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Streit um Kostensenkungen: Fronten bei Daimlerchrysler verhärtetDPA-Datum: 2004-07-13 16:02:59

(dpa-AFX) Stuttgart - Die Fronten im Streit um Kostensenkungen an Daimlerchrysler-Standorten < DCX.ETR > in Baden-Württemberg haben sich verhärtet. Die Betriebsräte des Auto-Konzerns machten am Dienstag bei den in Stuttgart fortgesetzten Verhandlungen über das Kostensenkungsprogramm deutlich, dass sie sich "nicht erpressen" lassen. Das erklärte Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Erich Klemm. Mit der Drohung, die Produktion der künftigen C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen oder Südafrika zu verlagern, wenn nicht 500 Millionen Euro eingespart würden, überziehe der Konzern, sagte Klemm.

(dpa-AFX) Stuttgart - Die Fronten im Streit um Kostensenkungen an Daimlerchrysler-Standorten < DCX.ETR > in Baden-Württemberg haben sich verhärtet. Die Betriebsräte des Auto-Konzerns machten am Dienstag bei den in Stuttgart fortgesetzten Verhandlungen über das Kostensenkungsprogramm deutlich, dass sie sich "nicht erpressen" lassen. Das erklärte Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Erich Klemm. Mit der Drohung, die Produktion der künftigen C-Klasse von Sindelfingen nach Bremen oder Südafrika zu verlagern, wenn nicht 500 Millionen Euro eingespart würden, überziehe der Konzern, sagte Klemm.

Die weiteren Gespräche seien durch die Forderungen der Konzernführung "schwer belastet", hieß es von Seiten des Betriebsrates. Mit Blick auf die vom Vorstand geforderte Abschaffung von Sonderregelungen wie der "Steinkühler-Pause" und einer Reduzierung der Spät- und Nachtzuschläge sagte Klemm: "Ein Eingriff in den Flächentarifvertrag lehnen wir ab." Derzeit herrsche ein Klima zwischen Unternehmen und Belegschaft, "wie man es sonst nicht kannte".

Klemm verwies auf die Angebote des Betriebsrats bei den Gesprächen mit der Konzernspitze, um die künftige C-Klasse-Produktion in Sindelfingen zu erhalten. So sei die Belegschaft bereit, im Rahmen der Umsetzung des Entgeltrahmentarifvertrages (ERA) auf rund 180 Millionen Euro zu verzichten. Auch der Mehrarbeit von Mitarbeitern in Forschung, Entwicklung und Produktionsplanung auf 40 Stunden bei einem Lohnausgleich habe der Betriebsrat zugestimmt. Außerdem sei der Betriebsrat einverstanden, dass Auszubildende nach Ende ihrer Lehre in einer eigens dafür gegründeten Gesellschaft flexibel in den unterschiedlichen Werken eingesetzt werden könnten.

Bei der IG Metall in Baden-Württemberg und den Betriebsräten liefen unterdessen die Vorbereitungen für den "Aktionstag" der Arbeitnehmer am Donnerstag auf Hochtouren. "Der Daimler-Vorstand kann sich auf einen massiven Protest gefasst machen", kündigte ein Betriebsrat an. Alle Beschäftigten in den Pkw- und Nutzfahrzeugwerken sind aufgerufen, am Donnerstag "mit sichtbaren Aktionen" in die Öffentlichkeit zu gehen. Klemm selbst will auf einer Kundgebung in Sindelfingen reden. In den Pkw- und Nutzfahrzeugwerken der Daimlerchrysler AG in Deutschland arbeiten 160 000 Menschen.

Falls in den deutschen Pkw- und Nutzfahrzeugwerken nicht 500 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden, stehen nach Aussage des Konzerns 6000 Arbeitsplätze in Sindelfingen zur Disposition. Mercedes-Pkw-Chef Jürgen Hubbert hatte am Montag mit Blick auf die Mercedes-Werke in Baden-Württemberg von "gravierenden Kostennachteilen" gegenüber anderen Tarifgebieten in Deutschland gesprochen. Dazu zählte er insbesondere die "Steinkühler-Pause" von fünf Minuten pro Stunde sowie Spätschicht-Zuschläge von 15 Prozent im Südwesten schon von mittags 12.00 Uhr an. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "baden-württembergischen Krankheit".

Auch der Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) Dieter Hundt, hält die vor 30 Jahren für die Metaller im Südwesten vereinbarte "Steinkühler-Pause" für überholt. Der designierte Präsident des Bundesverbandes der deutschen Maschinenbauer (Vdma) Dieter Brucklacher sieht in der Tarifpolitik ein Haupthindernis für weiteres Wachstum. Auch er forderte die Abschaffung der Steinkühler- Pause. Wegen der heutigen Produktionsmethoden sei diese Pause nicht mehr zeitgemäß. In seinem eigenen Unternehmen habe er zusammen mit dem Betriebsrat diese Pausenregelung abgeschafft. Die IG Metall habe das letztlich akzeptieren müssen.

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