Strenge Auflagen gefordert
Mehrheit des Ethikrats für Import von Stammzellen

Der Nationale Ethikrat befürwortet mehrheitlich den zeitlich begrenzten Import embryonaler Stammzellen, knüpft dies aber an enge Auflagen.

ink/tom BERLIN/BRÜSSEL. Der Nationale Ethikrat befürwortet mehrheitlich den Import embryonaler Stammzellen, knüpft dies aber an enge Auflagen. So soll eine Zulassung auf drei Jahre befristet werden. Zudem soll sichergestellt werden, dass importierte Zellen ausschließlich aus überzähligen befruchteten Eiern stammen, die nicht zum Zwecke der Forschung produziert wurden, sagte der Vorsitzende des Nationalen Ethikrates, Spiros Simitis, am Donnerstag abend in Berlin.

Die 14 der 25 Mitglieder des Rates, die einen Import befürworten, forderten zudem den Aufbau eines zentralen Registrierungssystems, eine wissenschaftliche Prüfung, eine Begutachtung durch eine unabhängige, interdisziplinäre Kommission und eine Veröffentlichung der Ergebnisse. Zudem sollten nur Stammzelllinien verwenden werden dürfen, bei denen Spenderpaare zuvor der Forschung zugestimmt haben und die dafür keine Vergütung erhalten haben, betonte Simitis. Wissenschaftler, die einen Antrag auf den Import solcher Stammzellen stellen, müssten nachweisen, dass die Zelllinie diesen Kriterien entsprechen und bereits vor Antragstellung bestanden haben. Simitis betonte, dass die Regelungen auch für die Forschung in Unternehmen gelten müsste.

8 Mitglieder des Ethikrates sprachen sich gegen ein Import und zumindest für ein Moratorium aus, bis der Gesetzgeber grundsätzlich über die Frage entschieden hat. Vier der acht, darunter der Evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, lehnen einen Import aus prinzipiellen Gründen ganz ab.

Andere Position als Bundestags-Enquetekommission

Der vom Bundeskanzler eingesetzte Nationale Ethikrat nimmt damit mehrheitlich eine andere Position ein als die Bundestags-Enquetekommission zur Ethik in der modernen Medizin, die sich gegen einen Import ausgesprochen hatte. Der Bundestag will am 30. Januar entscheiden, welchen Kurs Deutschland in der Biomedizin steuern soll. Die Bundesregierung hatte deutlich gemacht, dass sie eine begrenzte Freigabe des Imports befürwortet.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte im Falle einer Zustimmung ein Registrierungsverfahren für alle wissenschaftlichen Versuche mit Stammzellen angeregt. Doch die von ihr t vorgeschlagene Prüfung durch dezentrale Ethikkommissionen lehnt die Mehrheit des Ethikrates nun ab. Simitis selbst hält es auch für nötig, dass nicht nur die Forschungsförderrichtlinien geändert werden, sondern eine gesetzliche Regelung auch Firmen zwingt, ihre Forschung an embryonalen Stammzellen anzugeben.

Die Diskussion über die ethischen Fragen der Forschung mit Stammzellen sorgte gestern auch im Europaparlament für Aufregung. Im Plenum scheiterte eine Resolution zu den ethischen Auswirkungen der Humangenetik. Nach einer stundenlangen chaotischen Abstimmung wandte sich eine breite Mehrheit der Parlamentarier gegen den Vorschlag.

Zur Diskussion stand eine Vorlage, die unter der Federführung des konservativen italienischen Abgeordneten Francesco Fiori erarbeitet worden war. Gemeinsam mit den Grünen wollten konservative Abgeordnete eine sehr restriktive Haltung zur Forschung mit menschlichen Stammzellen und zum so genannten "therapeutisches Klonen" durchsetzen. Die Resolution hätte damit im Widerspruch zu einem Parlamentsbeschluss von Mitte November gestanden, in dem die Abgeordneten das neue Forschungsprogramm von EU-Forschungskommissar Philippe Busquin in der ersten Lesung gebilligt hatten. Darin ist auch die Forschung an Stammzellen von Embryos vorgesehen, wenn diese beispielsweise nach einer künstlichen Befruchtung überzählig sind.

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