Streit um Debit-Karten
Klagewelle belastet Visa und Mastercard

Die langwierige Auseinandersetzung mit den amerikanischen Einzelhändlern ist für die Kreditkartenkonzerne Mastercard International und Visa International trotz eines milliardenschweren Vergleichs noch nicht ausgestanden. Nach Informationen des Handelsblatts kommt auf die Konzerne eine weitere Klagewelle von Einzelhändlern zu, die an dem jetzigen Vergleich nicht beteiligt waren und nun Schadensersatzansprüche angemeldet haben.

FRANKFURT/M. Die Einzelhändler wehren sich dagegen, zusätzlich zu den Kreditkarten der Unternehmen auch deren Guthabenkarten (Debit-Karte) akzeptieren zu müssen. "Da stehen uns und Visa noch einige Klagen ins Haus", fürchtet ein Mastercard-Manager. Branchenkenner rechnen mit nochmals 100 Mill. Euro an Schadensersatzzahlungen allein für Mastercard.

Der jetzige außergerichtliche Vergleich in New York mit dem Handelsriesen Wal-Mart und den übrigen Einzelhändlern kostet Visa rund 2 Mrd $. Etwas günstiger kommt Konkurrent Mastercard weg, der 1 Mrd. $ zahlen muss. Davon werden jeweils 25 Mill. $ sofort überwiesen; den Rest können Visa und Mastercard innerhalb von zehn Jahren abstottern.

Die Einzelhändler hatten bereits 1996 geklagt, von Visa und Mastercard zur Akzeptanz der Debit-Karten beider Unternehmen gezwungen zu werden. Debit-Karten sind vergleichbar den deutschen EC-Karten. Visa und Mastercard hatten den Einzelhändlern nur dann die Akzeptanz ihrer weltweit verbreiteten Kreditkarten gestattet, wenn diese auch die Debit-Karten der Konzerne annahmen. Die Händler hätten dagegen eigene Kundenkarten oder Debit-Karten von Anbietern mit geringeren Gebühren bevorzugt.

Von August an wollen Visa und Mastercard die Konditionen für ihre Debit-Karten ändern. Zudem können Einzelhändler künftig die Kreditkarten beider Unternehmen akzeptieren, ohne auch die Debit-Karten der Kreditkarten-Riesen annehmen zu müssen.

Beide Unternehmen sahen sich nach Angaben ihrer Anwälte zu der außergerichtlichen Einigung gezwungen. Denn Fachleute hatten bei einer Verurteilung mit bis zu 45 Mrd. $ Strafe und Schadensersatz gerechnet. Dass auch die Gegenseite so bereitwillig auf den Vergleich mit den sehr viel niedrigeren Beträgen eingingen, begründen Insider mit der Furcht vor Zahlungsschwierigkeiten bei den Kreditkartengesellschaften. "Die wollten die Kuh, die Milch gibt, nicht schlachten", erklärte ein Mastercard-Verantwortlicher.

Der Nettogewinn von Mastercard war im vergangenen Jahr von 142 Mill. Euro auf 116,4 Mill. Euro gesunken.

Visa hat noch keine Gewinnzahlen veröffentlicht. Verbraucher nutzten Visakarten im Jahr 2002 für Einkäufe im Wert von 2,5 Bill. $. Das waren 15 % mehr als im Vorjahr.

Die Anklage vor dem Gericht in New York war aber nicht der erste Erfolg von Verbrauchern gegen die Kreditkartenkonzerne. Erst Anfang April hatte der kalifornische Gerichtshof die Geschäftspraxis der beiden Konzerne beanstandet. Die Unternehmen hätten gegen die Wettbewerbsgesetze des Bundesstaats Kalifornien verstoßen, indem sie für Einkäufe und Zahlungen ihrer Kunden im Ausland Wechselkursgebühren erhoben hätten, befand das Gericht. Die genaue Schadenssumme hat das Gericht noch nicht festgesetzt. Die Rede war von rund 800 Mill. $. Die Kreditkartenorganisationen Visa und Mastercard haben Berufung gegen das Urteil angekündigt.

Da das Urteil von einem kalifornischen Gericht ausgesprochen wurde, haftet Mastercard nur für von kalifornischen Banken ausgegebene Mastercard-Kreditkarten, so dass die Schadenssumme begrenzt sein dürfte. Stärker betroffen ist der Konkurrent Visa. Der Konzern hat sein Hauptquartier in Kalifornien, so dass das Urteil auf alle in den Vereinigten Staaten ausgegebenen Visa-Karten angewendet werden könnte.

Die europäischen Töchter von Mastercard müssen sich indes keine Sorgen machen, für die Probleme der Mutterkonzerne in den USA mithaften zu müssen. "Die europäische Kartenorganisation übernimmt nach den bei der Fusion zwischen Europay S.A. (Eurocard) und Mastercard International getroffenen Vereinbarungen nicht die Haftung für Rechtsstreitigkeiten in den USA", heißt es in einer Erklärung der Euro-Kartensysteme.

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