Streit um Schutzimpfung
Anfangsverdacht auf MKS in Bayern

In Bayern gibt es einen ersten Anfangsverdacht auf Maul- und Klauenseuche (MKS) bei einer Schafherde. Das Verbraucherschutzministerium teilte am Freitag in München mit, ein Schäfer aus dem Landkreis Landshut habe gemeldet, einige seiner Tiere lahmten.

rtr MÜNCHEN. Der Amtstierarzt habe ein Tier getötet und Proben entnommen, die nun untersucht würden. Der MKS-Verdacht in einem der zwei hessischen Sperrgebiete ist nach offiziellen Angaben endgültig ausgeräumt. Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) signalisierte vor einem Treffen mit ihrer nordrhein-westfälischen Kollegin und Parteifreundin Bärbel Höhn Entgegenkommen im Streit um vorbeugende Impfungen.

Ein Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums sagte, 20 Jungschafe des betroffenen Hofes in der Nähe von Vilsbiburg wiesen Symptome auf, die auf MKS deuten könnten. "Es kann sich aber auch um andere Krankheiten handeln", sagte der Sprecher. Die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen in Tübingen überprüfe die Proben vorsorglich, weil ein Mitarbeiter des Hofes kürzlich in Großbritannien gewesen sei. Mit Ergebnissen werde nicht vor Mittag gerechnet. In Großbritannien grassiert die Seuche seit Wochen.

Der Hof mit über 1000 Schafen wurde nach Angaben des Landratsamtes Landshut wurde vorsorglich gesperrt. Ein Sperrbezirk sei nicht einrichtet worden, weil der Verdacht noch sehr vage sei. Bislang gibt es noch keinen bestätigten Fall der hoch ansteckenden Tierkrankheit in Deutschland, die von Großbritannien auf das europäische Festland übergegriffen hat.

EU-Agrarminister beraten über Impfungen

Künast kündigte an, beim informellen Treffen der EU-Agrarminister am Wochenende die MKS-Impfpolitik der Europäischen Union abermals zur Diskussion zu stellen. Dabei signalisierte sie Bereitschaft, sich trotz eigener Bedenken für vorbeugende Impfungen auszusprechen, wenn die Länder dies wollten. "Im Augenblick ist es so, dass offenbar Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen vorbeugend impfen wollen. Im Föderalismus bin ich in der Rolle, das in die EU hinein weiter zu tragen, wenn es wirklich die Haltung der deutschen Bundesländer ist", sagte Künast der "Frankfurter Rundschau".

Dazu solle der Vorsitzende der Agrarministerkonferenz der Länder, Brandenburgs Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD), alle 16 Länder abfragen. Sie sei derzeit an einen von Bund und Ländern beschlossenen Krisenplan zu Notfall-Impfungen gebunden. "Da reicht der Wunsch von drei Ländern nicht für einen Kurswechsel." Eine Sprecherin Künasts stellte klar, die Ministerin sei weiter gegen vorbeugende Impfungen im großen Stil, die in der EU seit Anfang der 90er-Jahre verboten sind.

Höhn sagte dagegen am Freitag im Deutschland-Radio Berlin, sie sehe Bewegung in der Diskussion um MKS-Impfungen: "Wir sehen, dass das EU-Parlament sich für eine vorbeugende Impfung ausgesprochen hat und Frau Künast hat sich gestern Abend auch Richtung vorbeugende Impfung geäußert." Die Verbreitung des Virus könne durch Schutzimpfungen eingedämmt werden. Wenn ein Land vorbeugend gegen die Seuche impft, gilt es international nicht mehr als MKS-frei und unterliegt Exportbeschränkungen.

Klärendes Gespräch mit Künast und Höhn

Der Parteivorstand der Grünen hat Höhn und Künast für Freitag zu einem klärenden Gespräch nach Berlin gebeten. Künast hatte Höhn zuvor Fehler beim Krisenmanagement bei Verdachtsfällen in Nordrhein-Westfalen vorgeworfen. Höhn hatte dies zurück gewiesen.

Die hessische Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) sagte im ZDF, Tests der Bundesforschungsanstalt hätten ergeben, dass die Schafe in einer Gärtnerei in dem Ort Krofdorf-Gleiberg bei Gießen nicht infiziert seien. Beschränkungen für den Verkehr seien aufgehoben worden, blieben für Tiere jedoch bestehen. Keine Entwarnung gab es zunächst beim MKS-Verdacht auf dem nahen Hofgut Bubenroth in Biebertal. Sie hoffe, dass die endgültigen Ergebnisse zu dem MKS-Verdachtsfall für Bubenroth noch am Freitag vorlägen, sagte die Ministerin.

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