Streit um angeblich fehlerhafte Beratung: AWD wieder auf Wachstumskurs

Streit um angeblich fehlerhafte Beratung
AWD wieder auf Wachstumskurs

Deutschlands zweitgrößter Finanzdienstleister AWD befindet sich nach einem deutlichen Gewinnrückgang im Vorjahr wieder auf Wachstumskurs. Ein wesentlicher Grund für die starken Zuwächse bereits im ersten Quartal ist die durch Zukäufe in Deutschland und Großbritannien vergrößerte Geschäftsbasis. Entsprechend bekräftigte AWD am Freitag seine Prognose für Zuwachsraten bei Umsatz und Ergebnis im zweistelligen Prozentbereich für 2003.

Reuters HANNOVER. Die anhaltenden Rechtsstreitigkeiten um fehlerhafte Beratung des AWD bei einem inzwischen nicht mehr vertriebenen Fonds könnten dem Unternehmen allerdings noch Belastungen bringen. Der AWD-Vorstand selbst gab sich aber optimistisch und verwies auf die bislang sehr unterschiedlichen Urteile.

"Wir erwarten keine ergebnisrelevanten Belastungen", sagte Finanzvorstand Ralf Brammer. Bislang gebe es 50 Klagen mit einem Schadensvolumen von 2,9 Mill. ?, keineswegs 400 Klagen wie am Vortag vom früheren Bundesinnenminister Gerhart Baum erklärt worden sei. Auch die Zahl von 200 neuen Klagen, die Baum und sein Anwaltspartner genannt hatten, entbehre jeder Grundlage. Nachprüfbar würden die Anwälte erst 30 Anleger vertreten. Die Kläger werfen AWD vor, nicht ausreichend über Risiken des Dreiländerfonds informiert zu haben. Der Fonds war in Schwierigkeiten geraten und hatte kaum Gewinne ausgeschüttet.

Es gebe bisher vier rechtskräftige Urteile zugunsten des AWD, acht Urteile gegen das Unternehmen, die noch angefochten würden, sagte Brammer. Bei außergerichtlichen Einigungen, an denen AWD weiterhin ein Interesse habe, seien bislang Gelder in Höhe von zusammen "unter einer Million Euro" gezahlt worden.

Ungeachtet dieser Rechtsstreitigkeiten, die bereits seit drei Jahren andauern, rechnet AWD trotz der Konjunkturschwäche 2003 mit einem guten Geschäftsverlauf. Für das erste Quartal verkündete das Unternehmen am Freitag ein voraussichtliches Umsatzplus von gut 15 % auf etwa 122 Mill. ?. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird den Angaben zufolge von 8,5 Mill. ? auf etwa 10,4 Mill. ?, die Ebit-Marge damit von 8,0 auf 8,5 % steigen.

Für das Gesamtjahr rechnet AWD mit einem Umsatzwachstum von 15 bis 20 % auf 530 bis 555 Mill. ? und einem operativen Ergebnis zwischen 45 Mill. und 51 Mill. ?. 2002 hatte AWD bei einem gut 20 % auf 463,3 Mill. ? gesteigerten Umsatz ein Ebit vor Sonderbelastungen von 37,2 Mill. ? erzielt. Nebenkosten für die Zukäufe in Deutschland (Tecis) und Großbritannien (Carrington Carr) belasteten das Ergebnis mit 24 Mill. ?. Deshalb ging der Jahresüberschuss um 61 % auf 16,9 Mill. ? zurück.

Gleichwohl bekräftigte AWD-Chef Carsten Maschmeyer den bisherigen Dividendenvorschlag von 0,50 ? je Aktie nach einer Rekorddividende von 0,70 ? im Jahr zuvor. Der Kurs der im MDax notierten AWD-Aktie stieg am Freitag, bedingt auch durch den bereits angekündigten Rückkauf von gut 75 000 Aktien, um gut zwei Prozent auf knapp unter elf Euro.

Grund für den guten Start in dieses Jahr ist nach Angaben Maschmeyers neben der vollständigen Einbeziehung von Tecis und Carrington Carr das Geschäftsmodell des von Banken und Versicherungen unabhängigen Finanzdienstleisters. Im ersten Quartal seien 45 000 neue Kunden gewonnen worden. "Dabei wachsen wir in Ländern außerhalb Deutschlands deutlich stärker", sagte Maschmeyer. Zusätzliche Akquisitionen seien vorerst nicht geplant, aber auch nicht völlig auszuschließen. Die geplante Ergebnisverbesserung sei vor allem auf das konzernweite Kostenreduzierungsprogramm zurückzuführen. Außerdem werde es 2003 kaum Sonderbelastungen geben. Laut Finanzvorstand Brammer soll der Jahresüberschuss 2003 auf 28 bis 32 ? steigen.

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