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Streit um Opel-Stellenabbau - Landesregierung will vermitteln

Das Opel-Management stößt mit seinen Plänen zum Abbau von 10 000 Stellen in Deutschland auf harten Widerstand der Belegschaft.

dpa-afx RÜSSELSHEIM/BOCHUM. Das Opel-Management stößt mit seinen Plänen zum Abbau von 10 000 Stellen in Deutschland auf harten Widerstand der Belegschaft. "Die Planzahl von 10 000 Arbeitsplätzen wird von uns nicht akzeptiert", betonte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Freitag nach einer außerordentlichen Sitzung des Opel - Aufsichtsrats in Rüsselsheim. Man sei aber zu Zugeständnissen bereit. Entlassungen und Werkschließungen lehnte er erneut ab. Jedoch räumte er ein: "Ohne Personalabbau werden wir aus dieser Situation nicht herauskommen."

Die hessische Landesregierung bot sich als Vermittler zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern an. Das Land könne seine Kontakte nutzen, Entscheidungsträger zusammenzubringen, erklärten die Minister Alois Rhiel (Wirtschaft) und Silke Lautenschläger (Soziales; beide CDU) nach einem Krisengespräch von Land, Bund und Opel am Frankfurter Flughafen. Hessen erwarte eine Bestandsgarantie für den Standort Rüsselsheim.

Clement

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte, nach seiner Ansicht gebe es für die Sanierung moderatere Lösungen als sie bislang in der Öffentlichkeit diskutiert würden. Es bestünden gute Möglichkeiten, einen Großteil der knapp 10 000 gefährdeten Arbeitsplätze zu erhalten. Er forderte Unternehmensführung und Betriebsrat auf, zügig mit den Verhandlungen zu beginnen.

Nach Informationen des ZDF will Opel im Stammwerk Rüsselsheim die Hälfte der geplanten 4 000 Stellenstreichungen allein in der Entwicklung umsetzen. Auf die Produktion entfielen 1 200 Streichungen und 800 auf die Verwaltung. Opel beschäftigt rund 33 000 Mitarbeiter in Deutschland, davon knapp 20 000 in Rüsselsheim. Insgesamt will GM bei den Töchtern Opel, Saab und Vauxhall innerhalb von zwei Jahren bis zu 12 000 der mehr als 60 000 Stellen streichen, um die jährlichen Fixkosten um 500 Mill. Euro zu senken.

"IN Groben Zügen Andiskutiert"

Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster sagte vor dem Werkstor in Rüsselsheim, man habe die am Donnerstag veröffentlichten Sparvorschläge in der Sitzung des Aufsichtsrats "in groben Zügen andiskutiert". Es würden nun konkrete Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern folgen. Termine wurden nicht genannt. "Mir ist daran gelegen, gemeinsame Lösungen für das Problem zu entwickeln und die Unsicherheit der Mitarbeiter zu beseitigen." Zu den Arbeitsniederlegungen im Bochumer Opel-Werk meinte Forster: "Streik halte ich für nicht förderlich." Ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sagte, beide Seiten seien sich einig, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu wollen. Der Betriebsrat will nicht über Stellenabbau an einzelnen Standorten verhandeln, sondern nur über ein Gesamtpaket zur Kostensenkung.

In Bochum legten die Arbeiter bis auf weiteres den zweitgrößten deutschen Opel-Standort lahm und wollen damit auch die Produktion in anderen europäischen Werken blockieren. "Die Produktion geht erst weiter, wenn die Signale heißen: Der Abbau von 4 000 Arbeitsplätzen ist vom Tisch, keine betriebsbedingten Kündigungen und Erhalt des Werks über 2010 hinaus", sagte der Bochumer Betriebsrat Lothar Marquardt.

Aus Rüsselsheim wurden keine Protestaktionen bekannt. Die Oberbürgermeister von Bochum und Rüsselsheim kündigten an, nochmals auf den Opel-Vorstand zuzugehen. IG-Metall-Vize Berthold Huber forderte im Bayerischen Rundfunk Bestandsgarantien für alle europäischen GM-Standorte sowie ebenfalls einen Verzicht auf Kündigungen.

Zeitungsanzeigen

General Motors warb am Freitag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen um Verständnis für das Sanierungsprogramm. Die Entscheidungen berührten das Leben vieler Menschen. "Deshalb haben wir es uns nicht leicht gemacht", schrieb das Management in einem offenen Brief an die Kunden von Opel und Saab. GM werde auch weiterhin in Deutschland und Europa Autos entwickeln und herstellen. In den kommenden fünf Jahren sollten mehr als 45 neue Modelle und Varianten auf den Markt gebracht werden. dpa gin/mi yyhe rg

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