Strengere Regeln notwendig
Experten resignieren: Insider-Handel kaum aufdeckbar

Das Aufdecken eines Insider-Geschäfts an der Börse ist aus Sicht von Experten mit den aktuellen Instrumenten kaum möglich. "Die gesetzlichen Regelungen haben große Lücken", erklärt Finanzexperte Prof. Andreas Oehler.

dpa BAMBERG. Das Analysieren auffälliger Kurs- und Umsatzbewegungen sei als Ermittlungsansatz wenig aussagekräftig, sagte der Finanzexperte Prof. Andreas Oehler von der Universität Bamberg. Es gebe oft ganz rationale Gründe für solche Ausschläge. "Es müssen schon Tipps durch Neider oder große eigene Dummheit dazukommen, um vor Gericht zu landen", sagte Oehler.

Der Experte forderte eine "volle Transparenz" der Depots von Primärinsidern wie Vorstandsmitgliedern und Marktinsidern - wie Fondsmanagern und Börsenexperten in den Medien - gegenüber dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel.

"Die gesetzlichen Regelungen haben große Lücken", sagte Oehler. Obendrein führten die etwaigen Ermittlungen wegen des oft unklaren Tatbestands selten zu Prozessen. "Es ist bisher praktisch niemand verurteilt worden, der durch Aufsichtsbehörden selbstständig entdeckt worden wäre", sagte Oehler.

Das Ausmaß des Insiderhandels sei nicht abzuschätzen. Es gebe dazu keine seriöse Größenordnung, meinte Oehler. "Doch wenn die Lücken groß sind, ist der Anreiz vorhanden, obendrein kommt es selten zu Sanktionen." Bei einer Verurteilung drohen hohe Geldstrafen oder mehrjährige Haft.

Innerhalb der Unternehmen gebe es zwar einen "Compliance- Officer", dem Kauf und Verkauf von Aktien der eigenen Firma gemeldet werden müssten, aber dies helfe Ermittlern im Zweifelsfall nicht weiter, sagte Oehler. Neue gesetzliche Regeln müssten auch für alle gelten, die zum Beispiel als Moderator einer Börsen-Sendung "frei zugängliche Informationen medienwirksam verarbeiten."

Allerdings sei die Befürchtung, in den Verdacht des Insider- Handels zu kommen, zum Beispiel bei manchen Fondsmanagern der Banken inzwischen so ausgeprägt, dass sie bewusst auf den Erwerb bestimmter Aktien fürs Privatdepot verzichteten. "Da werden dann keine Aktien aus dem Bereich der eigenen Unternehmensgruppe oder der eigenen Fonds gekauft."

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