Archiv
Streit zwischen Sachsen und IG Metall

Im Tarifkonflikt der ostdeutschen Metallindustrie ist es zu einem offenen Schlagabtausch zwischen dem Freistaat Sachsen und der IG Metall gekommen.

rtr BERLIN. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU), der zuvor den besonders umkämpften Dresdner Autozulieferer Federal Mogul besucht hatte, warf der IG Metall am Donnerstag vor, dem Wirtschaftsstandort Ost durch den seit Wochen andauernden Streik geschadet zu haben. IG-Metall-Bezirksleiter Hasso Düvel wies den Vorwurf zurück und forderte Gillo auf, sich aus dem Arbeitskampf um die Einführung der 35-Stunden-Woche herauszuhalten. Mit dem Gelenkwellenhersteller GKN verständigte ein wichtiger Autozulieferer mit der Gewerkschaft auf eine Verkürzung der Arbeitszeit. Audi kündigte daraufhin an, die angekündigten Produktionskürzungen könnten dadurch vermieden werde. BMW , das keine Geschäftsbeziehungen zu GKN hat, kündigte dagegen Kurzarbeit an.

Gillo warf der IG Metall vor, dem Wirtschaftsstandort Ostdeutschland im Ausland schweren Schaden zugefügt zu haben. "An der Verantwortung dafür wird die IG Metall in den nächsten Jahren vor allem in den neuen Bundesländern schwer zu tragen haben." Er warf Gewerkschatsmitgliedern vor, arbeitswilligen Mitarbeitern des US-Unternehmens Federal Mogul tagelang den Zugang zur Arbeistelle verwehrt zu haben. "Herr Düvel, ich frage Sie, welche grotesken Formen dieser Streik noch annehmen soll, wenn mittlerweile ein Unternehmen verzweifelt per "Luftbrücke' Mitarbeiter ein- und ausfliegen muss, um damit die Produktion aufrechtzuerhalten und damit die in den vergangenen Jahren mühsam erkämpften Kundenbeziehungen nicht zu verlieren?" Die jahrelang auch mit der IG Metall betriebenen Bemühungen zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen "Werden in wenigen Tagen schwer geschädigt".

Düvel wies die Vorwürfe zurück. Wenn Gillo der Wirtschaftsstandort Sachsen wirklich am Herzen liege, müsse er die Arbeitgeber zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auffordern. Ein Ende des Streiks zur Angleichung der Arbeitszeit an das West-Niveau "ist nur durch einen akzeptablen Kompromiss zu erzielen". Federal Mogul sei ein Beispiel für hartes amerikanisches Management. Die Firma habe viele ihrer nur befristet eingestellten Mitarbeiter "mit einer unglaublichen Einschüchterungskampagne überzogen". Dennoch hätten sie mehrheitlich für den Streik gestimmt.

Die blockierte Firma hatte mit Hilfe von Hubschraubern die Produktion mit Teilen der Belegschaft aufrechterhalten. Der Kolbenringhersteller erwirkte per einstweiliger Verfügung, dass die IG Metall die Blockade des Werktores beenden musste, um arbeitswillige Mitarbeiter und Fahrzeuge durchzulassen.

Der Abschluss bei GKN in Mosel über die schrittweise Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 von 38 Stunden ist nach Angaben der IG Metall bereits der siebte Haustarifvertrag in Sachsen. Die Gewerkschaft hatte am Donnerstag mehr als 11000 Metaller zum Ausstand aufgefordert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%