Streit um Bewertung von NCM
Deutsche Bank blockiert Gerling-Deal

Der Verkauf der Kreditversicherungstochter von Gerling an die Schweizer Rück schien unter Dach und Fach. Doch der Deal droht zu scheitern: Die Deutsche Bank stellt sich quer. Sie sieht ihre Interessen gefährdet.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Die Übernahme des Kreditversicherers Gerling-NCM durch die Schweizer Rück ist ins Stocken geraten. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, steht die Deutsche Bank einer Einigung zwischen den beiden Großaktionären des Kreditversicherers, Gerling und Schweizer Rück, im Wege. Die Situation ist offenbar so fest gefahren, dass das Problem nur noch unter Einbeziehung eines neutralen Investors zu lösen ist. Wegen der laufenden Verhandlungen waren weder Gerling noch die Deutsche Bank zu einer Stellungnahme bereit. Die Schweizer Rück lehnte es ab, sich zu diesen "Gerüchten" zu äußern.

Gerling-NCM rangiert mit einem Umsatz von 1,35 Mrd. Euro (2002) auf dem Weltmarkt an zweiter Stelle hinter der Allianz-Tochter Euler/Hermes. Die Kreditversicherung ist eine ausgesprochen europäische Domäne. Mit ihr sichern Firmen sich in der Hauptsache gegen Forderungsausfälle ihrer Kunden ab.

Stein des Anstoßes bei den aktuellen Verkaufsverhandlungen ist die Bewertung von Gerling-NCM. Der Wert des gesamten Kreditversicherers liegt heute zwischen 500 und 600 Mill. Euro, so die Finanzkreise. Das ist weit weniger, als Deutsche Bank, Gerling und die Schweizer Rück noch vor zwei Jahren bewilligt haben. Die Schweizer Rück, der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, und Gerling hatten 2001 ihre etwa gleich gewichtigen Kreditversicherungsgeschäfte zur Gerling-NCM zusammengelegt. Die Deutsche Bank hatte den Deal seinerzeit über Zweckgesellschaften mitfinanziert, um die Papiere später an die Börse zu bringen. Die schlechte Börsenentwicklung hat der Bank allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Rund 1 Mrd. Euro hatte man bei der Fusion als Wert zu Grunde gelegt.

Sowohl die Schweizer Rück als auch die hinter den Zweckgesellschaften stehenden Banken (maßgeblich die Deutsche Bank) sollen ein Verkaufsrecht an Gerling-NCM gegenüber der Gerling-Konzernholding haben - und zwar auf Basis dieser Bewertung von 1Mrd. Euro. Das würde Gerling derzeit aber finanziell überfordern. Der angeschlagene Industrieversicherungskonzern braucht selbst frisches Kapital. Gerling ist durch die Schieflage seiner Rückversicherungstochter in arge Finanznöte geraten und steht seit mehr als einem Jahr vergeblich zum Verkauf. Hinzu kommt, dass neben Gründerenkel Rolf Gerling (65,5 %) die Deutsche Bank 34,5 % am Kölner Gerling-Konzern hält. Diese Beteiligung soll bei der Bank noch mit rund 500 Mill. Euro in den Büchern stehen.

Gerling hat nun mit der Schweizer Rück einen so genannten Letter of Intend, also eine Absichtserklärung, über den Verkauf seiner 55,9 % an Gerling-NCM, unterzeichnet. Nach Informationen des Handelsblatts soll der Deal den Kölnern zwischen 200 und 250 Mill. Euro bringen. Das entspricht einer Gesamtbewertung von rund 400 Mill. Euro. Die Schweizer könnten so ihren durchschnittlichen Einstiegspreis bei Gerling-NCM deutlich verbilligen. Bei einem durchaus beabsichtigten Weiterverkauf des Kreditversicherers würde für sie dann womöglich noch ein Gewinn herausspringen.

Anders sieht die Rechnung für die Deutsche Bank aus: Das Verkaufsrecht ist praktisch wertlos, und der Weiterverkauf an einen Dritten brächte ihr mit ziemlicher Sicherheit einen Verlust ein. Das Problem: Keiner der Eigentümer ist wirklich an Gerling-NCM, dem einstigen Aushängeschild von Gerling, interessiert. Parallel zu den schwierigen Verhandlungen auf Aktionärsebene suchen Investmentbanken deshalb Investoren, die an Gerling-NCM interessiert sind, um eine Art Brücke zwischen Deutscher Bank und den Schweizern zu schlagen.

Erst am Montag stufte die Ratingagentur Moody?s das langfristige Rating von Gerling-NCM von "A1" auf "A2" herab. Als Grund nannte die Agentur hohe Kreditverluste in 2002. Hierdurch könnte der Kaufpreis für Gerling-NCM noch weiter fallen und damit den Interessenkonflikt zwischen der Schweizer Rück und der Deutschen Bank verschärfen.

Das Geld aus dem Anteilsverkauf will Gerling-Chef Björn Jansli dem Vernehmen nach in die hoch defizitäre Rückversicherungstochter stecken. Das soll die Liquidität der stillgelegten Gerling-Konzern Globalen Rückversicherungs-AG (GKG) stärken und die Finanzaufsicht milde stimmen. Die Aufseher blockieren derzeit den Verkauf der GKG, an dem die Existenz des gesamten Konzerns hängt.

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