Streit um Mindestbeitragssätze
Teure Krankenkassen sollten sich an die eigene Nase fassen

Ersatzkassen und Ortskrankenkassen wären besser beraten, ihre Verwaltungskosten zu senken, statt gegen die günstigen Beiträge der Betriebskrankenkassen zu kämpfen.

Ab dem nächsten Jahr sollen alle Betriebskrankenkassen einen Beitragssatz von mindestens 12,5 Prozent kassieren. Für die Ersatzkassen - wie die Techniker Krankenkasse (TK), die Barmer Ersatzkasse oder die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) - und für die Ortskrankenkassen ist das kein Problem. Ihre Beitragssätze liegen ohnehin deutlich über 12,5 Prozent. Der Vorstoß richtet sich gegen die Betriebskrankenkassen, die mit Beiträgen unter 12 Prozent locken, manchmal unter 11 Prozent, also gegen die Krankenkassen mit einer oftmals vorteilhaften Risikostruktur, in der sich angeblich nur Yuppies tummeln.

Gerne lassen die Kritiker dabei einen wichtigen Aspekt außer Acht. Bei vielen Betriebskrankenkassen handelt es sich um Direktversicherungen ohne Geschäftsstellen, ohne teuren Briefverkehr und ohne überflüssige Mitgliederzeitschrift, die ohnehin oft genug ungelesen ins Altpapier wandert. Der Apparat ist nicht so aufgebläht, die Kosten sind reduziert und deswegen können die Beitragssätze moderat bleiben.

Dagegen haben die Ersatzkassen in der Regel einiges an Informationsbroschüren im Repertoire. Die Techniker-Krankenkasse (TK) zum Beispiel schickt auf Wunsch ein Heft zu, in dem alles über die nicht gesundheitsschädliche Organisation des Büroalltags steht. Darin erfährt man, ob man sich den Arbeitstag richtig einteilt, wie man auf Stress reagiert, auf Mobbing oder Arbeitsüberlastung. Die Broschüre enthält einiges Interessantes. Vieles weiß man zwar schon, wenn man jeden Tag einen Büroalltag organisieren muss. Vieles könnte aber neu sein, wenn man bislang allzu unbedacht durchs Leben gegangen ist.

Es stellt sich daher weniger die Frage, ob eine solche Broschüre sinnvoll ist - das muss jeder für sich entscheiden. Auch die Frage, ob die TK eine solche Broschüre produzieren und in Umlauf bringen sollte, ist zu bejahen. Prävention und Aufklärung gehört zu den Aufgaben einer "Gesundheitskasse", wie sich einige gesetzliche Krankenkassen euphemistisch nennen.

Vielmehr stellt sich die Frage, ob eine Krankenkasse solche Broschüren verschenken und versandkostenfrei zustellen sollte. Wer ernsthaft Anleitungen zur Bewältigung des Berufsalltags sucht, wird auch bereit sein, dafür ein paar Mark zu zahlen. Das könnte dazu beitragen, die Beiträge der Ersatzkassen zu senken, statt auf politischem Wege für eine Beitragserhöhung der unliebsamen Konkurrenz bei den Betriebskrankenkassen zu kämpfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%