteichef nicht passieren: Guido Westerwelle musste sich von Jürgen Möllemann nachgerade vorführen lassen: Jamal Karsli bleibt Mitglied in der Düsseldorfer Landtagsfraktion - obwohl Westerwelle, und mit ihm fast die gesamte Parteispitze, seinen Rauswurf forderten. Weil Möllemann es so will.

Hilflos musste Westerwelle eingestehen, dass er auf den eigenwilligen Chef des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen keinen Einfluss hat. Dass ihm auch die Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff und Hans Dietrich Genscher nicht helfen konnten, macht die Niederlage nur noch größer.

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Liberalen jubelnd die "babylonische Gefangenschaft" als Juniorpartner der CDU abgeschüttelt haben. Viel haltbarer sind aber offensichtlich die Ketten, die sie an den unberechenbaren Düsseldorfer schmieden.

Was die Partei nicht schafft, sollen nun die Demoskopen vollbringen: Vielleicht, so hoffen die Liberalen, bringen ja die sinkenden Umfragewerte Möllemann zur Vernunft. Das ist offenbar die einzige Sprache, die er versteht.

Hilflos muss Westerwelle auch mit ansehen, wie der Streit mit dem Zentralrat der Juden eskaliert. Heute will die Jüdische Gemeinde Berlins vor dem Thomas-Dehler-Haus demonstrieren - die Fernsehbilder am Abend sind so ungefähr das Letzte, was die Liberalen im Wahlkampf gebrauchen können.

Doch zugleich ist der Zentralrat dabei, die breite Schar seiner Unterstützer zu vergrätzen. Denn nun hat Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrates, nicht nur seine Forderung nach Entschuldigung und Trennung von Karsli erneuert, sondern einen "Aufstand der Demokraten" gegen Möllemann gefordert. Damit schießt Spiegel deutlich übers Ziel hinaus. Denn für einen Aufstand der Demokraten ist der Fallschirmspringer aus Düsseldorf nicht wichtig genug.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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