Streit um Vermarktung und neuen Cartoon-Kanal
RTL II probt Aufstand gegen RTL

RTL-II-Chef Josef Andorfer will einen neuen Fernsehsender aufbauen, der im Jahr 2003 an den Start gehen soll. Gleichzeitig werde sich der Münchener Privatsender mit dem neuen Ableger vom RTL-Werbezeitenvermarkter IP Deutschland abkoppeln und sich selbst vermarkten, sagte Andorfer. Seine Gesellschafter, darunter der Bauer-Verlag, der Burda-Verlag, Tele München sowie die RTL Group (34,8 %) hätten ihn mit dieser Planung beauftragt.

hps/pes/dpa CANNES. Der neue Sender, der bislang keinen Namen trägt, soll ausschließlich asiatische Zeichentrickproduktionen, so genannte Manga-Cartoons, ausstrahlen. "Diese Programmware ist relativ preiswert auf dem Markt zu haben", erklärt ein Brancheninsider. "Bei Manga handelt es sich um Animation mit relativ gewalttätigen und sexistischen Inhalten." Die Zielgruppe des neuen Fernsehkanals sollen junge Erwachsene um die 18 Jahre sein.

Laut Andorfer soll der neue Fernsehsender die Lücke zwischen Super RTL mit der Zielgruppe Kinder zwischen drei und 13 Jahren und RTL II schließen. Der neue Sender soll in den ersten beiden Jahren mit einem Budget von jeweils 30 Mill. Euro auskommen. Davon entfallen jährlich 15 Mill. Euro auf den Kauf der Zeichentrickfilme.

RTL II will mit dem neuen Senderprojekt gleich vom ersten Betriebsjahr an schwarze Zahlen schreiben. Andorfer zeigt sich zuversichtlich: "Im ersten Jahr wird die Werbung die 30 Millionen Euro wieder hereinbringen."

RTL II rechnet damit, dass die Gesellschafter RTL Group, Tele-München-Gruppe (Herbert Kloiber), Burda und Bauer Verlag im Juni der Gründung des Senders zustimmen. Das sieht Ingrid Haas, Sprecherin von RTL Deutschland, anders. "Es ist völlig offen, ob das Konzept in der Gesellschafterversammlung durchkommt", sagt sie. Andorfer baut aber offenbar auf die Unterstützung anderer Gesellschafter.

Um sich mittelfristig neue Erlösquellen zu erschließen, setzt der RTL-II-Chef auf eine enge Kooperation mit den Zeitungsverlagen Burda und Bauer sowie mit der Münchener Filmrechte-Firma EM.TV. Der RTL-Deutschland-Chef Gerhard Zeiler gilt in der Branche als klarer Gegner eines neuen Kanals dieser Art. Ein Sprecher der RTL Group sagte auf der Filmrechte-Messe MIP TV in Cannes nur: "Die Gespräche zwischen den Gesellschaftern über einen neuen Kanal gibt es."

RTL II versucht bereits seit Monaten, eine eigene Werbezeitenvermarktung auf die Beine zu stellen. Neben Kloibers neuem Kanal Tele 5 und RTL II könnten auch der neue Cartoon-Kanal und EM.TV von der noch zu gründenden Firma vermarktet werden. RTL hat hingegen offenbar ein starkes Interesse daran, den Nischensender RTL II bei IP Deutschland zu halten. Deshalb ließ sich Zeiler auch auf eine Umsatzgarantie für 2002 und 2003 ein. Solche Verträge sind in der Branche ungewöhnlich.

Quelle: Handelsblatt

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