Streit um Bürgschaften vom Staat
Kirch-Krise setzt Kickern zu

Die drohende Insolvenz der Kirch-Gruppe trifft die Bundesliga hart. Denn die Clubs haben die TV-Einnahmen fest verplant. Die ARD will nicht in die Bresche springen. Jetzt soll die Politik helfen.

DÜSSELDORF. Die Existenzkrise der Kirch-Gruppe droht die Bundesliga in ihren Grundfesten zu erschüttern. Denn die von Kirch gekauften Übertragungsrechte sind schon längst die Haupteinnahmequelle der Vereine. Bei einer Kirch-Pleite würde diese Quelle versiegen. ARD und ZDF erklärten am Donnerstag übereinstimmend, dass sie die Rechte nicht übernehmen wollen - zumindest nicht zu Kirchs Preisen. Derzeit sprechen die Clubs über staatliche Bürgschaften von Bund und Ländern für die 1. und 2. Fußball-Bundesliga für den Fall einer Insolvenz der mit mindestens 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Kirch-Gruppe. Sowohl die Bundesregierung als auch Nordrhein-Westfalen sind dazu bereit. Hingegen sprechen sich Rheinland-Pfalz und Bremen gegen staatliche Kredit-Garantien aus.

Von ARD und ZDF kommt für die Clubs keine schnelle Unterstützung. "Die Bundesligarechte sind für uns natürlich verlockend. Doch das Geld dafür ist ganz einfach nicht da", erklärte ARD-Sprecher Rüdiger Oppers. "Für das ZDF ist der Erwerb von Erstausstrahlungsrechten an der Fußball-Bundesliga kein Thema", hieß es in Mainz. Das ZDF sei mit den Zweitrechten für das "Sportstudio" gut bedient.

Weder ARD noch RTL waren bisher bereit, sich auf die von Kirch gezahlten gigantischen Beträge einzulassen. In Branchenkreisen ist längst von "Mondpreisen" die Rede, obwohl in Deutschland nicht die höchsten Summen gezahlt werden (siehe Grafik). Jetzt scheinen die Preise zu bröckeln. "Die gigantischen Steigerungsraten der letzten Jahre lassen sich nicht mehr fortsetzen", warnt Michael Amsinck, Chef von Sport A, der Vermarktungstochter von ARD und ZDF. "Die hohen Preise für die Bundesligarechte werden der Vergangenheit angehören, aber nicht für die Weltmeisterschaft", ist sich auch Analyst Marc Rhöder von HSBC Trinkaus & Burkhardt sicher. In der Saison 2000/2001 überwies Kirch rund 355 Mill. Euro an die Bundesliga-Vereine für die Übertragungsrechte im Free- und Pay-TV. Insgesamt hatte die Kirch-Gruppe, die im Sportrechtegeschäft zu 80 % ihren Umsatz mit dem Fußball macht, 1,53 Mrd. Euro von 2000 bis 2004 mit der Bundesliga vereinbart.

Die ARD beteuert trotz der Absage jedoch ihr Interesse an den Bundesligarechten, um die "Sportschau" wieder zu beleben. Schon in den nächsten Tagen will ARD-Intendant Fritz Pleitgen, der bereits seinen Urlaub auf Usedom unterbrochen hat, mit dem neuen ZDF-Intendanten Markus Schächter über die weitere Strategie sprechen. Derzeit wird die Bundesliga vom defizitären Kirch-Sender Sat 1 übertragen.

Unterdessen bangen ARD und ZDF um die technische Übertragung der Spiele der Fußball-WM in Südkorea und Japan in sechs Wochen. Denn die exklusive Abwicklung in den Stadien übernimmt die 100-prozentige Kirch-Media HBS AG. -Tochter Bei den Vertragspartnern von Kirch mehren sich die Bedenken, dass die HBS in den Insolvenzstrudel gezogen werden könnte. Damit wäre die Übertragung der Spiele ernsthaft gefährdet. Offiziell hieß es von ARD und ZDF nur: "Die Berichterstattung der WM 2002 ist gesichert." ARD, ZDF und die europäische Fernsehorganisation EBU diskutierten in einer Konferenz bereits das Schreckensszenario ausführlich. Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, haben ARD und ZDF etwa 62 Mill. Euro an Kirch für die Berichterstattung in Asien gezahlt. Der Gesamtpreis beträgt 128 Mill. Euro. Weitere 51 Mill. Euro werden überwiesen, wenn die WM 2006 in Deutschland gesichert ist.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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