Streit zwischen Leo Kirch und Springer geht in die nächste Runde
Kirch will außerordentliche Hauptversammlung erzwingen

Leo Kirch holt zum Schlag gegen den Axel Springer Verlag aus. Kirch will jetzt eine außerordentliche Hauptversammlung bis zum 19. August erzwingen.

cbu/lip HAMBURG/MÜNCHEN. Leo Kirch holt zum Schlag gegen den Axel Springer Verlag aus. Kirch, der noch immer mit 40 % am größten europäischen Zeitungshaus beteiligt ist, will jetzt eine außerordentliche Hauptversammlung bis zum 19. August erzwingen. Hier will Kirch eine Sonderprüfung durchsetzen. Er macht Schadenersatzansprüche in dreistelliger Millionenhöhe geltend.

Hintergrund: Kirch wirft Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und Großaktionärin Friede Springer vor, seinen Münchener Medienkonzern in den Ruin getrieben zu haben. Dabei hätten Döpfner und die Verleger-Witwe auch die übrigen Springer-Gesellschafter benachteiligt. "Es besteht dringender Anlass zur Vermutung, dass es Ziel der Mehrheitsaktionärin Friede Springer gewesen sei, gemeinsam mit dem Vorstand und zum eigenen Vorteil einen anderen Großaktionär aus der Gesellschaft zu drängen...", teilte Kirch mit. Ein Sonderprüfer soll nun die Vorgänge um eine Put-Option des Verlags gegen Kirch in Zusammenhang mit der 11,5 %-Beteiligung an der Pro Sieben Sat 1 Media AG untersuchen. Ein Einzelaktionär kann ab einer Beteiligung von 10 % eine Sonderprüfung durchsetzen, Kirch hält 40 % an Springer. Auf der letzten Hauptversammlung am 26. Juni in Berlin wurden die Kirch-Anträge jedoch nicht zur Abstimmung zugelassen.

Kirch hofft, mit dem Manöver seine Position bei den Verkaufsverhandlungen seiner Springer-Beteiligung zu verbessern. Er hat dabei nur noch bis Ende August Zeit, dann fällt das Paket an den Kirch-Gläubiger Deutsche Bank. Es wird vermutet, Kirch wolle Friede Springer zu Zugeständnissen zwingen. Das Problem ist, dass die Springer-Aktien vinkuliert sind und Frau Springer deshalb Aktionärswechseln zustimmen muss.

Um den Druck zu erhöhen, bereitet Kirch offenbar auch eine Klage gegen das Berliner Printhaus vor, erfuhr das Handelsblatt aus Kirch-Kreisen. Der Springer-Vorstand soll danach ein falsches Bild über die Verlustsituation für 2001 abgegeben haben. Die Kirch-Anwälte vertreten hierbei offenbar die Ansicht, dass der bei dem börsennotierten Medienhaus ausgewiesene Fehlbetrag von 198 Mill. Euro für 2001 um fast 80 Mill. Euro zu hoch ausgefallen sei. Sie begründen dies damit, dass ein Ergebnisabführungsvertrag mit der Axel Springer Verlag Beteiligungs GmbH nicht von der Hauptversammlung genehmigt wurde und somit nichtig sei.

Damit kann der Springer-Vorstand den in dieser Gesellschaft angefallenen Fehlbetrag von rund 76 Mill. Euro nicht in den Konzernjahresfehlbetrag einfließen lassen. In der Axel Springer Verlag Beteiligungs GmbH sind die Buchverlage gebündelt. Dazu gehören unter anderem Ullstein, Econ und List.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%