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Streit zwischen Kirche, Wissenschaft und Politik um Gentechnik verschärft

Die Grundsatzdebatte im Bundestag hat den Streit über die Grenzen der Gentechnik zwischen Wissenschaftlern, Kirche und Politik weiter angeheizt. Der Limburger Bischof Franz Kamphaus sagte am Donnerstag im Hessischen Rundfunk, bei dem Thema gebe es auf Seiten der katholischen Kirche mehr Gemeinsamkeiten mit den Grünen als mit der CDU. Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard kritisierte die Diskussion als überzogen und sprach der katholischen Kirche das Recht ab, dogmatisch Ethiknormen festzulegen.

ap BERLIN. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, begrüßte das Engagement, mit dem sich der Bundestag an der Diskussion über die Entwicklungen in der Biomedizin beteilige. Angesichts der Uneinigkeit in der Frage der Präimplantationsdiagnostik (PID) und beim Umgang mit embryonalen Stammzellen bekräftigte er die Haltung der EKD. Diese hatte sich bereits zuvor für einen uneingeschränkten Embryonenschutz ausgesprochen.

Der evangelische Bischof in Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, warnte im Deutschlandradio Berlin davor, Heilungshoffnungen und Menschenwürde gegeneinander auszuspielen. Die Forschung müsse einen Weg finden, der am ehesten mit der Würde des Menschen vereinbar ist, forderte Huber, der auch Mitglied im Nationalen Ethikrat ist. Zudem müsse der moralische Status eines Embryos geklärt werden. Der Mensch dürfe auch schon im frühesten Stadium seiner Entwicklung nicht als Mittel zum Zweck verwendet werden.

"Hochmut ist erschreckend"

Die Tübinger Biologin Nüsslein-Volhard kritisierte die Diskussion über die Biomedizin als überzogen. Die Heftigkeit und der Hochmut, mit dem manche Politiker über Wissenschaftler urteilten, sei erschreckend, sagte die Direktorin am Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). "Ich denke nicht, dass die katholische Kirche das Recht hat, dogmatisch Ethiknormen festzulegen." Zugleich sprach sie sich gegen ein Verbot der PID aus, also von Gentests am Reagenzglas-Embryo.

Der Vorsitzende der Gesellschaft für Humangenetik, Karl Sperling, sagte im ZDF-Morgenmagazin, die Möglichkeit von Behinderungen bei Neugeborenen liege trotz PID bei rund zwei Prozent. Die Methode sei dazu da, bestimmte Krankheiten auszuschließen, die in der Familie lägen. Es gehe dabei nicht darum, nach anderen Merkmalen wie Augenfarbe oder Geschlecht zu suchen.

Der Generalsekretär des Club of Rome in Deutschland, Uwe Möller, äußerte im NDR die Befürchtung, angesichts der internationalen Entwicklung könnten der Forschung keine Grenzen gesetzt werden. "Man kann zwar in Deutschland Gesetze machen, aber damit verhindert man die Entwicklung nicht, denn sie findet heute international statt", sagte Möller. So könnten Ehepaare, die PID wünschten, ins Ausland gehen. Die Debatte in Deutschland sei aber im Hinblick auf die weiteren Möglichkeiten der Gentechnik trotzdem wichtig. Dabei müsse deutlich gemacht werden, was die Politik regeln könne und wo es auf Ethik und Moral ankomme.

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