Streit um die Verteilung des milliardenschweren Reklamekuchens auf den Münchener Medientagen
Stoiber für weniger Werbung bei ARD ZDF

Unterstützt von den privaten TV-Konzernen fordert Bayerns Ministerpräsident einen Rückzug von ARD und ZDF aus dem kriselnden Fernsehmarkt. Ansonsten sei die Balance zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen in Gefahr.

MÜNCHEN. Zur Eröffnung der Münchener Medientage - dem wichtigsten Branchentreff in Deutschland - trat sowohl Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) als auch der oberster bayerische Medienwächter, Wolf-Dieter Ring für eine Beschränkung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Initiative wird von den beiden Fernsehkonzernen RTL Group und Pro Sieben Sat 1 Media unterstützt. "In England funktioniert das öffentlich-rechtliche Fernsehen ohne Werbung. Es wird auch hier funktionieren", sagte RTL-Chef Gerhard Zeiler bei der Auftaktveranstaltung. Urs Rohner, Vorstandschef der Pro Sieben Sat 1, warf insbesondere der ARD vor, mit ihren Gebührengeldern die Preise für Sportrechte wie zuletzt bei der Bundesliga hochzutreiben. 20 Mill. Euro hätte Sat 1 durch den Bieterwettbewerb mit der ARD mehr bezahlen müssen.

Werbung ist eine "Vitalisierungsmöglichkeit"

ARD und ZDF wollen hingegen von einer Einschränkung der Werbung nichts wissen. ZDF-Intendant Markus Schächter sagte: "Die Werbung ist für uns eine Vitalisierungsmöglichkeit." Nur durch die Einnahmen aus TV-Spots und Sponsoring sei es möglich, teure Rechte wie für die Fußball-WM 2006 in Deutschland zu kaufen. Auf Einnahmen will Schächter keinesfalls verzichten. Vielmehr sieht der Mainzer Chef weiteren Finanzbedarf. Schließlich will er das ZDF aus dem Daseins eines Ein-Kanal-Senders herausführen. Auch Fritz Pleitgen, ARD-Vorsitzender und WDR-Intendant, meldet seinen Protest an. Für eine Verzicht auf die Werbemilliarden sieht er keine Möglichkeiten. Die ARD könne weder auf klassische Werbung noch auf Merchandising verzichten.

Handlungsdruck für die Medienpolitik wächst

Die privaten TV-Sender leiden derzeit unter der größten Werbekrise seit der Einführung des privaten Fernsehens. Nach einer Studie des Baseler Marktforschungsunternehmens Prognos, die am Donnerstag in München vorgestellt wird, sinken die Investitionen in die Fernsehwerbung in diesem Jahr um 8,2 %. Demnach sinken die Netto-Werbeeinnahmen um 365 Mill. Euro. Schon seit Monaten drücken die Sender durch Personalabbau und Programmeinsparungen auf die Kostenbremse. In diesem Jahr wird nach Branchenschätzungen die privaten Sender in Deutschland 4,270 Mrd. Euro einnehmen.

Hingegen ARD und ZDF haben aus Gebühren und Werbung 7,934 Mrd. Euro zur Verfügung. Nach Auffassung der Pro Sieben Sat 1 Media sei eine "echte Schieflage" entstanden. Stoiber versprach gestern die "Spielräume für die Privaten" auszunutzen. In der nächste Wochen soll die Diskussion um eine Einschränkung der Werbung für ARD und ZDF auch Thema eines Treffens der Ministerpräsidenten werden. Stoiber betonte, dass er Sympathie für ein Werbeverbot bei ARD und ZDF hege. Auf Widerstand gegen solche Pläne kann sich Stoiber auch im Freistaat gefasst machen. Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Thomas Gruber, warnte: "Solche Pläne führen zu einem Monopol der Rundfunkwerbung durch die Privaten.

Werbestreit entzündete sich bereits im letzten Jahr

Bereits im letzten Jahr entzündete sich zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen ein Werbestreit. Damals war der E-Commerce der Zankapfel. Der Münchener Verleger Hubert Burda, Präsident des Verbandes deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ), wandte sich gegen den Verkauf beispielsweise von Bratpfannen im Internet durch den WDR. Seit langem streitet die TV-Branche darüber , ob ARD und ZDF "ausschließlich" oder nur "überwiegend programmbegleitende" Onlinedienste anbieten dürfen. Angesichts der roten Zahlen bei der privaten Konkurrenz fordern die Verleger eine Einschränkung für ARD/ZDF im Rundfunkstaatsvertrag.

Quelle: Handelsblatt

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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