Streitthema Krippenplätze
Rechtsanspruch – na und?

Die Debatte um Krippenplätze schien beendet. Doch tatsächlich sorgt der in Berlin beschlossene Rechtsanspruch bei den Kommunen noch für viel Wirbel. In Stuttgart bezweifelt Oberbürgermeister Schuster gar die Durchsetzungskraft des Beschlusses - und zeigt gleichzeitig, wie Kinderbetreuung auch auf Kommunalebene funktionieren kann.

STUTTGART. Rechtsanspruch? Auf einen Krippenplatz? Das kann Stuttgarts Oberbürgermeister nicht schrecken. "Einen Rechtsanspruch kann man immer weich spülen", sagt Wolfgang Schuster, "zumindest solange ein Gesetz nicht festlegt, wie lang die tägliche Betreuung sein muss, wie weit die Krippe von der Wohnung entfernt und wie teuer ein Platz sein darf." Als in den 90ern das Recht auf einen Kindergartenplatz ab drei kam, fehlte all dies - deshalb gab es auch kaum Klagen, lächelt Schuster.

In Berlin hat sich die große Koalition auf einen Rechtsanspruch geeinigt und will vier Mrd. beisteuern, damit was daraus wird. Vor Ort, in den Rathäusern, wird das Thema ganz anders diskutiert. Auch in Stuttgart.

Zum Beispiel der Bedarf. Angeblich brauchen deutsche Eltern für jedes dritte Kind einen Platz. "Das kann man auch über den Preis steuern", meint Schuster: "Wenn ein Platz so teuer ist wie in Berlin, sinkt der Bedarf automatisch." Stuttgart hätte hier noch viel Luft: In der schwäbischen Boomtown zahlen Eltern maximal 250 Euro, inklusive Verpflegung - in Berlin ist das fast dreimal so teuer.

Oder die Prognosen: Nach Ansage amtlicher Statistiker hätte die Schar der unter Dreijährigen in Stuttgart seit 2002 eigentlich um 1 500 schrumpfen müssen. Ist sie aber nicht, es sind nach wie vor knapp 16 000 Zwerge - Pech für Kita-Planer.

Doch um Missverständnissen vorzubeugen: Christdemokrat Schuster ist weit davon entfernt, wie die CSU Mütter per "Trostpreis" zu Hause halten zu wollen. Im Gegenteil: Stuttgart hat für 22 Prozent der Kleinsten einen Krippenplatz. Für eine Stadt im Südwesten nicht schlecht. Zielmarke ist auch nicht die in Berlin ausgekungelte Quote von 33, sondern 50 Prozent. Nur in jedem fünften Stuttgarter Haushalt leben Minderjährige - und Schuster will nicht tatenlos zusehen, "wie die Stadt ein großes Altenheim wird".

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