Streitgespräch
Wird i-mode ein Erfolg?

E-Plus Hauptgesellschafterin KPN wird schon dafür sorgen, dass i-Mode nicht floppt. Denn einen Misserfolg würde die Börse nicht goutieren, heißt es. I-Mode ist nur eine Übergangslösung bis zum Start von UMTS und dazu ein billiges Testlabor für mobile Applikationen - nicht mehr nicht weniger. Beim Erfolg von i-Mode gehen die Meinungen auseinander


Stephan Sempert: "I-Mode ist zum Erfolg verdammt"

Die an der Amsterdamer Börse derzeit mit kanpp unter 20 Mrd. Euro bewertete e-plus Hauptgesellschafterin KPN wird, koste es was es wolle, dafür sorgen das i-Mode ein Erfolg wird. Denn am teuersten wäre ein Misserfolg an der Börse.

Nichts ist derzeit wichtiger für die Manager von Telekommunikations-Unternehmen, als die Finanzmärkte bei Laune zu halten. Denn wenn, wie vergangene Woche geschehen, Aktienpreise in den Keller rauschen stehen nicht nur die Arbeitsplätze von Mitarbeitern sondern auch Top-Jobs auf dem Spiel. Und es ist nicht nur ein irrationalen Stimmungswandel der die Analysten und Fondmanager aus den Telekom-Werten treibt. Es gibt tatsächlich Anlass für fundamentale Sorgen.

Kein Bild, kein Ton

Zuletzt waren es die Kosten der teuren Akquisitionen aus den Zeiten des High Tech Booms, die kritisch beäugt wurden. Auch die Koninklijke KPN hatte da nichts Gutes zu berichten. Wegen der "unerwartet hohen Abschreibungen" von 13,7 Mrd. Euro auf den Firmenwert der Düsseldorfer E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG hat der niederländische Telekommunikationskonzern 2001 den höchsten Verlust seiner Unternehmensgeschichte ausgewiesen. Auch neue Abschreibungsregeln sorgen für höhere Verluste als geplant.

Nüchtern betrachtet sind diese Bilanzbewegungen aber vor allem virtueller Natur. Andere Befürchtung der Aktienanalysten dagegen sind viel konkreter. Wegen sinkender durchschnittlicher Verbindungskosten der Mobilfunkkunden wird nicht mehr genug erwirtschaftet, um die dennoch notwendige Erweiterungen der Übertragungskapazität zu finanzieren. Das führt zu verschlechterter Verbindungsqualität - und wer mangels Netzverbindung nicht telefonieren kann lässt erst recht weniger Geld beim Telefonanbieter seiner Wahl. Ein äußerst gefährlicher Teufelskreis also.

Aber die Rettung ist nah. Multimedia auf dem Handy schon heute und nicht erst in ungewisser UMTS-Zukunft soll es sein. Wer aus dem i-Menu sich leckere Bilder, Klingeltöne oder auch ganz profan aktuelle Nachrichten bestellt, der zahlt vor allem für die übertragenen Daten erkleckliche Sümmchen an den Netzbetreiber. Selbst wenn das Gelieferte gar nicht bestellt wurde - etwa weil es sich um die bunte Werbemail eines frechen Spamversenders handelt - E-plus ist mit einem Cent je KByte dabei. Ein echter Fortschritt gegenüber SMS, finden jedenfalls die Finanzexperten.

Umsonst geht immer

Da wird es dann auch verständlich, dass vor allem die kostenlosen Inhalte von E-plus beworben werden. Denn die paar Prozente, die E-plus für die Abrechnung der Premium Services bekommt sind da doch eher Kleingeld.

Das wäre schade für die Anbieter der Inhalte. Die hatten sich doch Hoffnungen gemacht, dass im i-Mode System endlich Geld zu verdienen wäre. Ist es auch, aber zahlen werden im Zweifel die Carrier. Denn wenn billige oder kostenlose Inhalte helfen, Übertragungskapazität zu verkaufen, dann - siehe oben - kann es sich KPN gar nicht leisten nicht zu zahlen. Wenn man dann noch die relativ niedrigen Großhandelspreise auf dem Medienmarkt kennt, ist das Erfolgsszenario von i-mode klar. KPN/e-plus sorgt für ausreichend kostenfreien Content und kassiert an der wesentlich weniger preissensiblen Übertragung.

Die jungen Leute

Die Medien und anderen Lieferanten, froh endlich einen Abnehmer gefunden zu haben, verkaufen Ihre Inhalte an e-plus zu Grenzwertkosten (wo man hat die Inhalte doch sowieso schon herumliegen hat ?). Die Hauptzielgruppe bleiben Jugendliche, die zwar eher schwarz CDs brennen als Ihr Taschengeld für Lizenzen jedweder Art auszugeben. Die aber (so sind sie halt die jungen Leute) bei den laufenden Telefonkosten nicht so genau hinschauen.

Der geneigte Leser wird einwenden, dass sich so auf Dauer keine wirklich interessanten Angebote für breitere Zielgruppen finanzieren lassen. Das mag stimmen, aber fürs erste wird es funktionieren. Ob es auch allerdings auch reichen wird, wenn an den Börsen die nackte Gier mal wieder in panische Angst umschlägt?

Olaf Deininger: "... höchstens als UMTS-Testlabor."

Das heutige i-Mode wird eine Übergangslösung bleiben. Denn es ist das beste Testlabor, das wir uns für mobile Applikationen vorstellen können. Nicht mehr und nicht weniger ...

Eigentlich ist doch alles in Ordnung mit i-Mode. Und dass die viel zu hohen Erwartungen nicht erfüllt werden - zumindest nicht am Anfang - ist ebenfalls nicht tragisch. Es ist vielleicht ganz gut so. Sicher: Das Faszinierende an i-Mode Deutschland ist einmal der äußerst erfolgreiche große Bruder in Japan und die äußerst niedrigen Investitionskosten für Content-Provider. Inhalte sind bereits vorhanden, und die technische Anbindung kostet nichts. Zumindest nicht viel. Also, rein ins Vergnügen, es könnte ja was werden.

Vorteilhaft

Doch dieser Vorteil ist gleichzeitig auch der Nachteil: Denn er hat dafür gesorgt, dass sich die Medienunternehmen, die sich bis jetzt bei i-Mode engagieren, dort bis jetzt noch einigermaßen zurückhaltend aufführen. Denn Content, der sowieso herumliegt, hat meistens die Eigenschaft nicht ganz so exklusiv und originell zu sein. Wenn E-Plus jetzt mit Freude meldet, Klingeltöne und ein bisschen Navigation laufen am besten (abgesehen von der scharfen Erotik in 256 Farben - was E-Plus aber mit Rücksicht auf die Marke wohlweislich verschweigt), ist das der Beweis dafür, dass die neuen Applikationen im wesentlichen die alten Applikationen sind. Denn Klingeltöne zum Download gibt es seit 1997, und um die unters Volk zu bringen, hat man i-Mode wirklich nicht gebraucht.

Wer soll das bezahlen?

Was natürlich die Frage generiert, wozu ich als Endbenutzer - erstens - die paketbasierte Datenübertragung, - zweitens - meine Standard-Abo-Gebühren (für die ich neben E-Mail-Nutzung ohnehin nur die Inhaltsverzeichnisse betrachten kann) und - drittens - noch eine Premium-Gebühr für die News selber bezahlen soll. Wohlgemerkt für Inhalte, die ich im Internet und auf WAP ohnehin zu einem Bruchteil der Kosten bekomme. Fazit: Mit Me-too-Rohstoffen lassen sich eben keine originären Applikationen basteln. Und nur schwer Umsätze generieren: Denn - das wird die erste i-Mode-Lektion sein - wer nichts reinsteckt, bekommt nichts heraus. Bleibt das so, könnte i-Mode zu einer eher langweiligen und defizitären Veranstaltung werden. Aber auch das ist nicht besonders tragisch.

Mehr als farbiges WAP

Wenn Leute nun behaupten, i-Mode sei doch nicht viel mehr als ein farbiges WAP, dann übersehen sie den entscheidenden Unterschied: Denn i-Mode verfügt über ein funktionierendes Billing-System. Und das macht es zu einer Plattform, auf der man wertvolle Erfahrungen für die spätere UMTS-Zukunft sammeln kann. Zu einem Testlabor, in dem man heute schon herausfinden kann, was morgen funktioniert - und was eben eher nicht. Unter Echtbedingungen, mit echten Usern und echtem Geld. Wo gibt's das schon?

Und damit ist es gar nicht so wichtig, ob i-Mode als Marke oder als breit angelegter Dienst reüssiert - bei so viel fröhlichem Trial-and-Error ohnehin eher nicht. Entscheidend ist - da haben die E-Plus-Manager schon recht - der preisgünstige Einstieg in die Lernkurve. Und eigentlich ist das richtig nett von E-Plus, dafür einen Großteil der Investitionen zu übernehmen.

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

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