Streit um französischen Rückstand bei Vorbereitung auf die Gemeinschaftswährung
Regierung in Paris sieht erste Erfolge der Euro-Kampagne

Die Vorbereitung vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen Frankreichs auf die Euro-Einführung kommt nur schleppend voran. Ein Drittel der Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten habe nicht einmal mit den Vorarbeiten begonnen, stellte der Arbeitgeberverband Medef jetzt fest.

15.3.2001 ebo PARIS. "Frankreich ist das Land, in dem die Verantwortlichen am meisten für die Euro-Einführung tun, doch wo in der Praxis am wenigsten passiert." So fasste ein Brüsseler EU-Beamter zu Jahresbeginn die paradoxe Lage in Frankreich zusammen. Im Kern hat sich seither nicht viel verändert: Die Regierung hat zwar eine umfangreiche Werbekampagne lanciert, um Verbraucher und Unternehmen für die nahende Euro-Einführung zu sensibilisieren. Seit einigen Wochen wirbt ein junges Mädchen namens Lise auf Plakaten und in Fernsehspots für die neue Währungseinheit. Um die Unternehmen zu motivieren, wollen die Arbeitgeber nun eine eigene Kampagne starten.

Gleichzeitig hat auch ein Streit um die Schuld für die Verzögerung begonnen. Die Regierung sei schuld, sagte Arbeitgeber-Vizepräsident Denis Kessler. Abgesehen vom Pariser Finanzministerium hätten weder Ministerien noch die Gebietskörperschaften für den Euro mobilisiert. Erschwert werde die Vorbereitung zudem durch die Einführung der 35-Stunden-Woche, die in kleinen Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten im Januar 2002 erfolgt und damit just mit der Währungsumstellung zusammenfällt.

Im Pariser Finanzministerium hingegen weist man die Kritik der Arbeitgeber zurück. Schließlich hat Finanzminister Laurent Fabius bereits vor einem Monat eine gezielte Werbekampagne für die Unternehmen vorgestellt. Zahlreiche Verbände und Unternehmen haben bei dieser Gelegenheit gemeinsam mit der staatlichen Administration eine "Mobilisierungs-Charta" für die Euro-Einführung unterzeichnet. Seither seien Erfolge zu verzeichnen, betont Fabius. Spürbar verbessert hat sich vor allem die Nutzung des Euros per Scheck und mit elektronischen Zahlungsmitteln.



Private Wirtschaft macht Fortschritte

Die Zahl der Transaktionen in Euro stieg von 1,7 Millionen im Dezember 2000 auf 6 Millionen im Januar, was mehr als eine Verdreifachung bedeutet. Zu einem Großteil ist dieser Sprung auf die Umstellung der Strom- und Gasrechnungen der staatlichen Konzerne EDF und GDF auf den Euro zu danken, die am 1. Januar erfolgte. Aber auch die private Wirtschaft macht Fortschritte. So deklarierten im Februar 20000 Unternehmen ihre Mehrwertsteuer gegenüber dem Finanzamt in Euro - doppelt so viele wie im Januar.

Arbeitgeber-Vize Kessler malt trotzdem weiter schwarz. Sollte die Euro-Vorbereitung weiter so schleppend vorangehen, so sei dies mit großen Risiken behaftet. Wenn der Staat unzureichend informiere, dann könne die Euro-Einführung zum "politischen Risiko werden". Schon jetzt werde der Verzicht auf den 642 Jahre alten Franc von der Öffentlichkeit negativ aufgenommen, so Kessler. "Wenn das so weiter geht, könnten sich die Bürger am Ende gegen den Euro wenden."

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