Streitpunkt letzte Meile
Angriff auf die letzte Bastion der Telekom

Es geht nur um rund 100 Meter. Doch diese Distanz ist eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu mehr Wettbewerb im Ortsnetz. Telekom-Unternehmen, die eigene Anschlüsse für Endkunden anbieten wollen, müssen diese letzte Meile von der Telekommieten - oder selbst Kabel verlegen. Der Ex-Monopolist und die Privaten streiten sich seit Jahren über die Frage, wie viel diese 100 Meter Telefonleitung kosten dürfen.

BONN. Am Freitag hat erneut eine Anhörung bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post begonnen, die heute fortgesetzt wird. Es geht um den Antrag der Deutschen Telekom, die bisherige Miete von 25,40 DM im Monat auf 34 DM zu erhöhen. Nur damit lässt sich aus Sicht des Ex-Monopolisten die letzte Meile kostendeckend vermieten. Belege dafür hat das Unternehmen gleich mitgliefert - in Form von 16 Aktenordnern.

Die Privaten halten die Telekom-Forderung für viel zu hoch. Sie führen eine Studie an, die der Duisburger Professor Torsten Gerpott im Auftrag des Verbands der Stadtnetzbetreiber Breko erstellt hat. Gerpott rechnete aus, wie viel die letzte Meile kosten würde, wenn das Ortsnetz neu aufgebaut würde. Sein Ergebnis: 17,80 DM. Einige Anbieter halten auch 15 DM für kostendeckend.

Der ehemalige Monopolist behauptet hingegen, schon die bisher von der Regulierungsbehörde verordneten 25,40 DM lägen international deutlich unter dem Durchschnitt - und führten dazu, dass der Konzern seine Konkurrenten subventioniere.

Die Privaten halten den internationalen Vergleich für nicht zulässig, denn in den von der Telekom angeführten Ländern sei der Wettbewerb im Ortsnetz noch nicht richtig in Gang gekommen. Zudem halte die Telekom die Preise für die Bereitstellung der Teilnehmeranschlussleitung bewusst hoch. Auf Vorschläge, mit denen sich die Kosten senken ließen, gehe der Konzern nicht ein. Gleichzeitig sei der Telefonanschluss für die eigenen Kunden billiger. Die Wettbewerber kritisieren, dass diese geringere Grundgebühr offenbar durch Einnahmen aus Telefongesprächen quersubventioniert werde.

Feilschen um das Ortsnetz

Wenn die Telekom und ihre Wettbewerber streiten, geht es nicht nur um die nackten Summen. Gefeilscht wird um die letzte Bastion des Ex-Monopolisten: das Ortsnetz. Dort hat die Telekom auch drei Jahre nach Marktöffnung noch immer einen Marktanteil von 98,5 %.

Bis Ende 2000 haben 95 Unternehmen Verträge mit der Telekom abgeschlossen. Über die Kupferdoppelader wollen sie nicht nur Orts- und Ferngespräche anbieten, sondern auch superschnelle Internet-Zugänge schalten. Rein theoretisch besteht jetzt in jeder zweiten deutschen Stadt mit mehr als 50 000 Einwohnern die Möglichkeit, einen Telefon-Anschluss bei einem Konkurrenten zu beantragen. Tatsächlich konnte die Quasi-Monopolstellung der Telekom dadurch kaum angetastet werden, denn in vielen Städten gibt es die Wechselmöglichkeiten erst seit kurzem und auch nicht in allen Stadtteilen.

Zwei Drittel der Unternehmen, die Dienstleistungen im Ortsnetz anbieten wollen, sind auf die letzte Meile der Telekom angewiesen. Die anderen setzen auf alternative Anschlusstechnologien wie Richtfunk, das Strom- oder das Fernsehkabel. Doch all diese Alternativen stecken erst in den Anfängen. "Der Flaschenhals Ortsnetz braucht unsere besonderen Anstrengungen", betonte daher auch Matthias Kurth, Präsident der Regulierungsbehörde.

Die Telekom-Konkurrenten hoffen auf einen neuen Anlauf im Ortsnetz, wenn die Regulierungsbehörde in sechs Wochen die neuen Preise für die letzte Meile festlegt. Zudem entscheiden die Deregulierer in der nächsten Zeit über Gebühren für den geteilten Zugang, den so genannten shared access. Das bedeutet, dass die Privaten nicht mehr die gesamte Telekom-Leitung im Ortsnetz mieten müssen, sondern nur einen Teil des Frequenzspektrums. Der Kunde kann seinen Telefon-Anschluss bei der Telekom behalten und erhält nur einen Internet-Zugang von einem anderen Anbieter.

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