Streit um Sozialplan: Mercedes-Benz drohen Produktionsausfälle

Streit um Sozialplan
Mercedes-Benz drohen Produktionsausfälle

Die Daimler-Chrysler AG will ihre Tochter MB Lenkungen an Thyssen Krupp verkaufen. Die Beschäftigten protestieren dagegen und stellen die Produktion bei Mercedes vor große Probleme.

brb STUTTGART. Der Daimler-Chrysler AG drohen in der nächsten Woche empfindliche Produktionsausfälle. Die Mitarbeiter der Konzerntochter MB Lenkungen GmbH haben gestern beschlossen, am kommenden Wochenende zwei Arbeitsschichten komplett zu streichen. Auslöser für die Verweigerung von Überstunden ist der anstehende Verkauf von MB Lenkungen an Thyssen Krupp Automotive AG. Der Betriebsrat der Düsseldorfer Lenkungstochter will alle 1 200 Arbeitsplätze sichern. Alle großen Mercedes-Werke wären von der Arbeitsniederlegung betroffen.

Die Daimler-Mitarbeiter haben ein gutes Druckmittel: Die Düsseldorfer Tochter produziert alle Lenkungen für Mercedes-Benz. Fertigt sie weniger Lenkungen, trifft das sofort die Fahrzeugproduktion. Im Rastatter Werk, in dem die Mercedes-Benz A-Klasse produziert wird, dürften die Bänder schon am kommenden Montag nicht mehr im geplanten Takt laufen. Die Produktion der Luxuslimousinen E-Klasse und S-Klasse dürfte am Dienstag, spätestens am Mittwoch Probleme haben. Beim Düsseldorfer Betriebsrat heißt es: Zwei bis drei Schichten weniger haben zur Folge, dass 10 bis 15 % weniger Autos montiert werden.

Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm hofft, den Konflikt lösen zu können und Arbeitsniederlegungen zu verhindern. "Wir streben eine Vereinbarung an, die sicherstellt, dass Daimler gegenüber seinen Mitarbeitern in der Verantwortung bleibt", sagte er dem Handelsblatt. Ein Konzernsprecher wollte den Stand der Verhandlungen gestern nicht kommentieren.

Thyssen Krupp Automotive verhandelt seit Monaten mit Daimler-Chrysler. Am 21. Januar 2003 ist eine erste Absichtserklärung unterzeichnet worden. Dies sagte Reiner Mundkowski von der Düsseldorfer IG Metall. Geplant ist jetzt, eine Gemeinschaftsfirma zu gründen, an der Thyssen Krupp mit 60 % und Daimler-Chrysler mit 40 % beteiligt sind. 2005 kann Thyssen Krupp die Firma ganz übernehmen.

Das Bochumer Unternehmen will einen Teil der Fertigung aus Düsseldorf nach Schönebeck in Sachsen-Anhalt verlagern, dafür aber keinen Daimler-Mitarbeiter mitnehmen. Für die davon betroffenen 400 Mitarbeitern gibt es bislang nur für 250 die Zusage auf einen anderen Arbeitsplatz innerhalb des Daimler-Konzerns. Das nächste Problem: Für die restlichen 800 Daimler-Beschäftigten ist unklar, wie das Werk nach dem endgültigen Ausstieg von Daimler-Chrysler ausgelastet wird. Der Betriebsrat von MB Lenkungen will mit dem Nein zu Überstunden einen Sozialplan durchsetzen: Bei einer Arbeitsplatzverlagerung in den Osten sollen die betroffenen Beschäftigten im Düsseldorfer Transporter-Werk von Daimler unterkommen.

In der Automobilbranche ist es derzeit ein starker Trend, dass die Hersteller Werke für Komponentenfertigungen an Zulieferer abgeben. Für Thyssen Krupp bietet sich damit die Chance, die eigene Lenkungssparte auszubauen und damit gegenüber dem Konkurrenten ZF Lenkungen, eine Gemeinschaftsfirma von ZF Friedrichshafen AG und Bosch, konkurrenzfähiger zu werden.

Die Bochumer erhalten mit dem Einstieg bei MB Lenkungen zugleich Daimler-Chrysler als Kunden. Dennoch sind solche Werksübernahmen nicht ohne Risiko: Die Hersteller steigen meist aus, weil sie mit der Rendite nicht mehr zufrieden sind.

Thyssen Krupp will MB Lenkungen durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins ostdeutsche Schönebeck effizienter machen. Subventionen aus EU-Töpfen und Zuschüsse von Arbeitsämtern bringen im Osten Kostenvorteile. So würde die Brutto-Lohnstunde in Schönebeck nur 8 Euro kosten. In Düsseldorf liegt sie bei 26 Euro.

Auch mit Opel verhandelt Thyssen Krupp seit Monaten über die Übernahme des Pressteile-Werks in Kaiserslautern mit gut 3 000 Beschäftigten. Ursprünglich wollte Thyssen Krupp mit Opel bis zum Jahresende einig sein. Doch auch dort zeichnen sich Probleme ab: Bislang liegen die Preisvorstellungen der Kontrahenten noch weit auseinander. Ungeklärt ist auch die Art der Absicherung der Arbeitnehmer. Aus Kreisen des Betriebsrates hieß es, dass die Löhne von Thyssen Krupp um 20 bis 30 % unter dem Opel-Niveau liegen. Allerdings ist in Verträgen zwischen Opel und der Arbeitnehmerschaft festgelegt, dass aus einem Verkauf keine Nachteile für die Arbeitnehmer entstehen dürfen.

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