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Streit um Rechtschreibung spaltet Länder

Hamburg (dpa) - Im Streit um die Rechtschreibung geht ein Riss quer durch Bundesländer und Medien in Deutschland. Nordrhein- Westfalens CDU-Chef Jürgen Rüttgers will im Fall eines Wahlsiegs in dem bevölkerungsreichsten Bundesland die Rückkehr zu den alten Regeln herbeiführen.

Hamburg (dpa) - Im Streit um die Rechtschreibung geht ein Riss quer durch Bundesländer und Medien in Deutschland. Nordrhein- Westfalens CDU-Chef Jürgen Rüttgers will im Fall eines Wahlsiegs in dem bevölkerungsreichsten Bundesland die Rückkehr zu den alten Regeln herbeiführen.

Die Mehrheit der Länder lehnt ein Kippen der Reform ein Jahr vor der geplanten verbindlichen Einführung jedoch weiter ab. Bildungsverbände warnen vor einem Chaos bei einer Rücknahme der Reform, Buchverlage befürchten Millionenkosten auch für die Kommunen.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) appellierte an die anderen Länderchefs, bei ihrem Treffen im Oktober «das Scheitern der Rechtschreibreform» einzugestehen. «Jetzt können wir es wirklich schaffen, mit einem mutigen Sprung zur alten Rechtschreibung zurückzukehren», sagte Wulff der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Die Axel Springer AG und der Spiegel-Verlag hatten am Freitag die «schnellstmögliche» Umstellung auf die alten Schreibweisen angekündigt, die «Süddeutsche Zeitung» will folgen.

«Die CDU wird nach einem Wahlsieg bei der Landtagswahl im Mai 2005 dafür sorgen, dass man zu den bewährten Regeln zurückkehrt», kündigte Rüttgers in Düsseldorf an. Auch Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU) wandte sich gegen die Reform. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle kritisierte die neue Rechtschreibung als «so überflüssig wie ein Kropf».

Dagegen wollen die meisten Ministerpräsidenten, darunter alle SPD - Länderchefs, an der Reform festhalten. Der Vorstoß der beiden Verlage habe «viel mit Kampagne und Public Relations, wenig mit Inhalt zu tun», kritisierte der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck (SPD). Sein sächsischer Amtskollege Georg Milbradt (CDU) befürchtet, eine Rückkehr zu den alten Regeln würde «die Verwirrung komplett» machen.

«Handlungsbedarf» sieht der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Möglich sei auch, nur Teile der Reform zu ändern. Die Beschränkung auf Teilkorrekturen befürwortete auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), während Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) das Ergebnis der Reform «ein Chaos» nannte.

Die Kultusministerkonferenz will sich am 14. und 15. Oktober abermals mit der Rechtschreibung befassen, eine Woche zuvor tagen die Ministerpräsidenten. Die KMK hatte beschlossen, dass nach sechs Jahren Übergangszeit die neuen Regeln vom 1. August 2005 in Schulen und Ämtern verbindlich gelten. Eine Rücknahme der Reform würde Einstimmigkeit der Länder erfordern.

«Die Kultusministerkonferenz ist sichtlich nervös», sagte Christian Schmid, Rechtschreibbeauftragter der Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), die der deutschen KMK entspricht, der Zürcher Zeitung «NZZ am Sonntag». Noch im August wollen laut Schmid die Bildungsbehörden der deutschsprachigen Länder auf Initiative der KMK über die Rechtschreibreform in Wien beraten. Die KMK dementierte diese Darstellung. Es handle sich lediglich um ein seit langem geplantes Fachtreffen auf Beamtenebene.

Lehrer- und Kulturverbände warnen vor einem Chaos an den Schulen und neuen Millionenkosten, falls die Reform wieder rückgängig gemacht würde. «Es gibt keinerlei uns bekannte nennenswerte Probleme, weder bei Schülern noch bei Lehrkräften, die eine Veranlassung gäbe, von der neuen Rechtschreibung wieder Abstand zu nehmen», sagte Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im NDR.

Der Verband der Schulbuchverlage geht von Umstellungskosten von 60 Millionen und Verlusten wegen Lagerbeständen von 200 Millionen Euro aus. Auch auf die Kommunen kämen nach Einschätzung von Verlagen hohe Kosten für neue Schulbücher zu, sagte eine Sprecherin des Stuttgarter Klett Verlags dem «Tagesspiegel».

Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», Stefan Aust, verteidigte den Entschluss seines Hauses im RBB mit der mangelnden Akzeptanz der neuen Regeln in der Bevölkerung. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL unter 506 Befragten sind 75 Prozent der Bundesbürger für die alte Rechtschreibung, bei den 16- bis 29- Jährigen sind es 66 Prozent.

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