Strenge Meldegesetze
China beginnt mit landesweiter Volkszählung

rtr PEKING. Im Auftrag der chinesischen Regierung haben am Mittwoch sechs Millionen Volkszähler damit begonnen, die Daten der chinesischen Bevölkerung zu sammeln. Innerhalb von zehn Tagen sollen nach offiziellen Angaben insgesamt 360 Millionen Haushalte befragt werden. Der chinesischen Regierung zufolge leben 1,26 Milliarden Menschen in China. Nach Schätzung des Weltkinderhilfswerks (UNICEF) der Vereinten Nationen (UNO) sind es vermutlich 20 bis 100 Millionen mehr. China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und versucht mit strengen Geburtenkontrollen das Wachstum der Bevölkerung einzudämmen. Bis Jahresende soll die Zahl der Chinesen 1,3 Milliarden nicht übersteigen.

Die Volkszähler stünden jedoch oft vor verschlossenen Türen, sagt Li Tingming, eine Statistikerin der Stadtregierung Pekings. Aus Angst um nicht gemeldete Kindern und vor den strengen Meldegesetzen Chinas weigerten sich viele Menschen mit den Volkszählern zusammenzuarbeiten. Damit die Bevölkerungszahl nicht weiter ansteigt, ist Paaren nur ein Kind erlaubt. Viele Chinesen leben nicht dort, wo sie offiziell gemeldet sind. "Es ist sehr schwierig, die Menschen zu überreden, den Volkszählern die Tür zu öffnen", sagte Tingming.

Die Regierung hat mit einer Öffentlichkeitskampagne versucht, die Ängste beizulegen. Es werde keine Vergeltung geben, die Regierung wolle nur die Details, heißt es aus Regierungskreisen. Die Daten würden nicht an die Regionalregierungen weitergegeben werden, zitierte die Zeitung "China Daily" einen Regierungsbeamten. Die Regionalregierungen sind für die Registrierung der Einwohner zuständig. Viele würden glauben, dass die Volkszähler nicht unabhängig von der Meldebehörde seien, sagte Soziologie-Professor Siu Yat Ming von einer Universität in Hongkong.

Die Professorin für Demographie an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Hongkong, Judith Banister, sagte, die Volkszählung werde zum ersten Mal viele Details über die Lebensumstände zugängig machen. Besonders das Verhältnis von Söhnen und Töchtern sei interessant. Weiblicher Nachwuchs werde oft abgetrieben, da Söhne eine höhere Priorität hätten, sagte Banister. Auf 100 Mädchen kommen nach bisherigen Daten 119 Söhne bei Kindern über vier Jahren.

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