Streit um EU-Subventionen für Meyer-Werft
Meyer-Werft dementiert drohende Krise

Die Meyer-Werft hat einen Medienbericht über eine drohende Existenzkrise dementiert, falls die EU-Kommission ihr Veto gegen geplante Subventionen einlegen sollte.

Reuters PAPENBURG. Wenn Brüssel die Subventionen für den Bau eines Kreuzfahrtschiffes tatsächlich streichen sollte, würde das den Erlös zwar deutlich schmälern, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Die Werft im niedersächsischen Papenburg mit 2 500 Beschäftigten wäre damit aber keineswegs gefährdet.

Die Werft reagierte damit auf einen Bericht des "Handelsblatt" über Bedenken in der EU-Kommission gegen die geplanten staatlichen Beihilfen für den Bau des Kreuzfahrtschiffes "Jewels of the Seas". Falls das Geld gestrichen werde, stehe die Existenz der Werft auf dem Spiel, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Branchenkreise.

Hintergrund ist ein Antrag der Bundesregierung bei der EU-Kommission, die Subventionen über Ende 2003 ablaufende Frist für Wettbewerbshilfen an Werften hinaus zu gewähren. Das für die US-Reederei Royal Caribbean International geplante Luxusschiff solle auf deren Wunsch ein halbes Jahr später als vorgesehen im Frühjahr 2004 ausgeliefert werden, bestätigte die Meyer-Werft. Die Reederei habe dies mit den vorübergehenden Einbußen in der Kreuzschifffahrt nach den Anschlägen vom 11. September begründet. Nach der 2000 geänderten EU-Schiffbauverordnung werden nur noch bis Ende 2003 Subventionen an Werften gewährt.

Allerdings verwiesen Meyer-Werft und Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag auf die Ausnahmebestimmungen der Verordnung. Dort heißt es, die Frist könne verlängert werden bei Verzögerungen von Bauvorhaben, "die auf außergewöhnliche, unvorhersehbare und von dem Unternehmen nicht zu verantwortende Umstände zurückzuführen sind". Auf Grund dieser Regelung habe die Bundesregierung den Antrag der Meyer-Werft an die EU-Kommission weitergeleitet, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin.

Nach Angaben des "Handelsblatt" will EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti die Marktstörung durch den 11. September nur für die Reedereien gelten lassen, nicht aber für Werften. Diese Haltung sei allerdings in der EU-Kommission umstritten, berichtet die Zeitung. Von der EU-Kommission war am Dienstag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Papenburger Werft wollte zur konkreten Höhe der beantragten Subventionen keine Angaben machen. Die Werftbeihilfen betragen in Deutschland sieben Prozent der Investitionssumme. In Branchenkreisen wird für die "Jewels of Sea" ein Preis von rund 350 Millionen Euro genannt. Demnach würde die Meyer-Werft knapp 25 Millionen Euro zu zwei Dritteln vom Bund und zu einem Drittel vom Land Niedersachsen erhalten. Die "Handelsblatt"-Spekulation über eine drohende Existenzkrise sei "starker Tobak", sagte der Meyer-Sprecher. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität unternommen. Die Meyer-Werft gehört zu den weltweit vier führenden Herstellern von großen Kreuzfahrtschiffen und befindet sich in Familienbesitz.

Royal Caribbean hat bei Meyer im Jahr 2000 insgesamt vier baugleiche Kreuzfahrtschiffe von je 90.000 Bruttoregistertonnen geordert. Eines wurde bereits 2001 ausgeliefert, das zweite ist für 2002 geplant, das dritte für 2003. Lediglich für das vierte Schiffe werde sich die Auslieferung über das reguläre Ende der Subventionsfrist hinaus verschieben, sagte der Meyer-Sprecher.

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