Strenge Sicherheitsvorkehrungen
Regenschirme sollen vor aufgebrachten EM.TV-Aktionären schützen

Wenn es ums Geld geht, hört der Spaß auf. Deshalb hatte man, nachdem der Kurs der EM.TV-Aktie in den Keller gegangen war, offensichtlich mit allem gerechnet.

ddp.vwd MÜNCHEN. Vorsichtshalber wurden bei der Hauptversammlung des angeschlagenen Medienunternehmens am Mittwoch in München auf der Treppe zum Podest, auf dem Vorstand und Aufsichtsrat saßen, Regenschirme aufgehängt. In einem geschlossenen Raum bei wolkenlosem Himmel und über 30 Grad Celsius vor der Tür konnten die Regenschirme nur eine Aufgabe haben: Sie sollten offenbar vor wütenden und vielleicht Eier oder sonstige Dinge werfenden Aktionären schützen. Zu solchen Ausfällen kam es jedoch nicht, wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Sicherheitsvorkehrungen am Eingang besonders streng waren.

Dafür gab es nach den immensen Kursverlusten der EM.TV-Aktie von zeitweise mehr als 120 Euro auf unter 4 Euro die erwarteten heftigen verbalen Angriffe. Ein Rechtsanwalt, der Kleinaktionäre bei Schadenersatzansprüchen vertritt, betonte, der EM.TV-Vorstand habe die Anleger "belogen, wie kein anderer Vorstand jemals zuvor". Ein Anleger sprach von einem «genialen Anlagebetrug», der von Anfang an von den Haffa-Brüdern so geplant gewesen sei. Am Ende seien sie mit dem Geld "auf und davon".

War der einstige Börsenstar auf den früheren Hauptversammlungen von den Aktionären gefeiert worden, war nun kaum einer der nach München gereisten knapp 3.000 Anleger auf Haffa gut zu sprechen. Viele nahmen es ihm übel, dass er sich auf der Hauptversammlung nicht mehr den Fragen der Aktionäre stellte. Haffa habe "sich aus dem Staub gemacht", kritisierte Daniela Bergdolt von der DSW. Der Abgang Haffas sei "schäbig" und "unwürdig". Die Flucht vor der Verantwortung sei "feige".

Kleinaktionär Eugen Börschklein, der aus der Nähe von Nürnberg angereist war, teilte zwar diese Meinung, drückte sich aber etwas zurückhaltender aus: "Ich bin schon ein bisschen enttäuscht von den Haffas." Er hatte vor rund einem Jahr Aktien von EM.TV gekauft - "nicht mehr zum teuersten, aber doch zu einem erheblichen Preis". Dann ging die Aktie im Sturzflug nach unten, und er verkaufte hektisch mit hohem Verlust. Die Hälfte seines einstigen Bestandes an EM.TV-Aktien habe er aber noch. Nun hoffe er, dass die vom künftigen Vorstandschef Werner Klatten angestrebte Neustrukturierung greift und die Aktie wieder steigt. Mit dieser Hoffnung war er auf der Hauptversammlung nicht allein. Auch Kleinaktionär Josef Meier aus München hofft. Er musste bereits 15.000 Mark Verluste hinnehmen. Er hatte EM.TV-Aktien bei einem Kurs von rund 90 Euro gekauft, jetzt wäre er schon zufrieden, wenn der Kurs noch in diesem Jahr zumindest auf 10 Euro steigt.

Wie Hohn musste es in den Ohren der Kleinanleger klingen, die viel Geld verloren haben, als der Aufsichtsrat ankündigte, sich eine höhere Vergütung billigen zu wollen. Aufsichtsratschef Bernd Thiemann erntete dafür nur Gelächter der Aktionäre. Thiemanns hilflose Verteidigungsversuche, dass die Arbeit des Aufsichtsrats gewachsen sei und er sogar auf seinen Schleswig-Holstein-Urlaub verzichten musste, halfen da auch nicht weiter.

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