Streit um FDP-Spitze
Kommentar: Westerwelle in der Defensive

Muss Guido Westerwelle jetzt als FDP-Generalsekretär zurücktreten, wenn er im Mai nächsten Jahres gegen Parteichef Wolfgang Gerhardt antreten will? Schließlich sollte der Generalsekretär jederzeit das Vertrauen seines Vorsitzenden genießen, auf dessen Vorschlag er ja immerhin gewählt wurde. Ist es deshalb nicht recht und billig, wenn einflussreiche Mitglieder des FDP-Präsidiums nun den agilen Generalsekretär ultimativ auffordern, sich bis zum nächsten Drei-Königs-Treffen der Liberalen zu erklären?

Die einander belauernden und befehdenden Parteigranden haben es geschafft, im Dauermachtkampf um den Chefsessel der FDP dem aussichtsreichsten Kandidaten auf trickreiche Weise ein Bein zu stellen: Westerwelle, der Fragen nach seinen Ambitionen auf den Parteivorsitz bislang stets mit beredtem Schweigen beantwortete, hat übertaktiert und wird wohl einen Rückzieher machen müssen. Träte der agile FDP-Manager nämlich jetzt schon offen gegen Gerhardt an, geriete er bis zum Parteitag im Mai hoffnungslos in die Defensive: Von Stund an gälte Westerwelle als Störer der Wahlkämpfe in Stuttgart und Mainz, als "Königsmörder" des Vorsitzenden und als Generalsekretär auf Abruf. Und weil in dieser Lage alles verspielt, aber kaum etwas gewonnen werden kann, wird Westerwelle wohl weiter warten müssen. Für die FDP ist das kein Vorteil: Der absurde Personalstreit geht weiter.



Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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