Streit mit Schmid erhöht Insolvenzgefahr
Mobilcom-Lage spitzt sich zu

Die Gefahr einer Insolvenz von Mobilcom ist am Montag wieder gestiegen, nachdem sich der Streit um die Bedingungen weiter zugespitzt hat, zu denen der frühere Konzernchef Gerhard Schmid seine Firmenanteile auf einen Treuhänder übertragen soll.

Reuters HAMBURG. Schmid weigerte sich nach Angaben einer Sprecherin, an einem für Montagabend geplanten Treffen mit Vertretern der Bundesregierung teilzunehmen, bei dem erneut ein Kompromissversuch unternommen werden sollte. Der Mobilcom-Großaktionär warf der Bundesregierung vor, ihm die Bedingungen diktieren zu wollen, zu denen er seine Aktien auf einen Treuhänder übertrage. Das gehe bis zur Festlegung der Person des Treuhänders und komme einer Enteignung sehr nahe, sagte die Schmid-Sprecherin.

Unklar blieb zunächst, ob Schmid von einem Vertreter an den Gesprächen mit der Bundesregierung vertreten wird oder ob das Treffen ganz abgesagt werden muss. Unterdessen wurde aus verhandlungsnahen Kreisen betont, dass Schmid sein Aktienpaket von fast 50 Prozent für eine Gesamtlösung ohne Bedingungen übertragen müsse.

Schmid soll angeblich Verfügungsgewalt abgeben

Während Schmid offenbar bestimmte Einflussmöglichkeiten behalten will, forderten France Telecom sowie die an der Suche nach einem Kompromiss beteiligten Banken und die Bundesregierung weiter, dass Schmid seine Aktien ohne Vorbehalte übertragen müsse. "Er (Schmid) muss übertragen, ohne Einschränkung, so wie er es zugesagt hat," hieß es in den Kreisen.

Die Bedenken der Beteiligten richteten sich nicht gegen den von Schmid als Treuhänder vorgesehenen ehemaligen Vorstandschef der Telefongesellschaft Debitel , Joachim Dreyer, verlautete weiter aus den Kreisen. Vielmehr stoße man sich daran, dass Schmid immer noch nicht entgegen seiner öffentlichen Bekundung vom September jede Verfügungsgewalt über seine Aktien abgeben wolle. "Es muss sichergestellt sein, dass allein dieser Treuhänder aktiv werden kann", betonten die Kreise.

Schmid hatte am Freitag einen Treuhändervertrag unterzeichnet, daran aber nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Änderungen vorgenommen, die nicht akzeptabel seien.

Offenbar keine offenen Punkte mehr mit France Telecom

Den Angaben aus den Kreisen zufolge sind die Verhandlungen zwischen France Telecom, Banken und der Bundesregierung weitgehend abgeschlossen. France Telecom habe 95 Prozent des Vertrages akzeptiert, offene Diskussionspunkte mit Substanz gebe es mit France Telecom keine mehr, hieß es. France Telecom hat bereits im Grundsatz akzeptiert, annähernd sieben Milliarden Euro Schulden von Mobilcom zu übernehmen, macht aber zur Voraussetzung, dass Schmid seinen Einfluss auf das von ihm gegründete Unternehmen aufgibt.

Aus Aufsichtsratskreisen hatte es zuvor geheißen, wegen der sich hinziehenden Verhandlungen über die Aktienübertragung drohe Mobilcom erneut ein Liquiditätsengpass. "Eine Einigung muss heute oder morgen erfolgen, spätestens in dieser Woche", hieß es. Die Mobilcom unter Vermittlung der Bundesregierung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im September bereitgestellte Soforthilfe über 50 Millionen Euro sei inzwischen fast aufgebraucht. Weitere Mittel müssten zügig zugeschossen werden, sonst drohe erneut die Zahlungsunfähigkeit.

Unbegrenzte Kostenübernahme verlangt

Nach weiteren Angaben aus Verhandlungskreisen bestehen neben dem Treuhandvertrag auch noch Uneinigkeiten über das Ausmaß, in dem France Telecom Kosten tragen soll, die sich aus seinem Rückzug aus der UMTS-Partnerschaft mit Mobilcom ergeben. Dazu zählen die Kosten für das Einfrieren des UMTS-Geschäfts und für die Auflösung eines Dienstleistungsvertrags mit dem Mobilfunkanbieter E-Plus. Während France Telecom dafür eine Obergrenze festschreiben wolle, verlangten die Banken eine unbegrenzte Übernahme, hieß es.

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