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Streit über den Import embryonaler Stammzellen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Entscheidung über die Förderung eines Bonner Forschungsprojekts verschoben, für das embryonale Stammzellen aus Israel eingeführt werden sollen.

rtr/afp BERLIN. Eine DFG-Sprecherin sagte am Dienstag, der DFG-Hauptausschuss sei der Empfehlung des Präsidiums gefolgt. Nun solle spätestens am 7. Dezember entschieden werden. Weitere Hauptausschussitzungen gebe es im August und im Oktober. Im Herbst soll nach Willen von SPD und Grünen der Bundestag über den künftigen Umgang mit embryonalen Stammzellen entscheiden.

Die Bonner Wissenschaftler wollen embryonale Stammzellen aus Israel importieren und daran Nervenkrankheiten erforschen. Die Herstellung dieser Zellen ist in Deutschland verboten, ihre Einfuhr und die Forschung damit aber nicht. Das Thema ist quer durch alle Parteien umstritten, da zur Herstellung der Zellen Embryos in der Größe weniger Zellen getötet werden. Manche Forscher versprechen sich von der Forschung an embryonalen Zellen neue Therapiemöglichkeiten für Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes.

Unionsfraktionen fordern weiterhin Importstopp

Die Fraktionen von CDU und CSU halten weiterhin an ihrem Plan für einen Importstopp für embryonale Stammzellen fest. Dies bekräftigte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Repnik, am Dienstag in Berlin. Über einen Antrag der Unionsfraktion auf ein Moratorium für den Import von Stammzellen aus dem Ausland soll am Donnerstag im Bundestag abgestimmt werden. Es sei in dieser Frage eine Zeit des "Innehaltens" nötig, bevor der Bundestag eine Grundsatzentscheidung fällt, sagte Repnik. Am Vorabend hatte sich die Regierungskoalition darauf geeinigt, den umstrittenen Import embryonaler Stammzellen für Forschungszwecke vorerst nicht zu verbieten und den Unionsantrag abzulehnen. SPD und Grüne wollen eine Neufassung des Embryonenschutzgesetzes erst nach der Bundestagswahl 2002 in Angriff nehmen, hieß es aus Koalitionskreisen.

In einem gemeinsamen Antrag an den Bundestag schlagen die Koalitionsparteien allerdings auch vor, dass sich der Bundestag noch in diesem Jahr mit der ebenfalls umstrittenen Stammzellenforschung befasst. Außerdem solle der Bundestag an alle Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen appellieren, dieser Entscheidung nicht durch die Schaffung vollendeter Tatsachen vorzugreifen.

Die Grünen-Fraktionschefin Kerstin Müller sagte im Rundfunksender WDR 5, es müsse erst ein "gesellschaftlicher Abwägungsprozess über diese komplizierten ethischen Fragen" stattfinden, bevor das Embryonenschutzgesetz geändert wird. "Das heißt, die Forschung an embryonalen Stammzellen bleibt verboten, deren Import aber nicht", stellte Müller klar. Auch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sprach sich gegen das von der CDU vorgeschlagene Moratorium aus. Genforschung sei notwendig, und der "Drang nach mehr Erkenntnis" könne nicht durch ein solches Moratorium eingeschränkt werden, sagte die Ministerin am Montagabend auf einer Diskussionsveranstaltung in Berlin.

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