Streit über Abtreibung und Nahost-Konflikt
Weltkindergipfel bislang ohne Ergebnis

Experten rangen in einer Nachtsitzung bis Freitagmorgen (Ortszeit) um Kompromisse zwischen den USA und der großen Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten im Abschlussdokument.

dpa NEW YORK. Dabei war der Themenkomplex Sex, Empfängnisverhütung und Abtreibung der umstrittenste Punkt zwischen den Amerikanern und vor allem der EU.

Die USA lehnen auch die Garantie gegenüber Eltern einklagbarer Kinderrechte und ein Mindestalter für die mögliche Verhängung der Todesstrafe ab. Vor allem aber bestehen sie darauf, dass kein Satz des Abschlussdokuments als Akzeptanz von Abtreibungen ausgelegt werden kann. Länder der Europäischen Union weigerten sich bislang, im Aktionsplan des Gipfels auf niedrigere als die bisher erreichten internationalen Standards zurückzugehen.

Dennoch äußerte sich der Leiter der Verhandlungen, der deutsche UN-Botschafter Hanns Schumacher, in der Nacht zum Freitag zuversichtlich, dass es im letzten Moment einen Kompromiss geben werde. Auch UNICEF-Direktor Carol Bellamy sagte, "es geht nur darum, die Formulierungen zu finden, mit denen jeder leben kann".

Die Abschlusssitzung des Gipfels mit der Annahme des Aktionsplans "Für eine kindgerechte Welt" war für Freitagnachmittag (Ortszeit) vorgesehen. Der Aktionsplan enthält Vorgaben für die medizinische Versorgung und Ausbildung sowie den weltweiten Schutz von Kindern vor Kriegen, Missbrauch und Ausbeutung.

Die US-Regierung vertritt auf dem Gipfel die Position, "dass Abstinenz das einzige Rezept gegen Geschlechtskrankheiten, frühe Schwangerschaften sowie die sozialen und persönlichen Probleme ist, die sich durch sexuellen Aktivitäten vor der Ehe ergeben", wie US- Gesundheitsminister Tommy Thompson in seiner Rede erläuterte. Washington wird in dieser Haltung nur vom Vatikan und einigen islamischen Staaten unterstützt.

Bei einer UNICEF-Gala am Donnerstagabend überreichte der frühere Präsident Südafrikas und jetzige globale Kinderbeauftragte, Nelson Mandela, eine Petition von 94 Mill. Kindern und Erwachsenen. Darin werden die politischen Führer in aller Welt aufgefordert, Kinder an die oberste Stelle ihrer Überlegungen zu setzen, für die Erziehung und Bildung zu sorgen und die Ressourcen der Erde für die junge Generation zu bewahren. Die 94 Mill. Unterschriften waren im Rahmen der globalen Kampagne "Say Yes For Children" über ein Internetsystem gesammelt worden.

Derweil drohte der Nahostkonflikt am Freitag auch den Kindergipfel zu überschatten. 22 überwiegend islamische Länder einschließlich Kuba, Südafrika und Afghanistan wollten noch in den letzten Stunden eine Resolution durchdrücken, die Israel vorwirft, palästinensische Kinder vieler ihrer Grundrechte zu berauben. Außerdem wollten die Palästinenser ausdrücklich klar gestellt haben, dass Israel bei dem Gipfel nicht die Kinder im Westjordanland und Gazastreifen vertritt.

Der Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen, Ruud Lubbers, versprach einen Katalog neuer Regeln, die Kinder in Flüchtlingslagern vor sexueller Ausbeute durch Helfer bewahren sollen. Demnach werden die Lebensmittelrationen an junge Mädchen künftig nur noch von Helferinnen ausgegeben, sagte Lubbers vor Journalisten. Ein Bericht vom Februar hatte aufgedeckt, dass einige örtliche Angestellte von 40 privaten Hilfsorganisationen und UN-Agenturen in afrikanischen Flüchtlingslagern Nahrungsmittel nur gegen Liebesdienste ausgegeben hatten.

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