Streit spitzt sich zu
Krieg der Verbände

Die Auseinandersetzung zwischen dem Weltverband Fifa und der Uefa eskaliert immer mehr. Uefa-Präsident Johansson empfahl Fifa-Boss Blatter öffentlich, auf eine Kandidatur zu verzichten.

sid STOCKHOLM. Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Sitzung der Uefa-Exekutive in Stockholm erklärte Johansson: "Es wäre eine gute Idee von ihm, wenn er nicht kandidieren würde. Aber ich glaube nicht, dass er verzichtet. Er ist überzeugt, dass er wiedergewählt wird."

Johansson verteidigte sein Eintreten für Issa Hayatou, den Gegenkandidaten Blatters aus Kamerun: "Ich bin verblüfft, dass ein europäischer Präsident der Fifa so eklatant gegen die Interessen der Europäer arbeitet. Vielleicht glaubt Blatter ja, dadurch Stimmen im Rest der Welt zu sammeln. In Hayatous Programm jedenfalls gibt es keine Zeile, die gegen Europa gerichtet ist."

Fraktionszwang allerdings wird es bei der geheimen Wahl am 29. Mai nicht geben. So hat DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bereits erklärt, für Blatter stimmen zu wollen. Es dürfte nicht der einzige europäische Verband bleiben.

Derweil spitzt sich der Streit weiter zu. Mit Empörung hat die Uefa darauf reagiert, dass Blatter den Ad-Hoc-Untersuchungsausschuss zur Finanzsituation bis zur Fifa-Exekutivsitzung am 3. Mai in Zürich weiterhin suspendiert. Ein am Mittwoch getroffener entsprechender Beschluss der Dringlichkeitskomission der Fifa, die Johansson boykottiert hatte, ist nach Ansicht der Uefa nichtig. Nur das Fifa-Exekutivkomitee, das den Ausschuss eingesetzt habe, könne seine Arbeit auch beenden.

In einem Kommunique, bei dessen Formulierung sich der Spanier Angel Maria Villar als einziger der Stimme enthielt, heißt es: "Das Uefa-Exekutiv-Komitee unterstützt David Will in seiner Arbeit als Vorsitzender des internen Untersuchungsausschusses und verurteilt die Handlungen des Fifa-Präsidenten scharf, den Ausschuss unter Verletzung der Fifa-Statuten zu suspendieren. Wenn der Fifa-Präsident nichts zu verstecken hat, dann soll die Wahrheit ans Licht kommen."

Blatter hatte den internen Untersuchungsausschuss ausgesetzt, weil angeblich das asiatische Kommissionsmitglied Chung Mong-joon die Vertraulichkeit gebrochen habe. In einem Telefonat mit Lennart Johansson verwahrte sich Chung, Vizepräsident der Fifa und Präsident des südkoreanischen Verbandes, gegen diese Vorwürfe. Außerdem war Chung sehr verärgert über einen Brief, den Blatter ihm geschrieben und in dem der Fifa-Chef seinem "Vize" Chung Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg gegeben hatte.

David Will, der Vorsitzende der Buchprüfungskommission erklärte in einem Statement: "Ich traf Sepp Blatter am 22. April und er war nicht in der Lage, mir ein einziges Beispiel zu nennen, wo vertrauliche Dokumente in unbefugte Hände geraten wären. Der Präsident hatte kein Recht, die Untersuchungskommission zu suspendieren."

Auch Will bestreitet die Zuständigkeit des Dringlichkeits-Komitees: "Der Präsident schrieb am 18. April an die Mitglieder des Dringlichkeitsausschusses und bat um Unterstützung für seine Maßnahmen. Es gibt keinen Grund, weshalb der Präsident dieses Ansinnen nicht an die Fifa-Exekutivmitglieder hätte richten können." Will will jetzt auf eigene Faust weiter ermitteln und hofft, dass die Fifa-Exekutive auf seiner nächsten Sitzung am 3. Mai in Zürich den Untersuchungsausschuss wieder einsetzt.

Gleichfalls am 3. Mai will Michel Zen-Ruffinen, Generalsekretär der Fifa, dem Exekutiv-Komitee Unterlagen vorlegen, die Fehler im Finanzgebaren der Fifa dokumentieren sollen. Uefa-Generaldirektor Gerhard Aigner, kein Freund von Blatter, kommentierte die Vorgänge bei der Fifa süffisant: "In jeder Organisation, die etwas auf sich hält, würden die Verantwortlichen für solch eine Situation zurücktreten." - Am Donnerstag wird Blatter als Gast beim 26. Uefa-Kongress erwartet.

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