Streit um Hilfe-Verteilung im Sonderfonds
Hoffnung im Kampf gegen Elbeflut

Im Kampf gegen das Elbe-Hochwasser wächst die Hoffnung, weitere Überschwemmungen in Norddeutschland abwenden zu können. Die Pegel in den bedrohten Gebieten stagnierten am Freitag oder gingen stellenweise zurück. Die Lage blieb allerdings angespannt, weil wegen des tagelangen Wasserdrucks gegen die aufgeweichten Deiche vielerorts Dammbrüche befürchtet werden.

ddp LUDWIGSLUST/WITTENBERGE. In der Politik zeichnete sich unterdessen ein Streit über die Verteilung der Mittel im Sonderfonds für die Hochwasseropfer ab. Die Regierungschefs von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Georg Milbradt und Wolfgang Böhmer (beide CDU), kritisierten die vorgeschlagene Aufteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, stellten sich aber prinzipiell hinter den Fonds.

Milbradt forderte jedoch eine Überprüfung. Der Bund hole sich den "Löwenanteil" aus dem Fonds, obwohl er am wenigsten betroffen sei. Sein Amtskollege in Sachsen-Anhalt, Böhmer, bezeichnete die Verteilung der Mittel als "problematisch". Bisher gebe es überhaupt keine konkrete Übersicht über die Zerstörungen und die Schäden. FDP-Chef Guido Westerwelle hingegen hält die Finanzierung des Sonderfonds von fast zehn Milliarden Euro für einen «ganz großen Fehler».

In den von der Flut heimgesuchten Gebieten Norddeutschlands blieb die Lage angespannt. Die Wasserstände verharrten nach Auskunft der Krisenstäbe fast überall auf hohem Niveau. Im mecklenburgischen Dömitz wie im elbabwärts gelegenen Boizenburg hielten die Deiche aber dem Wasserdruck weitgehend unbeschadet stand.

Im niedersächsischen Amt Neuhaus am Elbostufer mussten 500 Helfer von Feuerwehr und Bundeswehr eine Schwachstelle am Deich eindämmen. Im niedersächsischen Hitzacker verharrte der Elbepegel konstant bei 7,49 Meter. Die Innenstadt ist nach wie vor überflutet. Im schleswig-holsteinischen Lauenburg lag der Pegel stabil bei 8,66 Meter. Der Scheitelpunkt sei im wesentlichen erreicht, sagte ein Sprecher. Alle Sicherungsmaßnahmen an den Deichen seien abgeschlossen. Die Einsatzkräfte stünden jetzt in Bereitschaft.

In der von der Elbeflut bedrohten Prignitz in Brandenburg sank das Wasser unterdessen weiter. In Wittenberge wurde am Freitagmorgen ein Pegel von 7,08 Metern gemessen, sagte eine Sprecherin des Krisenstabes. Das seien acht Zentimeter weniger als Donnerstagmittag gewesen. Da die Dämme sehr weich seien, könne allerdings noch keine Entwarnung gegeben werden. Nach jüngsten Berechnungen müssen die Dämme noch etwa 14 Tage lang dem Druck des Hochwassers standhalten.

In Sachsen-Anhalt stabilisierte sich die Situation weiter. In der Nacht zum Freitag wurde nach fünf Tagen die rund 120 Meter lange Lücke im Deich bei Seegrehna zu großen Teilen geschlossen, wie ein Sprecher des Krisenstabes sagte. Bundeswehrhubschrauber hätten große Behälter mit Sandsäcken abgeworfen. Damit sei die unmittelbare Gefahr für den Wörlitzer Park und die Autobahn A 9 vorerst gebannt. Der Katastrophenalarm wurde in den betroffenen Landkreisen und Städten jedoch bisher nicht aufgehoben. Rund 30 000 Menschen sind immer noch evakuiert. So lange die Wasserstände nicht unter die dritte Warnstufe fallen, bestehe ein ernsthaftes Risiko, sagte Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU).

Die Welle der Solidarität mit den Flutopfern hält derweil an. Im Rahmen des am Donnerstagabend im ZDF ausgestrahlten Benefiz-Konzertes "Wir wollen helfen" kamen allein bis Mitternacht 6,4 Millionen Euro an Spendenzusagen zusammen. Intendant Markus Schächter versicherte: "Wir werden nicht nachlassen, weitere Aktionen zu initiieren, um den betroffenen Mitbürgern zu helfen."

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