Streit zwischen Westerwelle und Möllemann
Genscher soll an der FDP-Spitze vermitteln

Im Streit zwischen FDP-Chef Guido Westerwelle und dem NRW-Landesvorsitzenden der FDP, Jürgen Möllemann, sind am Mittwoch erste Vermittlungsversuche bekannt geworden.

Reuters BERLIN. Der FDP-Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe schlug vor, eine Delegation solle Westerwelle bitten, die Streitigkeiten mit Möllemann auszuräumen. Die schleswig-holsteinische FDP will nach Worten ihres Landeschefs Jürgen Koppelin den Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher bitten, in dem Konflikt zu vermitteln. In Kreisen der Parteiführung hieß es jedoch, Genscher habe sich eindeutig von Möllemann distanziert. Es sei daher sehr zu bezweifeln, ob ihm an einer Vermittlung liege. Genscher selbst war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Westerwelle äußerte sich zunächst nicht zu den Vorschlägen.

Westerwelle hatte Möllemann für das unerwartet schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht und Möllemann am Montag zum Rücktritt von seinem stellvertretenden Bundesvorsitz gezwungen. Darüber hinaus will er seinen einstigen Parteifreund auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) entmachten. Möllemann will jedoch an seinen dortigen Posten als FDP-Chef und Fraktionsvorsitzender festhalten. Ein NRW-Sonderparteitag am 7. Oktober soll nun darüber entscheiden, ob Möllemann oder sein von Westerwelle gestützter Stellvertreter Andreas Pinkwart die Führung des mitgliederstärksten Landesverbands der Liberalen übernimmt.

Schleswig-Holsteins Landeschef Koppelin sagte am Donnerstag, eine offene Konfrontation zwischen Westerwelle und Möllemann müsse vermieden werden. "Möllemann hat Fehler gemacht, aber die Partei kann auf beide nicht verzichten." Genscher, der sowohl Westerwelle als auch Möllemann in der Partei unterstützt hatte, könne mit seiner Autorität in dem Streit vermitteln. Einen entsprechenden Antrag werde der Landesverband Schleswig-Holstein am Freitag voraussichtlich verabschieden.

Der FDP-Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe erklärte, es werde eine Vermittlung angestrebt, um "im Sinne einer gemeinsamen Zukunft für die Freien Demokraten einen Neuanfang der Zusammenarbeit" mit Möllemann zu erreichen. Die Delegation setze sich aus der Bezirksvorsitzenden Gudrun Kopp (MdB), Günther Nolting (MdB) sowie dem Landtagsmitglied und Beisitzer im Landesvorstand, Joachim Schultz-Tornau, zusammen. In Kreisen der Bundespartei hieß es, die Bemühungen seien als Versuche Möllemanns zu verstehen, den Streit einzudämmen: "Wir halten das für ein Indiz, wie sehr Möllemann die Fälle wegschwimmen."

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