Streitkräfte stoßen auf Republikanische Garde
Blair will Bagdad so schnell wie möglich erreichen

Ungeachtet der heftigen Gefechte der von den USA geführten Truppen mit der irakischen Armee hat Großbritanniens Premierminister Tony Blair das schnelle Vorrücken auf Bagdad als vorrangiges Kriegsziel bezeichnet.

Reuters BAGDAD/LONDON. "Das entscheidende Ziel ist es, Bagdad so schnell wie möglich zu erreichen und damit das Ende des Regimes (von Saddam Hussein) näher zu bringen", sagte Blair am Montag in London. Iraks Präsident Saddam Hussein rief in seiner zweiten, im Fernsehen ausgestrahlten Rede seit Kriegsbeginn sein Volk zum Widerstand auf und sagte einen langen Krieg voraus. Aus mehreren Orten in Irak wurden heftige Kämpfe gemeldet, die Hauptstadt Bagdad wurde mehrfach bis in die Abendstunden hinein bombardiert. Das US-Militär bestätigte den Abschuss eines seiner "Apache"-Kampfhubschrauber; die Besatzung werde vermisst. Der Oberbefehlshaber der US-Truppen, Tommy Franks, sprach von zügigen, in einige Fällen dramatischen Fortschritten der US-geführten Truppen.

An den Finanzmärkten nahm die Furcht vor einem länger als erwarteten Krieg zu, an den Börsen in Europa und den USA sanken die Kurse daher deutlich. Die Ölpreise stiegen wieder kräftig. Blair deutete vor dem Unterhaus an, dass die entscheidenden Kämpfe der US-geführten Truppen auf dem Weg nach Bagdad bald bevorstünden. Die Koalitionskräfte unter der Führung des 5. US-Corps seien auf dem Weg in die Hauptstadt. "Während wir hier sprechen, sind sie rund 60 (knapp 100 Kilometer) Meilen südlich von Bagdad nahe Kerbala", fügte er hinzu. Nun dürften die Streitkräfte bald auf die Medina-Division der Republikanischen Garde stoßen. "Das wird ein entscheidender Moment sein." Die Streitkräfte, die Saddam am nächsten stünden, widersetzten sich am heftigsten. In der Nähe von Kerbala lieferten sich die alliierten Truppen heftige Kämpfe mit Irakern.

Saddam: Feind sitzt in der Falle

Saddam sagte in der Fernsehansprache den USA und ihren Verbündeten einen langen Krieg voraus und rief sein Volk zum erbitterten Widerstand auf. "Tapfere Kämpfer, schlagt euren Feind mit all eurer Kraft", sagte Saddam. "Der Feind sitzt im heiligen Land Irak in der Falle." Reuters-Korrespondenten zeigten sich ebenso wie Nahost-Experten überzeugt, dass die Fernsehansprache von Saddam und nicht von einem seiner Doppelgänger gehalten wurde. Unklar blieb aber, ob es sich um eine Live-Ausstrahlung oder eine Aufzeichnung handelte. Iraks Vize-Ministerpräsident Tarek Asis sagte auf einer Pressekonferenz in Bagdad, die irakische Führung sei wohlauf und Saddam habe die volle Kontrolle über die Armee und das Land.

Kurz nach Saddams Rede zeigte das irakische Fernsehen Bilder eines US-Kampfhubschraubers des Typs "Apache", der umringt von Irakern auf einem Feld stand. Iraks Informationsminister Mohammed Said el Sahaf sagte, zwei "Apaches" seien von Bauern abgeschossen worden. Der Oberkommandierende der US-Truppen in der Golf-Region, Franks, bestätigte, dass die Besatzung eines US-Hubschraubers vom Typ "Apache" vermisst wird, dementierte aber, dass der Hubschrauber von Bauern abgeschossen wurde. Der Hubschrauber sei einer von 30 bis 40 Maschinen gewesen, die in der Region angegriffen hätten. Am Abend wurden im irakischen Fernsehen zwei Männer gezeigt, bei denen es sich um die beiden Piloten handeln sollte.

Flugzeug mit verletzten Soldaten landet im Ramstein

Die US-geführten Truppen sind seit dem Wochenende auf teilweise heftigen Widerstand gestoßen. Die heftigsten Kämpfe gab es bei Nassirija, wo zwei strategisch wichtige Brücken den Euphrat überspannen. Zwölf US-Soldaten werden US-Militärangaben zufolge nach den Kämpfen in Nassirija vermisst, bis zu neun kamen ums Leben. Auf dem US-Stützpunkt in Ramstein in Rheinland-Pfalz landete ein US-Flugzeug aus Kuwait mit den ersten im Kampf verletzten Soldaten an Bord.

Bagdad war auch am Montag mindestens vier Mal Ziel von Luftangriffen. Reuters-Korrespondent Nadim Ladki berichtete am Abend von zahlreichen Explosionen, Kampfflugzeuge dröhnten über der Stadt. Mittlerweile werde alle paar Stunden angegriffen. "Aber die Angriffe werden schwerer und regelmäßiger in der Nacht", sagte Ladki. Auch die nordirakische Stadt Mosul wurde bombardiert.

Warnung vor humanitärer Katastrophe

Hilfsorganisationen warnten am Montag vor einer humanitären Katastrophe in dem weitgehend von Nahrungsmittelhilfen der Vereinten Nationen (UN) abhängigen Irak. Basra als zweitgrößte Stadt Iraks mit zwei Mill. Einwohnern stehe am Rande einer Katastrophe, nachdem durch Stromausfall 60 % der Wasserversorgung nicht mehr funktionierten, hieß es beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf.

An den Finanzmärkten gingen die Investoren angesichts der Gegenwehr der irakischen Armee wieder stärker davon aus, dass der Krieg länger dauern könnte als erwartet. An den europäischen Aktienmärkten sanken die Kurse deswegen um bis zu gut fünf Prozent, während die als sicherere Anlage geltenden Staatsanleihen sowie Öl und Gold deutlich teurer wurden. An der Wall Street brachen die Kurse um über drei Prozent ein, womit die Gewinne vom Freitag wieder weitgehend wettgemacht wurden. Die Ölpreise zogen um 1,75 Dollar auf wieder über 26 Dollar je Barrel (159 Liter) an.

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