Streit zwischen Anteilseignern verschärft sich
France Télécom will Mobilcom-Chef stürzen

Die France Télécom S.A. drängt den Großaktionär und Vorstandsvorsitzende der Büdelsdorfer Mobilcom AG, Gerhard Schmid, zu einem Rückzug aus der von ihm gegründeten Mobilfunkgesellschaft.

abo/lip/slo HAMBURG/DÜSSELDORF. Der französische Konzern will schneller an die Mehrheit des am Neuen Markt notierten Unternehmens gelangen, heißt es in Firmenkreisen von Mobilcom und FT. Die Franzosen sind über ihre Mobilfunktochter Orange Plc mit 28,5 % an dem Büdelsdorfer Anbieter beteiligt.

FT versucht deshalb, Schmid massiv in die Enge zu treiben, um ihn zu einem Verkauf seines 43 %igen Aktienpakets zu veranlassen. Die Franzosen sollen deshalb den Mobilcom-Aufsichtsrat auf einer Sitzung am Mittwoch aufgefordert haben, die monatelang verschwiegenen Aktienkäufe von Schmids Frau Sybille unter die Lupe zu nehmen, um dem Vorstandschef so geschäftsschädigendes Verhalten nachzuweisen. Die Sitzung des Aufsichtsrates hielt bis zum Redaktionsschluss an.

Die Franzosen hoffen hierdurch offenbar, dass ihr Vertrag mit Schmid hinfällig wird. Denn dieser sieht erst für November 2003 die Möglichkeit vor, dass FT die Anteile des Firmengründers erwirbt. "Ich habe keine Kenntnis davon, dass France Télécom ein solches Anliegen dem Aufsichtsrat vorgetragen hat", erklärte ein Mobilcom-Sprecher. Er sehe zudem keine rechtlichen Anzeichen dafür, dass durch die Aktienkäufe von Sybille Schmid der Einstieg von FT im Jahr 1999 "null und nichtig" wäre. Die Ehefrau des Firmengründers hält 5 % der Mobilcom-Anteile.

Anlass für den Streit zwischen Schmid und FT waren die Mobilcom-Pläne für den Ausbau des neuen UMTS-Mobilfunknetzes. FT-Vorstandschef Michel Bon wolle sich nicht von Schmid zu einer Investitionsstrategie für den deutschen UMTS-Markt drängen lassen, deren Erfolg er für unrealistisch hält, heißt es in FT-Unternehmenskreisen. Außerdem muss Bon die Gesamtinvestitionen seines Konzerns im Blick behalten - und deren Finanzierbarkeit. Denn die Gruppe hat rund 50 Mrd. Euro Schulden.

Daher muss FT versuchen, möglichst günstig an die Mobilcom-Anteile zu kommen. Eine Schlüsselrolle könnte dabei dem US-Investor Guy Wyser-Pratte zukommen, der 1,1 % an Mobilcom besitzt. Mit seiner Hilfe könnten die Franzosen verhindern, dass sie den Kleinaktionären Übernahmeangebote unterbreiten, um an die Mehrheit bei Mobilcom zu kommen.

Analysten von Credit Suisse First Boston und der BHF-Bank gehen davon aus, dass sich die FT bereits in diesem Jahr die Mehrheit an dem Büdelsdorfer Telekomanbieter sichert, statt sich in einem Streit über den UMTS-Geschäftsplan festzufahren. Die Übernahme ist möglicherweise noch vor Juli 2002 wahrscheinlich, wenn FT für eine weitere Brückenfinanzierung Sicherheiten vorlegen muss. In Analystenkreisen mehren sich inzwischen die Anzeichen dafür, dass die FT die Übernahme des Aktienpakets von Schmid über eine Kapitalerhöhung finanzieren will. Sie soll bereits im Herbst dieses Jahres stattfinden, heißt es.

Analysten wie Marcus Sander von der Düsseldorfer WestLB, sind noch skeptisch. Denn FT würde bei einer Übernahme der Anteile von Schmid ihre Nettoverschuldung um 6 Mrd. Euro erhöhen. Der zweitgrößte Mobilcom-Großaktionär dürfte aber derzeit nicht das Risiko eingehen, seinen Schuldenberg weiter aufzutürmen. Denn Rating-Agenturen würden das Unternehmen dann herabstufen, weil sich die Bonität verschlechtert hat.

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