Streitpunkt: Anteilsverkauf
Promos verklagt Infineon

Der Chip-Hersteller Promos hat seinen bisherigen Partner und Produktionsabnehmer Infineon wegen Vertrauensbruch und Verstoß gegen das taiwanesische Wertpapiergesetz verklagt.

Reuters TAIPEH/MÜNCHEN. Damit reagiert das Unternehmen auf die Ankündigung von Infineon, seinen Promos-Anteil von knapp 30 % zu verkaufen, nachdem vergangene Woche Gespräche über eine höhere Beteiligung an der Speicherchip-Produktion der Taiwanesen gescheitert waren.

Infineon habe seine Befugnisse als Anteilseigner missbraucht und versucht, den Kurs der Aktie zu manipulieren, begründete Promos am Montag nach Börsenschluss in Taipeh die eingereichte Klage. Eine Sprecherin des in München ansässigen sechstgrößten Halbleiterherstellers der Welt lehnte eine Stellungnahme zu der Klage ab. Der Münchener Chip-Konzern hatte Promos mit seinem taiwanesischen Partner Mosel Vitelic gegründet, Anfang Oktober aber die gemeinsame Aktionärsvereinbarung aufgekündigt und Mosel Vertragsbruch vorgeworfen. Zugleich wollte Infineon seinen Anteil an der Speicherchip-Produktion von Promos von aktuell 48 % auf nahezu 100 % aufstocken.

Die Infineon-Aktie konnte trotz der Klage zeitweise um über sieben Prozent zulegen. Das Papier profitiere davon, dass die Sorge vor weiteren Anteilsverkäufen durch die ehemalige Infineon-Mutter Siemens nachlasse, sagte ein Fondsmanager. Siemens hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass der Siemens-Pensionsfonds in den vergangenen Wochen die Beteiligung an Infineon weiter reduziert habe. Zudem sei die Aktie technisch betrachtet überverkauft gewesen, sagten Aktienexperten. Am späten Nachmittag notierte der Infineon-Anteilsschein noch mit 7,86 ? um fünf Prozent im Plus, während der DAX um 2,3 % zulegte.

Infineon wirft Mosel Vitelic Vertragsbruch vor

Mit der Ankündigung von Promos geht die Auseinandersetzung zwischen Infineon auf der einen Seite sowie Mosel Vitelic und Promos auf der anderen in eine neue Runde. Vergangenen Dienstag hatte Infineon angekündigt, die Verhandlungen mit Promos über einen höheren Anteil an der Produktion seien gescheitert. Infineon werde sich deshalb komplett aus Promos zurückziehen und seinen Anteil an dem Unternehmen von knapp 30 % verkaufen.

Zugleich will Infineon die Lizenzierung neuer Produktionstechnologie an Promos beenden, und sieht deshalb die taiwanesische Firma in naher Zukunft vor Produktionsproblemen. Analysten der Berenberg Bank erklärten in einer Studie, sie hielten es für denkbar, dass Infineon auf diese Weise Mosel Vitelic unter Druck setzen wolle, um günstig an deren Anteil zu kommen und Promos damit doch komplett zu übernehmen.

Ein Promos-Sprecher sagte am Montag, der angekündigte Rückzug von Infineon habe massive Auswirkungen auf die Interessen der Promos-Aktionäre. "Wir haben uns entschieden, rechtliche Schritte einzuleiten." Zudem werde auch die Handelsbehörde in den Fall eingeschaltet.

Das Gemeinschaftsunternehmen Promos war ein Teil der Strategie von Infineon, sich Produktionskapazitäten zu sichern und dabei den eigenen Kapitaleinsatz möglichst gering zu halten. Früheren Angaben zufolge bezog der Münchener Konzern zehn bis 15 % seiner Speicherbausteine (DRAMs) von Promos. Infineon hat aber zuletzt ein exklusives Lieferabkommen mit der chinesischen SMIC sowie ein Fertigungs- und Entwicklungs-Joint Venture mit Nanya vereinbart. Darüber hinaus existieren weitere Partnerschaften. Analysten erwarten deshalb bei einem Wegfall der Lieferungen von Promos keinen Engpass für Infineon.

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