Streit um Waffenkontrolleure
Bagdad stiftet bewusst Verwirrung

Eine positive Andeutung hier, ein paar martialische Töne dort, so lautet die momentane Strategie des Regimes von Saddam Hussein. Sie zielt vor allem darauf ab, Verwirrung zu stiften. Denn so glaubt die Regierung in Bagdad, einen amerikanischen Angriff noch abwenden oder doch zumindest verzögern zu können.

dpa/HB BAGDAD/KAIRO. Das irakische Katz-und-Maus-Spiel funktioniert mit verteilten Rollen, wobei Saddam und der im Irak fast genauso gefürchtete stellvertretende Vorsitzende des Revolutionsrats, Isset Ibrahim, die Position der "Stärke" vertreten und die Uno-Waffenkontrolleure als "Spione" beschimpfen. Außenminister Nadschi Sabri und Saddams bewährte "diplomatische Geheimwaffe" Tarik Asis stimmen unterdessen im Ausland versöhnlichere Töne an und betonen die Kompromissbereitschaft Bagdads.

So erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Asis am Dienstag nach einem Gespräch mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan in Johannesburg in gemäßigtem Ton, Bagdad sehe vor allem deshalb keinen Sinn in der Wiederaufnahme der Kontrollen, weil die USA letztendlich "sowieso irgendeinen Vorwand benutzen werden, um uns anzugreifen". Genau zur gleichen Zeit hielt Isset Ibrahim vor vor arabischen Parlamentariern in Bagdad eine kriegerische Rede, in der er die Iraker als "Ritter des Heiligen Krieges" bezeichnete.

Saddam Hussein legte wenige Stunden später noch einen drauf und erklärte in einer TV-Botschaft an das irakische Volk, der Irak werde auch in der nächsten Schlacht siegen. "Auf den allmächtigen Gott vertrauend, haben wir im ersten Golfkrieg (gegen Iran) den Sieg errungen, und wir werden wieder siegen, so wie wir auch in der endlosen Mutter aller Schlachten (dem Angriff der Alliierten nach der Besetzung Kuwaits) gesiegt haben", sagte er.

Doch was kann der Irak mit seinem Verwirrspiel gewinnen? Erstens kann er versuchen, durch intensive Lobbyarbeit die Ablehnung der arabischen Staaten, Russlands und einiger europäischer Staaten gegen eine Militäraktion zum Sturz von Saddam zu festigen. Zweitens bleibt dem Regime mehr Zeit, um sich militärisch auf einen US-Angriff vorzubereiten.

Doch auch die arabischen Staaten, die sich klar gegen die Umsturz- Pläne der Amerikaner ausgesprochen haben, drängen Bagdad inzwischen, zumindest in der Frage der Waffenkontrollen einzulenken, um einen Angriff abzuwenden. Der Irak hat dafür jedoch mehrere Bedingungen genannt, unter anderem die Aufhebung der von den USA und Großbritannien ohne Uno-Beschluss eingerichteten Flugverbotszonen im irakischen Kurdengebiet und im schiitischen Süden des Landes. Denn, wenn die von Bagdad geschmähten Inspektoren ohne Gegenleistung wieder zurückkehrten, wäre dies aus Sicht der Regierung eine Demütigung für das Regime. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen besteht aber darauf, dass die 1998 abgebrochene Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak ohne Vorbedingungen wieder aufgenommen wird.

Auch wenn die arabischen Führer Bagdad zur Umsetzung der Uno - Beschlüsse drängen: Die Bevölkerung in den arabischen Staaten folgt in diesem Konflikt eher der Argumentation der irakischen Regierung, die ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft immer wieder damit zu rechtfertigen versucht, dass sich Israel schließlich seit Jahrzehnten ungestraft über die Uno-Resolutionen zum Nahost-Konflikt hinwegsetze.

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