Streit um neuen Entgelttarifvertrag: IG Metall baut erste Kompromisslinien auf

Streit um neuen Entgelttarifvertrag
IG Metall baut erste Kompromisslinien auf

In den Tarifkonflikt der Metallindustrie kommt Bewegung. Die IG Metall hat Bedingungen genannt, unter denen sie den Arbeitgebern bei der Laufzeit des Tarifvertrags entgegenkommen könnte. Den Einstieg in ein gemeinsames Vergütungssystem für Arbeiter und Angestellte will sie über mehrere Jahre strecken.

huh BERLIN. Die IG Metall hat erstmals die Bereitschaft zu Kompromissen signalisiert. Ihr Zweiter Vorsitzender Jürgen Peters sagte, die Gewerkschaft gehe zwar mit der Forderung nach einem zwölfmonatigen Tarifvertrag in die Verhandlungen, doch sei ein längerfristiger Abschluss nicht unmöglich. Gesamtmetall strebt mindestens 24 Monate an. Für den Arbeitgeberverband sind längere Laufzeiten von großem Interesse. Denn sie erlauben es, trotz einer optisch hohen Lohnzahl die Kostenbelastung für die Unternehmen in Grenzen zu halten.

Allerdings verlangte Peters, die Arbeitgeber müssten im Gegenzug den Kündigungsschutz und die Arbeitszeit in Ostdeutschland an das Westniveau angleichen. In den neuen Ländern arbeiten die Metaller mit 38 Wochenstunden drei Stunden länger als ihre westdeutschen Kollegen. Diese Regelung läuft im Frühjahr 2003 aus. Die Arbeitgeber pochen bisher auf ihre Verlängerung.

Auch bei ihrer Forderung nach einem einheitlichen Vergütungssystem für Arbeiter und Angestellte signalisierte die IG Metall Entgegenkommen. Der Einstieg in das neue System könne über mehrere Jahre gestreckt werden, um die Kosten für die Betriebe in Grenzen zu halten, sagte Peters. Die Metallarbeitgeber wollen dem gemeinsamen Entgelttarifvertrag (ERA) nur dann zustimmen, wenn er für die Unternehmen keine zusätzlichen Kosten bringt. Laut Peters ist die geforderte Kostenneutralität jedoch unmöglich. Er betonte, dass es für die IG Metall einen Tarifabschluss ohne Einstieg in ERA nicht geben werde.

Die getrennten Vergütungssysteme für die 3,6 Mill. Arbeiter und Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie stammen aus dem Jahr 1891. IG Metall und Arbeitgeber verhandeln schon seit mehr als zehn Jahren über ihre Reform. Diese ist extrem kompliziert. Streitpunkt ist vor allem das so genannten Eckentgelt. Es bildet die Basis des neuen Vergütungssystems. An ihm sollen sich die anderen Gehaltsstufen orientieren. Laut IG Metall-Vize Peters soll das Eckentgelt für einen Facharbeiter ohne Berufsausbildung zwischen 1 940 und 2 045 Euro liegen. Wo genau, das will die Gewerkschaft zum Gegenstand dieser Tarifrunde machen.

Die Metallarbeitgeber befürworten ERA zwar im Grundsatz. Doch sie fürchten, dass die Einführung zusätzliche Lohnkosten von bis zu 10 % verursacht, die sich zudem je nach Beschäftigtenstruktur unterschiedlich auf die Unternehmen verteilen. Auch die IG Metall geht von höheren Kosten aus, sieht diese aber maximal bei 4 %. Sie will deshalb einen Teil der ausgehandelten Tariferhöhung speziell für ERA reservieren, im Gespräch sind 0,5 Prozentpunkte.

Gesamtmetall jedoch beharrt auf Kostenneutralität. Das sperrige Thema ERA könnte deshalb zum eigentlichen Streitpunkt dieser Tarifrunde werden. Obwohl sich IG Metall-Chef Klaus Zwickel am Wochenende von einem Flächenstreik distanzierte, kündigte er entsprechene Vorbereitungen an, um die Mitglieder kurzfristig mobilisieren zu können. Die IG Metall müsse sich darauf einstellen, dass die Arbeitgeber im Falle eines unbefristeten Arbeitskampfes zum Gegenmittel der Aussperrung griffen.

Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser relativierte diese Einschätzung. Er warnte, viele Unternehmen würden sich gegen einen zu hohen Tarifabschluss eher mit dem Abbau von Arbeitsplätzen oder dem Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag wehren. Nur ein Teil der Firmen werde sich einem Arbeitskampf stellen.

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